Wohlbefinden mit Rosenblüten im hölzernen Onsen-Bad des japanischen Ryokans
Auf die Gelegenheit meiner ersten Rezension musste ich etwas warten: Laut Parfumo hatte noch kein Parfumo-Mitglied Kitsuné Bien-Être ;-) - Note de Hinoki in seiner Sammlung (Status idem 03.11.25) und war auch noch nicht mal getestet oder bewertet worden zum Zeitpunkt der ersten Rezensionsversion 06.10.2025. Wenn nicht jetzt, wann also dann?, war der Gedanke.
Bien-Être fiel mir auf, weil ich die französische (-japanische) Lifestyle-Marke Maison Kitsuné schätze. Die Mode lässt sich in Luxus-Kaufhäusern erwerben. Die Gründer Gildas Loaëc und Masaya Kuroki sind recht umtriebig u.a. als Plattenlabel-Betreiber Kitsuné Musique oder der Restaurant-Kette Café Kitsuné. Es lohnt sich an dieser Stelle, auf die in Youtube frei aufrufbaren Musik-Mixes unter dem Label Kitsuné Musique bzw. Café Kitsuné hinzuweisen, die Lounge-Musik für Stunden besorgen können.
Mit Note de Yuzu gelang Maison Kitsuné bereits 2017 eine sehr gelungene Zusammenarbeit mit Heeley zum Thema der japanischen zitrischen Frucht Yuzu.
Nun also "Note de Hinoki". Ich war, auch aufgrund meiner persönlichen japanisch-inspirierten Historie, so interessiert an dem Duft, dass ich spontan mangels Souk-Angeboten ein Sharing auflegte. Ohne Teilnehmer nach Initiierung entschied mich dann für einen Blindbuy.
Bien-Être (frz.) heisst Wohlbefinden, Wohlgefühl oder Wellness. Kitsune (jp.) heisst Fuchs. In Japan sagt man übrigens dem Fuchs zu, sein Aussehen und Gesicht verändern zu können.
Als Parfumeur für den Kitsuné Bien-Être ;-) - Note de Hinoki wurde Barnabé Fillion engagiert, ein französicher Parfumdesigner. Nach eigenen Angaben (Quelle www.barnabefillion.com ) entdeckte er während seines Studiums der Botanik und Phytologie vor über einem Jahrzehnt seine Leidenschaft für das Mischen von Düften und Aromen. Er nutze traditionelle handwerkliche sowie neue Methoden des Duftdesigns.
Das Hinoki-Holz wird in Japan u.a. für die traditionelle Holzbadewanne genutzt. Das Badewasser in der japanischen Badetradition ist wesentlich heisser, als z.B. in Europa. Die Temperatur liegt bei über 40°, die Idee ähnelt einer Sauna oder Dampfbad mit dem Ziel der völligen Entspannung. Durch das heisse Wasser kommt der typische Geruch der Hinoki-Scheinzypressen-Holzwanne zur Geltung. Durch das Hinokiholz aromatisierte heisse Wasser sind die Baderäume oft durch diesen Dampf vernebelt. Neben holzigen Aromen kann man auch einen Hauch Zitrik wahrnehmen. Wichtig ist natürlich auch die Wasserqualität beim japanischen Bad. Bestes natürlich vorkommendes heisses Quellwasser wird manchmal als "blumig" oder "weich" beschrieben. Oft werden alternativ auch mittels Holzfeuer erhitzte Steine zum Erwärmen des Wassers in der Hinoki-Wanne genutzt. Im Badewasser kann man auch Früchte (oft zitrische) oder Blumenblüten zwecks Aromaerweiterung schwimmen lassen. Liebend gerne würde ich an dieser Stelle weiter über die japanische Badekultur schreiben und mich zeitgleich daran erinnern, aber das Thema ist ja ein Parfum.
