AdanAdans Parfumblog

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Ich habe versehentlich meinen Blogentrag über dieses Thema gelöscht, ich setze das Thema also nochmal in kürzerer Version auf, weil ich die Diskussion wieder auffädeln will.

Dem Körpergeruch eines Menschen wird in manchen Diskussionen ein großer Stellenwert bei der Partnerwahl zugeschrieben. Aber es gibt Kulturkreise und Bevölkerungen, in denen der Körpergeruch langsam verschwindet. Wie das funktioniert, kann man aus den Arbeiten von Yoshiura et al. 2006, Martin et al. 2010 und Ohashi et al. 2010 anschauen. Zusammengefasst geht es um ein Transporter-Protein, genannt ABCC11, welches unter anderem für die Funktionalität von apokrinen Drüsen in der Haut bestimmt und auch die Art von Ohrenschmalz beeinflusst.

Apokrine Drüsen sind Schweißdrüsen in der Haut, die aktiv Zellfragmente absondern. Es wird vermutet, dass man dann über Oberflächenproteine in diesen Zellfragmenten wie z.B. dem MHC-I-Komplex die genetische Kompatibilität und den Status des Immunsystems interpretieren kann (Wedeking & Penn 2000).

Fällt dieser ABCC11 Transporter nun durch eine Mutation aus, hat eben jener Mutant keinen Körpergeruch. In der Karte von Yoshiura et al. 2006 (hier: https://www.nature.com/articles/ng1733/figures/4 ) ist die Verteilung dieser Mutation auf einer Weltkarte visualisiert, man sieht dass z.B die Südkoreaner alle diese Mutation tragen, d.h. dieses Volk hat über mehrere Generationen seinen Körpergeruch regelrecht weggezüchet. Und diese Mutation scheint in weiten Teilen Ostasiens weiter verbreitet zu sein als auf anderen Kontinenten. Man kann aus diesen Datensätzen herausinterpretieren, dass es Kulturkreise gibt, in denen es schon früh zu einer Stigmatisierung von Körpergeruch per se kam, und dass hier bei der Partnerwahl andere Faktoren eine größere Rolle spielen wie Aussehen oder natürlich auch sozialer Status.

Ob ein Mensch Pheromone produziert oder nicht und ob er sie wahrnehmen kann ist bis zum heutigen Stand nicht geklärt, aber die Indizien die aktuell kursieren suggerieren eher, dass es nicht so ist. Zum einen ist ein Pheromon wissenschaftlich nicht exakt definiert. Man kann ein Pheromon zum einen so definieren, dass es ein Duftstoff ist, der stereotype Verhaltensweisen hervorruft (so hab ich es in Sinnesphysiologie gelernt) oder als einen Stoff, der zur sexuellen Reproduktion dient bzw. diese moduliert (so hab ich es im Signaltransduktionskurs gelernt).

Pheromone werden im Tierreich allgemein vom vomeronasalen Organ (VNO, auch bekannt als Jacobson-Organ oder jacobsonisches Organ) wahrgenommen, allerdings wird darüber gestritten, ob der Mensch ein solches Organ überhaupt besitzt. (Trotier et al. 2000) behaupten, dass 92% ihrer Probanden ein VNO besitzen, obwohl vorher von (Kjaer & Fischer Hansen 1996) berichtet wurde, dass das VNO während der Embryonalentwicklung sich erst ausbildet und dann wieder zurückbildet, wie es auch bei anderen Primaten beobachtet wurde (Smith et al. 2002). Man vermutet hier, dass der Embryo in diesem Zeitfenster durch sowas wie Pheromone geprägt wird und nach dieser Prägung dann das VNO wieder "eingefahren" wird. Das Problem hinter dieser These bleibt aber, dass viele Forscher sich uneinig darüber sind, wie man das VNO im Menschen überhaupt identifiziert, da manche Studien voneinander behaupten, dass sie das VNO einfach übersehen. Es gibt im Menschen natürlich genetische Informationen, der Mensch besitzt prinzipiell die gleichen Rezeptoren die bei anderen Tieren im VNO vorkommen, jedoch sind diese Gene beim Menschen alle Pseudogene, d.h. sie sind nicht funktional. Die Rezeptoren sind beim Menschen sozusagen kaputt (Wysocki et al. 2004). In (Wysocki et al. 2004) werden auch Beispiele für Pheromone und ihre Funktionen im Tierreich aufgelistet, bei Mäusen können Pheromone zum Beispiel die Pubertät induzieren, den Hormonhaushalt modulieren oder teilweise sogar Schwangerschaftsabbrüche einleiten. Das gibt es beim Menschen so nicht eindeutig, obwohl es eine berühmte Studie von (McClintock 1971) gibt, in der beobachtet wurde, dass Frauen in WGs aufgrund von Pheromonen irgendwann ihre Periode synchronisieren sollen. Ob das wirklich so stimmt/stimmen kann ist bis heute noch unklar, es gibt Studien die diesen Effekt nicht beobachten oder reproduzieren konnten.

