.. mein Vorabfazit für jene Menschen, die keine Lust haben, meine monströs lange Rezension zu lesen!
Duft:
Tiramisu Coco ist für mich einer der stärksten „Kopfnotenfänger“. Direkt nach dem Aufsprühen: Zack, Amaretto pur! So lange der Duft auf der Haut noch feucht ist, riecht es hauptsächlich nach dieser alkoholischen Köstlichkeit. Nach ein paar Minuten kommt eine gebäckartige Note dazu – dezent, nicht zu essbar, und langsam immer süßer, sirupartig und leicht keksig. Interessant ist, dass ich diese keksige Note heute Morgen besonders intensiv wahrgenommen habe. Bei mir scheint die Tagesform bezüglich des "Gebäcks" eine Rolle zu spielen. Steht zwar nicht in den Duftnoten, aber meine Nase riecht da außerdem eine fruchtig-saure Facette, die den Duft ausbalanciert. Ist es die likörige Note vom Amaretto? Eine versteckte Kirsche? Habe ich zu viele Gourmands mit hintergründiger Frucht-Pfirsich-whatever-Note gerochen und bilde mir das mittlerweile ein? Hier freue ich mich auf einen Austausch.
Um wieder zum Punkt zu kommen: Zu diesem Zeitpunkt ist er süß, aber nicht ausschließlich süß. Es kommen viele sehr interessante, leckere, fast berauschende Noten zusammen, und man fragt sich, wo die Reise wohl hingehen wird. Dieses kleine Duft-Spektakel spielt sich auf meiner Haut innerhalb der ersten 5 Minuten ab – und ich liebe es! Bis dahin: ganz klar 12/10!
Im Laufe der nächsten 30 Minuten entwickelt er sich zu einem süßen, lactonischen Vanilleduft, der von ein paar Nebenakkorden umspielt wird. Stell dir Vanillemilch vor, mit einem Schuss Wintersirup in der Sorte Amaretto-Kaffee. Dazu ein Amarettini – wobei dieses als erstes verputzt wurde. Ein richtiger Kaffeeshot hat es nicht in die Milch geschafft. Zumindest für meine Nase nicht. Für mich bleibt die Kaffeenote eher im Hintergrund; sie begleitet den Duft mehr, als dass sie im Zentrum steht. Für mich ganz klar der schwächste Part des Verlaufs. Er verliert irgendwie derart schnell all seine herausragenden, tollen Komponenten und auch seine Tiefe.
Im sehr späten Drydown erinnert mich Tiramisu Coco stark an die DNA von Bianco Latte. Wo Bianco Latte und Co. allerdings eher fluffig, cremig betören, wirkt Tiramisu Coco dunkler. Zu diesem Zeitpunkt wäre Bianco Latte Vanillemilch, mit Vanillesirup, aufgeschäumt. Tiramisu Coco eine Vanillemilch, die bereits ausgetrunken wurde. Es bleibt nur noch ein Bodensatz mit etwas "Wintersirup" übrig. Faszinierend ist, dass ich nach einigen Stunden das Gefühl habe, dass der Duft wieder "besser" wird. Ich hatte ihn eines Abends als Bettgehduft aufgesprüht und am nächsten Morgen noch eine schöne Vanille an mir riechen können. Er hat bei mir also tatsächlich sehr lange gehalten, und das, obwohl er zwischendrin schwächelt und flach wirkt.
Kurz gefasst: Kopfnote – Hammer! Mitte – Mäh, flach. Ende – Hä? Schön.
Diese Verlaufsbeschreibung liest sich vermutlich hochtrabender, als der Verlauf eigentlich ist. Beim schnellen Eindieseln wird man das so vermutlich nicht riechen. Hat mich Schweiß, Zeit und viel Hautfläche gekostet. Was man für Parfumo nicht alles so tut…
Flakon:
Vielleicht nicht super elegant, aber trotzdem hochwertig. Kein billiges Plastik, sondern ein schweres Ding, das als Türstopper durchgehen könnte. Und der magnetische Verschluss – so hätte ich das gerne bei allen Flakons! Was das Design an sich angeht, scheiden sich wohl die Geister. Finde ihn nicht "schön", aber ganz cool.
Für wen?
Wenn du einen Duft mit Kaffee im Zentrum des Geschehens suchst, dann könnte dich Tiramisu Coco enttäuschen! War zumindest bei mir der Fall. Die Kaffeenote bleibt hier eher subtil. Ich habe den Amore Cafe da anders in Erinnerung und kann mir deshalb auch vorstellen, dass Menschen, die einen Dupe zu diesem Duft suchen, unglücklich aus der Sache hervorgehen könnten.
Fans von allgemein süßen Gourmands könnten hier jedoch schon auf ihre Kosten kommen.
Vergleichsweise würde ich sagen: Er wird vielen gefallen, die auch Bianco Latte und Co. mögen. Und da Vanillemilch und solche mit Schuss kein Geschlecht haben, hat es dieser Duft auch nicht und ist unisex – von allen potentiellen Vanillewölkchen tragbar.
Preis:
Vor dem Launch hat Zimaya schon recht offenkundig die Werbetrommel für die Tiramisus gerührt, und so kam der Duft mit einer Bepreisung um die 40 € auf den Markt. Ein wenig frech, denn Duftqualität und Verlauf entsprechen meinem Empfinden nach schon eher der üblichen Preisklasse von 20€.
Also Achtung! Tiramisu Coco ist KEIN Grund für FOMO! Wer schon ähnliche Düfte wie Éclair im Regal hat, ist bestens ausgestattet und kann entspannt auf einen Preisfall warten oder (wie in meinem Fall) auch mal verzichten.
Fazit:
Tiramisu Coco ist über seinen gesamten Verlauf ein tragbarer, solider Gourmand. Für mich liegt der größte Reiz ganz klar in der Kopfnote, die ein echtes Highlight ist. Später im Drydown verliert er allerdings seine Besonderheit und wird immer mehr zu einem fast klebrig-süßen Einheitsbrei mit Bianco-Latte-Anklängen. Es fehlt mir persönlich die Tiefe. Auch die erhoffte Kaffeenote ist mir zu schwach. Summa summarum gut, aber kein must-have für mich.