Login

Oceania (Eau de Parfum) von Roja Parfums

Oceania 2019 Eau de Parfum

DarkWinterCS
27.07.2022 - 07:01 Uhr
17
Sehr hilfreiche Rezension
9Duft 8Haltbarkeit 7Sillage 10Flakon 8Preis

Somewhere beyond the Sea, Somewhere waitinˋ for me

Sommer, Sonne, Sonnenschein und gutes Parfüm. Die aktuellen Temperaturen laden dazu ein entweder recht unparfümiert durch die Gegend zu laufen beziehungsweise eher leicht beduftet zu sein. Nach überraschend vielen Sommerdüften die ich dieses Jahr schon testen konnte, fiel mein Fazit eigentlich recht eindeutig aus. 2022 wird mit den beiden Freunden namens "Join The Club - Torino21 | XerJoff" und "Malibù - Party In The Bay | Simone Andreoli" verbracht. Eine schöne Kombination, der eine mit Zitrone und Kräutern, der andere mit Limette und Kokoswasser. EIGENTLICH !

Wenn sich da nicht unbedingt ein weiterer angeschlichen und durch seine abweichende DNA den "Malibù - Party In The Bay | Simone Andreoli" auf schönste Art gemeuchelt hätte. Was erlauben Roja ?

Mit Oceania hat mich ein Duft überzeugt, der normalerweise nicht in mein Suchraster gefallen wäre und durch einige Aussagen eher einen gewissen Abstand gewonnen hätte. Dazu ein - auf den ersten Blick - recht hoher Preis für den Flakon. Aber um dem gleich den Wind aus den segeln zu nehmen, der Xerjoff kostet auf den ml gerechnet ungefähr das gleiche.

Also alle anschnallen, Mast heben, Segel spannen und los geht die volle Fahrt.

Oceania ist sanfteste Erfrischung seit der Erfindung des Eisbonbons. Eher ungewohnt erfrischend, da Noten eingebracht werden, die man nicht vom Standard der Sommerdüfte erwartet.
Bekannt hingegen ist der Start, den man als recht „normal“ für einen Duft dieser Kategorie einordnen kann. Viele zitrische Noten, leicht fruchtig, leicht spritzig, leicht süßlich. Sehr erfrischend, angenehm in der Nase, da die Aromatik nicht sehr herb in der Nase ankommt.

Recht schnell kommen in meiner Nase zwei Aromen hinzu, die Leichtigkeit und eine Sommerbrise mitbringen. Thymian und Jasmin. Der Thymian sorgt für eine leicht-grüne Würze von Kräutern, die Jasminblüte für eine Luftigkeit, ein leichtes duften nach weißer Blüte, ohne jedoch intensiv zu sein. Genau die Menge, damit die Zitrik im Vordergrund bleibt und eher noch unterstützt wird. Lavendel gibt im Hintergrund die oft von Roja zitierte „Roundness“. Dabei spielt die Note als einzelnes Aroma keine tragende Rolle. Auch das geliebte Veilchen ordnet sich irgendwo zwischen dem Thymian und dem Lavendel ein.
In der Nase vernehme ich ab einem gewissen Punkt eine angenehme Süße, die die Frische lieblicher macht, der Zitrik etwas Saftigkeit gibt und der Jasmin die Blumigkeit.

Wer jetzt denkt „Das wars schon“ kennt Roja nicht, hier steht nichts still. Der Duft würde nicht Oceania heißen, wenn das Thema Ozean komplett außen vor wäre. Man merkt, irgendwann kommt eine Feuchtigkeit in den Duft, eine leichte Salzigkeit, ja fast eine Algen-artige Note. Obwohl ich mich an sogenannten „Gewitterdüften“ - Düften, die Feuchtigkeit und Aromen die nach frisch geschnittenen, nassen Grad riechen - sattgerochen habe, überraschte mich die Interpretation. Es fehlte diese intensive Grasnote, die mich mehr an Moos erinnerte. Es wird wohl die Note „Litsea cubeba“ sein, die mir ein angenehmeres Gefühl gibt als die typische Vetiver Gras-Note. Feiner, leichter und fast wie im Meer liegende Algen an einem leicht sonnigen Tag. Ich bin wiederum glücklich, dass der Duft keinen heißen Sommertag am Meer mit Algen imitiert, da es sonst deutlich unangenehmer und extrem muffig duften würde. Woher genau die salzige Assoziation kommt, kann ich bei der Betrachtung der Duftpyramide nicht filtern.

Die Haltbarkeit ist auf meiner Haut sehr gut, da ich mindestens acht Stunden Spaß an dem Duft habe und danach immer noch die floralen Noten vernehme. Je nach Anzahl der Sprühstöße riecht man ihn auch recht gut in der Luft, vor allem die Jasminblüte, die leichte Salzigkeit und etwas Fruchtigkeit.

Frisch, leicht floral, fruchtig, leichte Süße und dann eine Meeresbrise an einem Tag von 24 Grad. Überzeugend, luftig und sehr angenehm zu tragen. Ein perfekter Sommerduft.

Ich stelle mir so manche Kindheitserinnerungen an der Ostsee vor. Die Tage, die nicht sooo warm waren, welche als Kind trotzdem zum baden einluden. Das Treibholz-Aroma der Buhnen, leichte Salzigkeit des Brackwassers. Fruchtaromen des Obstes, welches wir als Proviant mitnahmen. Algen liegen im Wasser und in getrockneter Form im Sand. Heiterkeit, Freude und Leichtigkeit, die man im alltäglichen Wahnsinn des Arbeitslebens nicht mehr verspürt und Sehnsucht mitbringt. Erinnerungen nach dem Ort, der Zeit mit Familie und Freunden. Innerlich entsteht Dankbarkeit. Schön wars damals.

„The connection between a person, a perfume and a minute in time“ Roja hat so recht, wie Düfte auf uns wirken können. Oceania verbinde ich genau damit. Meiner Oma, dem Duft der Meeresbrise an einem wärmeren Tag am Strand und meiner Kindheit. Erinnerungen…

Somewhere beyond the sea, She´s there watching for me…
Aktualisiert am 27.07.2022 - 16:10 Uhr
2 Antworten
MarzipanMarzipan vor 3 Jahren
1
So ein schöner Duftkommentar, der zum Träumen einlädt. Duftpokal!🏆
FloydFloyd vor 3 Jahren
1
Salzigkeit würde ich der Litsea nicht zuschreiben, ich rätsle aber auch angesichts der Pyramide, wo die herkommen könnte. Klingt interessant..