31.12.2025 - 08:10 Uhr

Intersport
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ich schwörs's, so war’s: genau an dem Tag, also am 11.09.2025, an dem ich meinen Text zu Belles Rives (2017) hier, nach einigem Hadern, gepostet habe, ja, genau an diesem Tag, an dem ich mir noch gesagt hatte, ich pausiere jetzt mal mit den Corticchiato Reviews und wollte dabei nur schauen, ob das zu diesem Zeitpunkt schon lange angekündigte Madagascar Le Baume Vanille (2025) schon erschienen ist, ja, ausgerechnet an diesem Tag sah ich hier zwei neue Corticchiato Düfte gelistet: Le Jardinier und Antinoüs (beide 2025).
Wie es der Teufel will, war ich kurz darauf bei Liberty’s und konnte beide aus erster Hand testen. Le Jardinier ist ein GrünWeißBlütler, den ich zwischen Eau de Magnolia (2014) und Boutonnière N° 7 (2012) verorte, der aber auch jene typischen Corticchiato Grünschattierungen zeigt, wie man sie unverblümt elegant aus Mal Aimé (2021) oder Corsica Furiosa (2014) kennt. Schon toll! Der ungewöhnlichere Duft ist Antinoüs, und zwar so sehr, dass ich ihn doch etwas näher besprechen möchte.
Beim Blick auf die angegebene Cumin Note dachte ich zunächst, es könne sich um eine Weiterführung von Œillères (2017) handeln, aber weit gefehlt: Œillères verweist deutlich auf jene Phase kräuterlastiger Düfte an der Schnittstelle der späten 1970er und frühen 1980er Jahre, genauer gesagt auf ein Konstrukt zwischen Yatagan (1976) und Jules (1980). Antinoüs hingegen ist ganz und gar sein eigenes Ding.
Dabei könnte der erste Eindruck leicht täuschen: Jahreszahlen als Aufhänger – jeder Duft der neuen Marke anti ist einem bestimmten Datum zugeordnet, ein Konzept, das bereits durch Histoires de Parfums bekannt ist, die in ihren frühen 2000'er Jahren konsequent auf Datierungen gesetzt haben. Doch 129 A. C., Kaiser Hadrian und Antinoüs, genau diese Konstellation wurde schon in Arquiste’s Peau (2021) thematisiert. Und tatsächlich: Menschliches und Haut könnten hier als verbindendes Element interpretiert werden; aber so eine theoretische Nähe ist auch schon alles.
Cumin, das seit Roudnitska's Eau d’Hermès (1951) gerne mit Körperlichkeit in Verbindung gebracht wird (die Assoziation Schweiss Cumin habe ich allerdings nie so empfunden), ist ein zentrales Thema in Antinoüs, aber es sind wieder mal die Modulation und die Nachbarschaften, die Unterschiede ausmachen: Antinoüs ist zwar Cumin-lastig, lässt sich aber nicht unmittelbar neben Eau d’Hermès oder L’Autre (1973) stellen. Die Kombination dreier Salbei Extrakte (ein Trick, den Corticchiato gerne anwendet, etwa in dem dreifach-Mastix-Duft Corsica Furiosa oder eben auch just wieder in Madagascar Le Baume Vanille ) lässt das Ganze weit grünlicher, luftiger, frischer erscheinen - auf hesperidische wie florale Noten verzichtet Antinoüs dabei vollständig.
"I spent considerable time discovering how to structure this extraordinary perfume. I had my accord combining three sage extracts with various skin-evoking spices, but they needed a logical, harmonious assemblage. I experimented with numerous structures, and it was within a woody, musky foundation that the entire formula found its meaning. While spices naturally complement wood, the vetiver-sandalwood-warm musk ensemble revealed the skin-like and animalic facets of sage"
… so der Parfumeur. Was Antinoüs dabei vielleicht die entscheidende Nuance verleiht, ist das Weizenabsolute. Kurioserweise lässt mich diese Facette an einen ausgezeichneten früheren Duft von Parfum d’Empire denken, Salute! (2019), in dem eine Weinhefenote für einen realistisch vergorenen und ähnlich musky Aspekt verantwortlich ist, der mich bei jeder Begegnung an die vielen Varianten selbst gekelterter Weine erinnert, wie sie etwa auf den Atlantikinseln hergestellt werden. Die Profile dieses Absolutes werden wie folgt beschrieben: „A cereal note with a distinct dried fruit character, hay facets, apricot, and honey undertones“ (IFF) bzw. „Technical descriptors: hay, herbal, tea. Olfactive description: a gourmand scent reminiscent of biscuits, hay and honey, with a very long-lasting sweet, fruity note“ (DSM-Firmenich). Derartige Facetten erkenne ich in Antinoüs zum Teil wieder, sie komplementieren das Triple-Salbei-Cumin auf beste Weise bzw. gegenseitig: Salbei und Kreuzkümmel wirken abgerundeter, aber nicht stumpf, und die leicht heuartige Facette verfällt dabei nie ins Süße. Etwas Vétiver (sehr dezent, microdosing) schwingt mit. Das alles ist ein derart raffiniertes Zusammenspiel, dass ich diesen in vielerlei Hinsicht statischen Duft gerne so hinnehme, wie er ist. Die Abwesenheit eines dynamischen Verlaufs erscheint mir dabei auch stimmig für das Porträt eines historisch datierten Zeitpunkts als analytische Momentaufnahme.