Ein aktueller Review von (Stoyanov et al. 2018) beschreibt ganz gut, wie es um das VNO beim Menschen aktuell aussieht: es existiert, aber man weiß nicht ob es funktioniert oder wie es funktionieren soll.

Es ist wahrscheinlich, dass der Mensch zwar den Geruch eines Anderen hedonisch bewertet wie jede andere Gerüche auch, aber letztendlich werden vermutlich andere Faktoren stärker bei der Partnerwahl gewichtet als das, vor allem in Gesellschaften mit höheren Hygienestandards. Aber dass der Körpergeruch wie ein Pheromon wirken kann, dass es Stoffe gibt die beim Menschen pheromonartig wirken, das konnte bisher noch nicht gezeigt werden.

In meinem letzten Blogeintrag haben sich einige User gemeldet und meine Quellen als veraltet bezeichnet ohne selbst in der Lage zu sein, selbst aktuelle Quellen anzugeben, ich möchte gleich vorweg sagen: so funktioniert das nicht.

Es wurde auch behauptet, dass es Pheromone gibt, der Mensch diese wahrnehmen kann und diese Wahrnehmung beispielsweise durch die Pille beeinflusst wird. Es wurde dieses Jahr in einer Studie von (Jones et al. 2018) mit rund 600 Frauen der Schluss gezogen, dass dem nicht so ist: die Pille beeinflusst nicht euren Männergeschmack.

Quellen:

McClintock 1971 https://www.nature.com/articles/229244a0

Kjaer & Fischer Hansen 1996 https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/j....

Trotier et al. 2000 https://academic.oup.com/chemse/article/25/4/369/3...

Wedekind & Penn 2000 https://academic.oup.com/ndt/article/15/9/1269/187...

Smith et al. 2002 https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/a...

Wysocki et al. 2004 https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/a...

Yoshiura et al. 2006 https://www.nature.com/articles/ng1733

Martin et al. 2010 https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0022202X15346832

Ohashi et al. 2010 https://academic.oup.com/mbe/article/28/1/849/987325

Jones et al. 2018 http://journals.sagepub.com/doi/10.1177/0956797618...

Stoyanov et al. 2018 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC60501...

37 Antworten
02.10.2018
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Da diese Frage mindestens einmal pro Quartal gestellt wird, dachte ich mir, ich schreibe jetzt einen kleinen "Review" um die Thematik "Haltbarkeit eines Parfums".

Zunächst ist ein Parfum nicht wie ein Lebensmittel, das verderben kann, da es i.d.R. aus einem großen Teil Ethanol besteht und auch manche Parfumkomponenten in ihrem ganz ursprünglichen Sinn anti-mikrobiell wirken können, zum Beispiel wurden für Orangenöl (Dabbah et al. 1970) oder auch Patchouliöl (Yang et al. 2013) antimikrobielle Wirkungen gezeigt. Man muss also keine Angst haben, dass irgendwann eine Art Schimmel im Parfum heranwächst.

