
Nst85
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Nst85
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5
Duft des Untergangs: Ascherosen aus Pompeji
Rosa Antiqua ist mehr als ein Duft – es ist eine archäologische Zeitkapsel. Die Geschichte beginnt 79 n. Chr., als der Vesuv Pompeji unter einer Wolke aus Asche und Bimsstein begrub. Mit dieser Katastrophe verschwanden nicht nur menschliche Leben, sondern auch ihre Düfte. Erst viele Jahrhunderte später entdeckten Archäologen unter der schützenden Aschenschicht prähistorische Parfümbehälter – darunter eine Komposition aus Damaszener Rose und Olivenöl, die über fast zwei Jahrtausende in vollkommener Konservation erhalten blieb. Sidonie Lancesseur hat sich für ānti dieser historischen Rekonstruktion angenommen und daraus ein Echo aus der Vergangenheit geschaffen.
Das archäologische Fundament dieser Kreation ist bemerkenswert: Die Römer von Pompeji nutzten Olivenöl als Trägerstoff für ihre Duftstoffe – nicht aus Raffinesse, sondern aus praktischer Notwendigkeit. Ätherische Öle waren kostbar und selten; Olivenöl stabilisierte die flüchtigen Komponenten. Die Rose war für den römischen Adel im Gegensatz zu modernen Vorstellungen nicht Zeichen von Weiblichkeit, sondern von Macht und rituellem Status. Sie duftete in den Bädern der Elite, in den Gärten der Villen und bei den Totenfesten.
Ānti hat dieses historische Wissen in die Moderne übertragen: Rosa Antiqua eröffnet überraschend mit einer leichten schwarzer Johannisbeere – fruchtiger, leicht säuerlich, fast mineralisch. Das ist kein klassisches Rosen-Opening, sondern ein bewusster Kontrast, eine olfaktorische Ausgrabung, die sofort Aufmerksamkeit fordert. Schnell tritt die Damaszener Rose in den Vordergrund – nicht süßlich oder romantisch verzuckert, sondern etwas herb, grün, mit einer grünen Blatt-Note, die fast an feuchtes Laub erinnert. Cashmeran verleiht der Rose eine cremige, samtige Wärme, ohne sie zu überdecken.
Im Drydown zeigt sich das genuine Pompeji-Element: Olivenöl. Das klingt anfangs irritierend – und tatsächlich wirkt die Note ölig, leicht animalisch, eben wie ein altes Öl, das Jahrhunderte in kühlem Stein gelegen hat. Birkenessenz ergänzt ein rauchig-ascheartiges Finish, das die vulkanische Geschichte buchstäblich riechen lässt. Es ist nicht die Asche selbst, sondern die Erinnerung daran – eine dünne, graue Sillage, die an den Himmel über Pompeji erinnert, als die Eruption noch am Himmel sichtbar war.
Ich finde den Duft richtig gut. Er funktioniert aber am besten, wenn man die Geschichte kennt. Die ölige Basis ist nicht jedermanns Sache, und die fehlende klassische Süße wird manche abschrecken. Manche mögen hier (wie bei vielen Rosendüfte) wieder Oma-Referenzen haben. Ich aber würde sagen: Rosa Antiqua riecht wie Geschichte – fragil, unvollkommen, trotzdem kostbar. Ein unisex Duft für alle, die verstehen, dass Schönheit auch in Verlust und Erinnerung liegt.
Das archäologische Fundament dieser Kreation ist bemerkenswert: Die Römer von Pompeji nutzten Olivenöl als Trägerstoff für ihre Duftstoffe – nicht aus Raffinesse, sondern aus praktischer Notwendigkeit. Ätherische Öle waren kostbar und selten; Olivenöl stabilisierte die flüchtigen Komponenten. Die Rose war für den römischen Adel im Gegensatz zu modernen Vorstellungen nicht Zeichen von Weiblichkeit, sondern von Macht und rituellem Status. Sie duftete in den Bädern der Elite, in den Gärten der Villen und bei den Totenfesten.
Ānti hat dieses historische Wissen in die Moderne übertragen: Rosa Antiqua eröffnet überraschend mit einer leichten schwarzer Johannisbeere – fruchtiger, leicht säuerlich, fast mineralisch. Das ist kein klassisches Rosen-Opening, sondern ein bewusster Kontrast, eine olfaktorische Ausgrabung, die sofort Aufmerksamkeit fordert. Schnell tritt die Damaszener Rose in den Vordergrund – nicht süßlich oder romantisch verzuckert, sondern etwas herb, grün, mit einer grünen Blatt-Note, die fast an feuchtes Laub erinnert. Cashmeran verleiht der Rose eine cremige, samtige Wärme, ohne sie zu überdecken.
Im Drydown zeigt sich das genuine Pompeji-Element: Olivenöl. Das klingt anfangs irritierend – und tatsächlich wirkt die Note ölig, leicht animalisch, eben wie ein altes Öl, das Jahrhunderte in kühlem Stein gelegen hat. Birkenessenz ergänzt ein rauchig-ascheartiges Finish, das die vulkanische Geschichte buchstäblich riechen lässt. Es ist nicht die Asche selbst, sondern die Erinnerung daran – eine dünne, graue Sillage, die an den Himmel über Pompeji erinnert, als die Eruption noch am Himmel sichtbar war.
Ich finde den Duft richtig gut. Er funktioniert aber am besten, wenn man die Geschichte kennt. Die ölige Basis ist nicht jedermanns Sache, und die fehlende klassische Süße wird manche abschrecken. Manche mögen hier (wie bei vielen Rosendüfte) wieder Oma-Referenzen haben. Ich aber würde sagen: Rosa Antiqua riecht wie Geschichte – fragil, unvollkommen, trotzdem kostbar. Ein unisex Duft für alle, die verstehen, dass Schönheit auch in Verlust und Erinnerung liegt.
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Kopfnote
Schwarze Johannisbeere
Herznote
Cashmeran
Damaszener-Rose Absolue
Basisnote
Birke
Olivenöl














