Ich weiß, das klingt verrückt – aber für mich startet dieser Duft ziemlich sauer. Und zwar nicht spritzig-zitronig, sondern eher wie zu viel Essig im Essen. Wirklich ernst gemeint: In den ersten Minuten bekomme ich Pombär-Chips-Vibes. Ketchup-Geschmack.
Und wenn man sich die Noten anschaut, ist das gar nicht so abwegig. Die Grapefruit bringt eine herbe, bittere Säure mit. Der Champagner-Akkord kann – je nach Wahrnehmung – leicht gärig, prickelnd und fast hefig wirken. Kombiniert mit der fruchtigen Süße der Birne entsteht dieses süß-säuerliche Spannungsfeld, das bei mir eher in Richtung Essig/Ketchup geht als in Richtung elegante Frische. Genau dieser Mix löst bei mir dieses „Was ist das denn?“ aus.
Dann kommt der Umschwung.
Die Damaszener-Rose tritt hervor, wird floral, weich, leicht süßlich. Dazu kommen Weihrauch und ein Hauch Gewürznelke, was dem Duft Tiefe und eine gewisse Würze gibt. Hier beginnt er, Charakter zu zeigen – eleganter, erwachsener, spannender.
Und plötzlich bekommt er etwas Transparentes, fast Kühl-Frisches. In diesem Moment erinnert er mich stark an einen Duft von Louis Vuitton – ich denke an Météore. Diese klare, leicht würzig-holzige Frische blitzt kurz auf und verändert die Stimmung komplett.
In der Basis erdet sich alles: Guajakholz, Vetiver und Zeder bringen Struktur, Trockenheit und eine angenehme, saubere Holzsignatur. Spätestens hier wird er auf meiner Haut richtig schön. Rund. Harmonisch. Fast edel.
Und genau da liegt mein innerer Konflikt:
Von „Pfui“ zu „Hui“ in relativ kurzer Zeit – emotional ist das eine Achterbahnfahrt. Auf dem Tester wirkt er kantiger, säuerlicher. Auf meiner Haut entwickelt er sich deutlich weicher und stimmiger.
Mein Fazit?
Ein wirklich toller, besonderer Duft mit Charakter und Entwicklung. Aber dieses Opening ist für mich schwer. Und ich frage mich ehrlich: Wie oft greife ich zu einem Duft, dessen erste Minuten mich abschrecken – selbst wenn der Drydown wunderschön ist?