Vielmehr sollte man das Parfum als eine Chemikalie sehen. Für viele Chemikalien gilt, dass man sie dunkel und kühl aufbewahren sollte, weil Hitze und Licht im Endeffekt externe Energiezufuhr bedeuten. Und dieser Energieeintrag kann dazu führen, dass sich ein Stoff bzw. in diesem konkreten Beispiel einige Duftkomponenten chemisch verändern.

Licht ist hierbei für mein Empfinden am problematischsten. Wenn man einen Flakon offen am Licht stehen lässt, wird der Duft langfristig Schaden nehmen, was viele als kippen bezeichnen. Ich weiß zwar nicht genau, welche Komponente es ist, aber ich vermute mal dass Bestandteile von Lavendelöl in etwas zerfallen können, was wie Maggi riecht beispielsweise. Die Art und Weise wie Licht oder genauer UV Strahlung die chemischen Bestandteile von Parfums verändern können sind vielfältig, es ist auch denkbar dass 2 Komponenten zu einer reagieren und das Produkt eben schlecht riecht, oder es zersetzen sich einige Moleküle in kleinere Bestandteile die vielleicht nicht gut riechen (ähnlich wie eine schlecht gewordene Aspirin nach Essig riecht, weil sich hier die Acetylsalicylsäure zu Essigsäure und Salicylsäure zerfällt).

Es ist vorstellbar, dass in manchen Fällen diese Reaktionen mit Licht zum "Reifen" von Duften führen und diese dann vielleicht besser riechen, aber es ist ansich nichts, was man rückgängig machen kann. Zusammenfassend ist es also ratsam, dass man den Duft im Dunkeln lagert.

Die Industrie hat ebenfalls mitgedacht und versetzt viele Parfums mittlerweile auch mit einigen Stoffen, die UV Strahlung abfangen sollen, entweder sind es Pigmente (die auch nebenbei z.B. alle Mädchendüfte rosa einfärben) oder Radikalfänger wie Vitamin E (Tocopherol) Derivate oder butyliertes Hydroxytoluene (gekennzeichnet als BHT), welche zum Teil auch Bestandteile in Sonnenmilch sind. Diese wirken zumeist auch als Antioxidans, sodass Reaktionen mit Luftsauerstoff ebenfalls abgefangen werden. Dieses Experiment kann sogar zuhause ganz leicht reproduziert werden: man nehme ein kleines Schälchen Olivenöl und lässt es für eine Woche im Licht und an Luft stehen, man wird beobachten dass das Öl fest und opak wird, Rührt man allerdings eine zerstoßene Vitamin E Tablette mit unter, bleibt das Öl über Wochen hinweg flüssig, bis die Schutzfunktion des Vitamin E's verschlissen ist. Und eine noch einfachere Maßnahme seitens der Industrie ist natürlich, dass die Parfums in ihren Kartonagen noch mit schwarzer Pappe umgeben werden.

Generell braucht man also keine Angst oder Befürchtung haben, dass ein originalverpacktes Parfum gekippt sei. Diese Sorgen darf man sich machen, wenn ein gewisses Parfum in durchsichtiger Verpackung verkauft wird wie beispielsweise Bvlgari Black, manche Le Male oder Classique Versionen von Jean Paul Gaultier, Eclat d'Arpege von Lanvin usw.

Wie sieht es nun mit Hitze aus? Hitze kann 2 Sachen bewirken: sie kann theoretisch chemische Reaktionen antreiben und sie kann dazu führen, dass Parfum verdampft. Chemische Reaktionen kann man fast ausschließen wenn man bedenkt, wie hitzestabil viele Parfumkomponenten sind. In einem Gaschromatographen werden die Parfums nicht selten auf 200°C hochgeheizt, dadurch vergast und anschließend in einer GC-Säule aufgetrennt. Und das überstehen eigentlich alle Bestandteile problemlos, sonst könnte man diese nicht abriechen oder im Massenspektrometer analysieren.

