13.07.2025 - 05:42 Uhr

peterbourbon
14 Rezensionen

peterbourbon
Hilfreiche Rezension
6
Zwischen Strenge und Sexualität
Nicht vielen europäischen Duftliebhabern ist die seit etwa 2022 operierende DIY-Parfümmarke Pearfat bekannt - nicht zuletzt auch aufgrund der sehr eingeschränkten Verfügbarkeit außerhalb des Amerikanischen Marktes.
Gründerin und Autodidaktin Alie Kiral hat mit ihrer feministischen Queer-Marke den Nerv einer neuen selbstbewussten amerikanischen Szene getroffen, die Parfüm nicht nur als Accessoire begreift, sondern durchaus persönliche und politische Haltung über die olfaktorische Geschichte zu transportieren weiß.
Wer jedoch nach diesen Ausführungen und den spielerischen Flakon-Designs gefällig-süße Düfte für ein extrem junges Publikum erwartet, der dürfte enttäuscht werden.
Nicht selten spielen ihre Kreationen mit ungewöhnlichen Noten - gar einer unbedarften Naivität, die man im traditionsgeschwängerten olfaktorischen Europa oftmals mit "funktioniert nicht" abtun könnte.
So auch Sister Hildegard: Ich kenne den Großteil der gesamten Linie und würde behaupten, dass es sich hier um einen der Top-3 schwierigsten und ungewöhnlichsten Düfte aus dem Hause handelt.
Sister Hildegard ist nicht Teil der Hauptkollektion und als limitierte "saisonale" Kreation gedacht, für die kürzlich wieder einige limitierte Flakons produziert wurden - die sich jedoch innerhalb weniger Tage wieder ausverkauft haben.
Der Duft erzählt die Geschichte von Hildegard v. Bingen - in einigen Kreisen auch zur "ersten Feministin der Welt" gekrönt - mit all ihrem fromm-katholischen Umfeld und einem frivolen, sexuellen und allzu menschlichen Twist.
Überhaupt werde ich das Gefühl nicht los, hier den authentischsten Gegenentwurf zu allen orientalischen Parfüms dieser Welt zu riechen: römisch-katholisch, fromm, streng, ernst, konservativ.
Der Start ist extrem bieder: frisch gebügelter Habit, sauber gefaltet im alten Holzschrank.
Und wenn ich sage "frische Wäsche", meine ich etwas ganz anderes als in der Parfümwelt unter diesem Akkord verstanden wird: Unparfümiertes Waschmittel und eine beinah chemische Note frisch ausgepackter Kleidung.
Ordinär gesprochen: Ein Panty-Hochpuller. Der strenge Gürtel, Mephisto-Damenschuhe, kein Ausschnitt. Diese eine Brosche. Phiolenhalskette.
Eine Schüssel Hostien auf dem verschnörkelten Holz-Sideboard.
Überhaupt ist es interessant zu sehen, wie katholisch etwas riechen kann, ohne dieses mittlerweile furchtbar inflationär-opulente Weihrauch-Gepansche.
Dies hier ist nicht der große Dom, sondern das abgelegene katholische Internat, in dem immer noch mit dem Lineal auf die Finger von unartigen Knaben gehauen wird. Zucht und Ordnung. Regeln. Nach außen lächelt man die Eltern an - und suggeriert ein friedvolles Zusammenleben. Hinter den Mauern gibt es keine Kameraüberwachung.
Dann aber der Twist: Drydown für absolut Fortgeschrittene. Das Glas Milch mit eingerührtem rohem Ei auf Ex. Frivol-laktatische Selbstbefriedigung - Hildegard hat die Schnauze voll und zieht sich in eine Kammer zurück, schließt ab und erforscht die Urgelüste des Lebens. Danach wird der Habit glattgebügelt, hochgezogen, die Miene wieder ernst. Das fromme Leben geht weiter.
Dieser Duft funktioniert tatsächlich eher für einen relativ speziellen Kreis.
Wer hier Komplimente erwartet, muss in den Vatikan reisen.
