
FsharpAsharp
4 Rezensionen

FsharpAsharp
Hilfreiche Rezension
3
Das Rauschen des Meeres
Ambient Adventures Part 2 | Track: New Faith | By: Daniel Avery |
Die Ambient Adventures sollen eine kleine Reihe von Rezensionen sein, bei der zwei Interessensfelder kombiniert werden: Parfüm und Ambient-Musik. Es bietet sich an, den jeweiligen Track beim Lesen der Rezension zu hören. Das ist allerdings nur ein „Serviervorschlag“. Wer mehr über die Ambient Adventures lesen möchte, erfährt im ersten Part der Reihe Weiteres.
Als Disclaimer muss noch einmal deutlich erwähnt sein, dass ich bei beiden Themen lediglich ein interessierter Laie bin – alle Angaben ohne Gewähr.
Zum Track: Daniel Avery ist ein britischer Electronic-Producer, der bereits mit seinem Debütalbum („Drone Logic“) im Jahr 2013 Aufsehen erregte. Über ein Jahrzehnt später liefert sein Erstlingswerk immer noch den Tech-House-Soundtrack zu einem futuristischen Laufsteg, den unsere Gegenwart noch einzuholen versucht. 2022 erschien, meiner Meinung nach, sein zweitbestes Album „Ultra Truth“, um dessen Intro es im Folgenden gehen wird.
„New Faith“ lautet der Name des Ambient-Klavier-Stücks, mit dem Avery seine Hörer auf sein Album einstimmt. Dabei handelt es sich um zwei simple Tonabfolgen, die aufeinanderfolgend immer und immer wieder repetiert werden. Nach acht Sekunden hat man vermeintlich alle musikalischen Ideen des Stücks gehört: Ein kurzer, melodischer Piano-Loop mit gewisser pathetischer Schwere. Allerdings entfaltet „New Faith“ erst bei vielfacher Wiederholung der einleitenden Klänge seine Wirkung. Ähnlich wie William Basinski auf seinen Disintegration Loops (deren Thema zu tragisch wäre für jede Parfüm-Review) musikalisiert Avery einen Zerfall. Im Gegensatz zu Basinski passiert der Zerfall allerdings nicht auf einer analogen Ebene, sondern auf einer digitalen: Der Klavier-Loop hüllt sich in immer mehr Soundeffekte, namentlich Hall und bedrückende Übersteuerung. So bekommt man beim Abspielen des Tracks das Gefühl, die bereits schwermütige Einleitung von „New Faith“ nimmt sukzessive an Trübsinn zu, sodass im letzten Drittel der 3 Minuten und 45 Sekunden eine tonnenschwere, tiefblaue Gewichtsdecke aus Sorgen, Trauer und Weltschmerz den Hörer umhüllt und in den Abgrund zieht. Die letzten 30 Sekunden sind dann nur noch verzerrt-rauschendes Dröhnen, bevor uns mit den letzten Worten des Spoken-Word-Outros, trotz des einstürzenden Himmels, ein neuer Glaube eingehaucht wird: „Close your eyes and look to the light“.
Zum Duft: Man könnte meinen, die bisherige Überleitung diene dazu, den neuen Stern am Artisan-Himmel vorzustellen, der trotz der bröckelnden Fassade des Hauses seines Vaters es schafft, sich etwas Neues, Großartiges aufzubauen. So viel sei vorweggenommen: So ist es leider nicht.
Viele meiner frühen Erfahrungen mit Artisanal-Parfüm begannen bei Dmitry Bortnikoff. Ein Name, der früher immer noch im selben Atemzug mit seinem Freund und Kollegen Russian Adam genannt wurde, der mittlerweile sein Label in eine immer kommerzieller werdende Richtung gesteuert hat, die spätestens seit der Chris Maurice-Kollaboration selbst die letzten Die-Hard-Fans (inklusive mir) über Bord springen ließ. So hoffte ich, dass Maksim, sein Sohn, dem der damalige Oud Maximus (2018) Extrait de Parfum gewidmet war, eine neue Ambition und Freigeistigkeit mitbringen würde, die Dmitry über die Jahre abhandengekommen zu sein scheint.