Besonders schön ist zuletzt auch die leichte Anmut, Form und Figur, die Antinoüs besitzt: ein skin scent im besten Sinne, kein Sillage Monstrum. Dass so etwas 2025 in der nicht-artisanen newcomer Nische noch möglich ist, ein Glücksfall. Somit doch noch ein Duft aus diesem Jahr, der mich zum Jahresende überzeugen konnte, eigen und so sympathisch anders als vieles, was mir 2025 an Neuerscheinungen begegnet ist.
Wie es der Teufel will, war ich kurz darauf bei Liberty’s und konnte beide aus erster Hand testen. Le Jardinier ist ein GrünWeißBlütler, den ich zwischen Eau de Magnolia (2014) und Boutonnière N° 7 (2012) verorte, der aber auch jene typischen Corticchiato Grünschattierungen zeigt, wie man sie unverblümt elegant aus Mal Aimé (2021) oder Corsica Furiosa (2014) kennt. Schon toll! Der ungewöhnlichere Duft ist Antinoüs, und zwar so sehr, dass ich ihn doch etwas näher besprechen möchte.
Beim Blick auf die angegebene Cumin Note dachte ich zunächst, es könne sich um eine Weiterführung von Œillères (2017) handeln, aber weit gefehlt: Œillères verweist deutlich auf jene Phase kräuterlastiger Düfte an der Schnittstelle der späten 1970er und frühen 1980er Jahre, genauer gesagt auf ein Konstrukt zwischen Yatagan (1976) und Jules (1980). Antinoüs hingegen ist ganz und gar sein eigenes Ding.
Dabei könnte der erste Eindruck leicht täuschen: Jahreszahlen als Aufhänger – jeder Duft der neuen Marke anti ist einem bestimmten Datum zugeordnet, ein Konzept, das bereits durch Histoires de Parfums bekannt ist, die in ihren frühen 2000'er Jahren konsequent auf Datierungen gesetzt haben. Doch 129 A. C., Kaiser Hadrian und Antinoüs, genau diese Konstellation wurde schon in Arquiste’s Peau (2021) thematisiert. Und tatsächlich: Menschliches und Haut könnten hier als verbindendes Element interpretiert werden; aber so eine theoretische Nähe ist auch schon alles.
Cumin, das seit Roudnitska's Eau d’Hermès (1951) gerne mit Körperlichkeit in Verbindung gebracht wird (die Assoziation Schweiss Cumin habe ich allerdings nie so empfunden), ist ein zentrales Thema in Antinoüs, aber es sind wieder mal die Modulation und die Nachbarschaften, die Unterschiede ausmachen: Antinoüs ist zwar Cumin-lastig, lässt sich aber nicht unmittelbar neben Eau d’Hermès oder L’Autre (1973) stellen. Die Kombination dreier Salbei Extrakte (ein Trick, den Corticchiato gerne anwendet, etwa in dem dreifach-Mastix-Duft Corsica Furiosa oder eben auch just wieder in Madagascar Le Baume Vanille ) lässt das Ganze weit grünlicher, luftiger, frischer erscheinen - auf hesperidische wie florale Noten verzichtet Antinoüs dabei vollständig.
"I spent considerable time discovering how to structure this extraordinary perfume. I had my accord combining three sage extracts with various skin-evoking spices, but they needed a logical, harmonious assemblage. I experimented with numerous structures, and it was within a woody, musky foundation that the entire formula found its meaning. While spices naturally complement wood, the vetiver-sandalwood-warm musk ensemble revealed the skin-like and animalic facets of sage"
… so der Parfumeur. Was Antinoüs dabei vielleicht die entscheidende Nuance verleiht, ist das Weizenabsolute. Kurioserweise lässt mich diese Facette an einen ausgezeichneten früheren Duft von Parfum d’Empire denken, Salute! (2019), in dem eine Weinhefenote für einen realistisch vergorenen und ähnlich musky Aspekt verantwortlich ist, der mich bei jeder Begegnung an die vielen Varianten selbst gekelterter Weine erinnert, wie sie etwa auf den Atlantikinseln hergestellt werden. Die Profile dieses Absolutes werden wie folgt beschrieben: „A cereal note with a distinct dried fruit character, hay facets, apricot, and honey undertones“ (IFF) bzw. „Technical descriptors: hay, herbal, tea. Olfactive description: a gourmand scent reminiscent of biscuits, hay and honey, with a very long-lasting sweet, fruity note“ (DSM-Firmenich). Derartige Facetten erkenne ich in Antinoüs zum Teil wieder, sie komplementieren das Triple-Salbei-Cumin auf beste Weise bzw. gegenseitig: Salbei und Kreuzkümmel wirken abgerundeter, aber nicht stumpf, und die leicht heuartige Facette verfällt dabei nie ins Süße. Etwas Vétiver (sehr dezent, microdosing) schwingt mit. Das alles ist ein derart raffiniertes Zusammenspiel, dass ich diesen in vielerlei Hinsicht statischen Duft gerne so hinnehme, wie er ist. Die Abwesenheit eines dynamischen Verlaufs erscheint mir dabei auch stimmig für das Porträt eines historisch datierten Zeitpunkts als analytische Momentaufnahme.
Besonders schön ist zuletzt auch die leichte Anmut, Form und Figur, die Antinoüs besitzt: ein skin scent im besten Sinne, kein Sillage Monstrum. Dass so etwas 2025 in der nicht-artisanen newcomer Nische noch möglich ist, ein Glücksfall. Somit doch noch ein Duft aus diesem Jahr, der mich zum Jahresende überzeugen konnte, eigen und so sympathisch anders als vieles, was mir 2025 an Neuerscheinungen begegnet ist.
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Echter Salbei
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Kreuzkümmel
weißer Pfeffer
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