Mit dem vorherigen Absatz lässt sich schon ein Teil des Duftes Kitsuné Bien-Être ;-) - Note de Hinoki beschreiben. In der offiziellen Duftbeschreibung findet sich auch die Assoziation "gewachstes Holz", was den Link in die französische Richtung hölzern ausgestatteter Salons z.B. im Palais-Royal darstellen soll. Ich kann das nachvollziehen, aber...
nun konkreter zu meinem Dufteindruck: Die Assoziation "Rosenblüten im japanischen Hinoki-Bad" passt für mich besser. Für meinen persönlichen Geschmack hätte ich mir aber mehr Hinoki und weniger Rose gewünscht. Das Parfum ist kein Beast-Mode und die Sillage nicht überfordernd, was mir auch ganz recht so ist.
Die Haltbarkeit von Kitsuné Bien-Être ;-) - Note de Hinoki ist nicht schlecht, aber sicher nicht rekordverdächtig. Im Duftverlauf nimmt die dominierende Rose etwas an Ausstrahlung zugunsten des Holzes ab. Zistrose kann ich mangels Erfahrung nicht von Mairose unterscheiden, daher nutze ich hier nur die Nennung von Rose. Rauch, Pfeffer, Safran, Iris sind hintergründig wahrnehmbar, wenn ich nach ihnen suche.
Im Vergleich zu Monocle Scent One: Hinoki ist Kitsuné Bien-Être ;-) - Note de Hinoki rosiger, der CdG dagegen ätherisch hölzerner. Dazwischen liegt der Monocle Scent Three: Sugi, der etwas milder daherkommt, zwar Zedern- und Zypressenholz enthält, aber (zumindest offiziell) nicht das Hinoki. Ich denke, dass der Kitsuné Unisex-Duft eher ins feminine tendiert. Dennoch würde ich als Mann natürlich auch liebend gerne in der Rosen-Hinokiholz-Wanne baden. In dieser wäre mein Fokus dabei in mich und meine direkte unmittelbare Umgebung gelenkt, meditativ, entspannt, vielleicht transzendent. Viel weniger auf die Außenwirkung, die an Bedeutung verliert.
An dieser Stelle möchte ich, weil oft falsch interpretiert, erwähnen, dass persönliches Parfum in Japan kaum genutzt wird. Raumdüfte stellen dagegen eine ganz eigene Liga dar: Die Tradition des "Kōdō", "Weg des Duftes" hat eine lange Geschichte...
Der Kitsuné Bien-Être ;-) - Note de Hinoki wurde mir in einer riesigen Kiste ca. 50x50x50cm aus Paris geliefert. Darin war eine übliche Kiste in angemessener Größe. Die folierte Kartonbox war in schönem Geschenkpapier bonbonartig verpackt. Alternativ kann man auch eine Geschenkbox erwerben. Der Glasflakon ist eine Apothekenflasche, der praktisch und schön griffelige Karomuster aufgesetzt sind. Der Sprüher funktioniert gut. Der Deckel sieht etwas Astronautenhelmspacig aus, hat den Smiley imprägniert und besteht aus leichtem Kunststoff. Das ist zwar nicht höchstwertig, aber ich finde das ok, weil ich es nicht für lobenswert halte, für einen schweren magnetischen Metalldeckel ungleich mehr auszugeben. Der Preis war zum Zeitpunkt des Kaufs 160€ für 100ml.
In der Reihe Kitsuné Bien-Être ;-) - Note de Hinoki werden auch andere Artikel wie Shampoo etc. passend zum Thema vermarktet. Die Handcreme probierte ich im Pariser Laden aus und roch deutlich mehr nach Hinoki als Rose.
Insgesamt ein gelungener französisch-japanischer Fusion-Wellness-Rosenduft mit Noten von Hinoki, der in der Konkurrenz Ryokan / Onsen Düfte gut konkurrieren kann, jedoch weniger in der Kategorie "dominater Holzduft". Für mich ein gelungener Blindbuy, der mir viel Freude mit Erinnerungen gemacht hat.