L'Oud Marin ist, wie viele andere Maksim Düfte, keinesfalls ein schlechter Duft. Vor allem auch ein Duft, der eigen ist und auch ohne die Vorschusslorbeeren, die mit dem Haus seines Vaters verbunden sein könnten, ein gewisses Interesse weckt.
Man bekommt im Auftakt leicht salzige Nuancen von Nagarmotha, Ambra und Seetang, aber hier kann man sich wirklich jede Meeres-Bildsprache ersparen, da ohnehin Sekunden später ein Oud-Kakao-Mix der teigig-muffigen Sorte ungestüm über jedes mögliche erträumte Korallenriff herübertrampelt. Dieser ungebetene Gast sorgt eigentlich für gute Laune, aber auch nur so lange, bis er die (Algen-)Salattheke umhaut und die Aufmerksamkeit des ganzen Saales einfordert. Was daraufhin folgt, ist so ähnlich schon aus Oud Indochine bekannt, abzüglich des Safrans.
Aus den genannten Gründen ist die Text-Bild-Schere zwischen namensgebender maritimer Stimmung und gourmandigem Kakao-Trampelpfad so groß, dass der Duft nur wenige Wochen nach Release bereits reformuliert wurde, um dem Namen besser zu entsprechen. (Diese zweite Version, ca. ab 2026, ist hier nicht rezensiert.)
Das Fazit ist: Wenn man die ersten 20 Minuten des L'Oud Marin kennt, dann erlebt man auch bis zum Ende keine großen Überraschungen mehr. Die simple Komposition, welche höchstens aus wenigen dominanten Noten besteht, wird sukzessive unschärfer, die Verbindung zunehmend schlechter und die Töne immer stärker synthetisch-klirrend, bis man die Augen vor ihnen schließt und dann ist da kein Licht, sondern nur noch ein Hintergrundrauschen.
Die Ambient Adventures sollen eine kleine Reihe von Rezensionen sein, bei der zwei Interessensfelder kombiniert werden: Parfüm und Ambient-Musik. Es bietet sich an, den jeweiligen Track beim Lesen der Rezension zu hören. Das ist allerdings nur ein „Serviervorschlag“. Wer mehr über die Ambient Adventures lesen möchte, erfährt im ersten Part der Reihe Weiteres.
Als Disclaimer muss noch einmal deutlich erwähnt sein, dass ich bei beiden Themen lediglich ein interessierter Laie bin – alle Angaben ohne Gewähr.
Zum Track: Daniel Avery ist ein britischer Electronic-Producer, der bereits mit seinem Debütalbum („Drone Logic“) im Jahr 2013 Aufsehen erregte. Über ein Jahrzehnt später liefert sein Erstlingswerk immer noch den Tech-House-Soundtrack zu einem futuristischen Laufsteg, den unsere Gegenwart noch einzuholen versucht. 2022 erschien, meiner Meinung nach, sein zweitbestes Album „Ultra Truth“, um dessen Intro es im Folgenden gehen wird.
„New Faith“ lautet der Name des Ambient-Klavier-Stücks, mit dem Avery seine Hörer auf sein Album einstimmt. Dabei handelt es sich um zwei simple Tonabfolgen, die aufeinanderfolgend immer und immer wieder repetiert werden. Nach acht Sekunden hat man vermeintlich alle musikalischen Ideen des Stücks gehört: Ein kurzer, melodischer Piano-Loop mit gewisser pathetischer Schwere. Allerdings entfaltet „New Faith“ erst bei vielfacher Wiederholung der einleitenden Klänge seine Wirkung. Ähnlich wie William Basinski auf seinen Disintegration Loops (deren Thema zu tragisch wäre für jede Parfüm-Review) musikalisiert Avery einen Zerfall. Im Gegensatz zu Basinski passiert der Zerfall allerdings nicht auf einer analogen Ebene, sondern auf einer digitalen: Der Klavier-Loop hüllt sich in immer mehr Soundeffekte, namentlich Hall und bedrückende Übersteuerung. So bekommt man beim Abspielen des Tracks das Gefühl, die bereits schwermütige Einleitung von „New Faith“ nimmt sukzessive an Trübsinn zu, sodass im letzten Drittel der 3 Minuten und 45 Sekunden eine tonnenschwere, tiefblaue Gewichtsdecke aus Sorgen, Trauer und Weltschmerz den Hörer umhüllt und in den Abgrund zieht. Die letzten 30 Sekunden sind dann nur noch verzerrt-rauschendes Dröhnen, bevor uns mit den letzten Worten des Spoken-Word-Outros, trotz des einstürzenden Himmels, ein neuer Glaube eingehaucht wird: „Close your eyes and look to the light“.