Wer jedoch ernsthaft an Duftkunst interessiert und selbstbewusst ist - jenseits jeder Projektion, Raumeinnahme, männlicher Dominanz und Selbstdarstellung, wird hier eine fantastisch-herausfordernde Geschichte erleben, die ihresgleichen sucht.
Mutige Parfümeure - es gibt sie doch noch.
Gründerin und Autodidaktin Alie Kiral hat mit ihrer feministischen Queer-Marke den Nerv einer neuen selbstbewussten amerikanischen Szene getroffen, die Parfüm nicht nur als Accessoire begreift, sondern durchaus persönliche und politische Haltung über die olfaktorische Geschichte zu transportieren weiß.
Wer jedoch nach diesen Ausführungen und den spielerischen Flakon-Designs gefällig-süße Düfte für ein extrem junges Publikum erwartet, der dürfte enttäuscht werden.
Nicht selten spielen ihre Kreationen mit ungewöhnlichen Noten - gar einer unbedarften Naivität, die man im traditionsgeschwängerten olfaktorischen Europa oftmals mit "funktioniert nicht" abtun könnte.
So auch Sister Hildegard: Ich kenne den Großteil der gesamten Linie und würde behaupten, dass es sich hier um einen der Top-3 schwierigsten und ungewöhnlichsten Düfte aus dem Hause handelt.
Sister Hildegard ist nicht Teil der Hauptkollektion und als limitierte "saisonale" Kreation gedacht, für die kürzlich wieder einige limitierte Flakons produziert wurden - die sich jedoch innerhalb weniger Tage wieder ausverkauft haben.
Der Duft erzählt die Geschichte von Hildegard v. Bingen - in einigen Kreisen auch zur "ersten Feministin der Welt" gekrönt - mit all ihrem fromm-katholischen Umfeld und einem frivolen, sexuellen und allzu menschlichen Twist.
Überhaupt werde ich das Gefühl nicht los, hier den authentischsten Gegenentwurf zu allen orientalischen Parfüms dieser Welt zu riechen: römisch-katholisch, fromm, streng, ernst, konservativ.
Der Start ist extrem bieder: frisch gebügelter Habit, sauber gefaltet im alten Holzschrank.
Und wenn ich sage "frische Wäsche", meine ich etwas ganz anderes als in der Parfümwelt unter diesem Akkord verstanden wird: Unparfümiertes Waschmittel und eine beinah chemische Note frisch ausgepackter Kleidung.
Ordinär gesprochen: Ein Panty-Hochpuller. Der strenge Gürtel, Mephisto-Damenschuhe, kein Ausschnitt. Diese eine Brosche. Phiolenhalskette.
Eine Schüssel Hostien auf dem verschnörkelten Holz-Sideboard.
Überhaupt ist es interessant zu sehen, wie katholisch etwas riechen kann, ohne dieses mittlerweile furchtbar inflationär-opulente Weihrauch-Gepansche.
Dies hier ist nicht der große Dom, sondern das abgelegene katholische Internat, in dem immer noch mit dem Lineal auf die Finger von unartigen Knaben gehauen wird. Zucht und Ordnung. Regeln. Nach außen lächelt man die Eltern an - und suggeriert ein friedvolles Zusammenleben. Hinter den Mauern gibt es keine Kameraüberwachung.
Dann aber der Twist: Drydown für absolut Fortgeschrittene. Das Glas Milch mit eingerührtem rohem Ei auf Ex. Frivol-laktatische Selbstbefriedigung - Hildegard hat die Schnauze voll und zieht sich in eine Kammer zurück, schließt ab und erforscht die Urgelüste des Lebens. Danach wird der Habit glattgebügelt, hochgezogen, die Miene wieder ernst. Das fromme Leben geht weiter.
Dieser Duft funktioniert tatsächlich eher für einen relativ speziellen Kreis.
Wer hier Komplimente erwartet, muss in den Vatikan reisen.
Wer jedoch ernsthaft an Duftkunst interessiert und selbstbewusst ist - jenseits jeder Projektion, Raumeinnahme, männlicher Dominanz und Selbstdarstellung, wird hier eine fantastisch-herausfordernde Geschichte erleben, die ihresgleichen sucht.
Mutige Parfümeure - es gibt sie doch noch.
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