Zum Duft: Man könnte meinen, die bisherige Überleitung diene dazu, den neuen Stern am Artisan-Himmel vorzustellen, der trotz der bröckelnden Fassade des Hauses seines Vaters es schafft, sich etwas Neues, Großartiges aufzubauen. So viel sei vorweggenommen: So ist es leider nicht.
Viele meiner frühen Erfahrungen mit Artisanal-Parfüm begannen bei Dmitry Bortnikoff. Ein Name, der früher immer noch im selben Atemzug mit seinem Freund und Kollegen Russian Adam genannt wurde, der mittlerweile sein Label in eine immer kommerzieller werdende Richtung gesteuert hat, die spätestens seit der Chris Maurice-Kollaboration selbst die letzten Die-Hard-Fans (inklusive mir) über Bord springen ließ. So hoffte ich, dass Maksim, sein Sohn, dem der damalige Oud Maximus (2018) Extrait de Parfum gewidmet war, eine neue Ambition und Freigeistigkeit mitbringen würde, die Dmitry über die Jahre abhandengekommen zu sein scheint.
L'Oud Marin ist, wie viele andere Maksim Düfte, keinesfalls ein schlechter Duft. Vor allem auch ein Duft, der eigen ist und auch ohne die Vorschusslorbeeren, die mit dem Haus seines Vaters verbunden sein könnten, ein gewisses Interesse weckt.
Man bekommt im Auftakt leicht salzige Nuancen von Nagarmotha, Ambra und Seetang, aber hier kann man sich wirklich jede Meeres-Bildsprache ersparen, da ohnehin Sekunden später ein Oud-Kakao-Mix der teigig-muffigen Sorte ungestüm über jedes mögliche erträumte Korallenriff herübertrampelt. Dieser ungebetene Gast sorgt eigentlich für gute Laune, aber auch nur so lange, bis er die (Algen-)Salattheke umhaut und die Aufmerksamkeit des ganzen Saales einfordert. Was daraufhin folgt, ist so ähnlich schon aus Oud Indochine bekannt, abzüglich des Safrans.
Aus den genannten Gründen ist die Text-Bild-Schere zwischen namensgebender maritimer Stimmung und gourmandigem Kakao-Trampelpfad so groß, dass der Duft nur wenige Wochen nach Release bereits reformuliert wurde, um dem Namen besser zu entsprechen. (Diese zweite Version, ca. ab 2026, ist hier nicht rezensiert.)
Das Fazit ist: Wenn man die ersten 20 Minuten des L'Oud Marin kennt, dann erlebt man auch bis zum Ende keine großen Überraschungen mehr. Die simple Komposition, welche höchstens aus wenigen dominanten Noten besteht, wird sukzessive unschärfer, die Verbindung zunehmend schlechter und die Töne immer stärker synthetisch-klirrend, bis man die Augen vor ihnen schließt und dann ist da kein Licht, sondern nur noch ein Hintergrundrauschen.
Aktualisiert am 18.01.2026 - 18:22 Uhr
6 Antworten



Kopfnote
Laminaria
Seetang
Herznote
Kakao
Styrax
Amyris
Nagarmotha
Basisnote
Oud
Ambra
Bienenwachs
Vanille
Vetiver
peterbourbon
44muc
