Problematischer bei Hitze ist die Verdampfung vom Parfum und/oder einzelnen Parfumkomponenten, aber auch hier kann man teilweise entwarnen, denn jeder Sprühflakon ist ziemlich dicht, da entweicht nichts. Das Thema Hitze ist relevant für Leute, die Extraits sammeln, kaufen und lagern. Damit meine ich diese kleinen Glasflakons die von einem Glas- oder Kunststoffstopfen verschlossen werden, z.B. die Extrait Versionen der alten Guerlains, Chanel No.5 und Konsorten. Hier kann es sein dass der Glasstopfen irgendwann durch die Ausdehnung des Parfums nicht mehr dicht hält und Teile des Parfums langsam ausdunsten. Müsste ich ein solches Extrait lagern, würde ich auch eher auf einen Weinkühler zurückgreifen, oder eben der Kartoffelkeller wenn man einen hat. Aber für einen normalen Sprühflakon reicht es völlig aus, ihn dunkel zu lagern. Es reicht schon, den Originalkarton zu behalten und den Duft darin aufzubewahren. Ansonsten wäre ein dunkler Ort wie z.B. der Kleiderschrank mehr als ausreichend.

Ich hoffe das hilft dem allgemeinen Verständnis ein bisschen und nimmt manchen Leuten ein bisschen die Angst davor irgendwas online zu kaufen. Jeder Onlineshop, der Zeug verkauft hat i.d.R. ein Lager, das mit der originalverpackten Ware vollgestellt ist, an solch einem Ort muss man sich keine Gedanken machen, dass etwas kaputt geht. Wenn man allerdings Düfte aus zweiter Hand von Privatleuten kauft wie hier, dann sollte dieser Review immerhin dabei helfen zu verstehen, was schief gelaufen sein kann, wenn man mal wirklich einen Zonk bei jemandem gekauft hat.

Zitierte Quellen:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC37660...

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC38132...

38 Antworten

Da ich immer wieder hier lese "Mein Duft verfliegt so schnell!" oder "Ich kann ihn nach 30 Minuten nicht mehr riechen!", dachte ich mir, ich krame mal eine alte Zusammenfassung von mir aus, die ich damals zur Sinnesphysiologie Vorlesung verfasst habe.

Wir Menschen besitzen grob 400 Gene, die für Riechrezeptoren codieren. Um mit diesen ca. 400 Rezeptoren eine schiere Unendlichkeit an Riechstoffen zu erkennen, wird vermutet, dass unser Gehirn mit einer Mustererkennung arbeitet: ein Riechstoff steuert eine bestimmte Kombination an Rezeptoren an und dieses "Muster" kann unser Gehirn auswerten. Dies bedeutet allerdings auch, dass ein Parfum, welches aus mehreren hunderten Riechstoffen besteht, immer eine große Zahl an Rezeptoren ansteuert und unser Gehirn sehr viele Stimuli verarbeiten muss. Und manchmal überreizt man das Hirn damit und es gibt Kopfschmerzen, Schwindel oder auch Übelkeit. Adaptation, also die Anpassung der Nase an verschiedene Gerüche, ist ein natürlicher Mechanismus, um diese Überreizung zu vermeiden - und um die Nase akkurat zu halten.

Um die Ursachen der Adaptation zu verstehen, muss man das Wirkprinzip bzw. die Signaltransduktion der Nase kennen: Riechrezeptoren gehören zur Familie der G-Protein gekoppelten Rezeptoren. Bindet nun ein Riechstoff an einen entsprechenden Rezeptor, wird eine Untereinheit des G-Proteins "losgelöst" und kann ein Enzym aktivieren, die Adenylatzyklase, welche ATP (adenosin-triphosphat, den universellen Energieträger in unserem Körper) in cAMP (zyklisches adenosinmonophosphat, d.h. es werden 2 Phosphatgruppen abgespalten und AMP wird in ein ringförmiges Molekül umgewandelt, deswegen "zyklisch") spaltet. Dieses cAMP kann nun Kationenkanäle öffnen, durch welche Natrium- und Calciumionen einströmen. Dadurch entstehen die Aktionspotenziale, also die elektrischen Signale, welche ans Hirn weitergeleitet werden.

Hier setzt auch der Gewöhnungsprozess ein: der Calcium-Einstrom aktiviert über Calmodulin die Phosphodiesterase, welche cAMP zu AMP linearisiert, d.h. sie bricht den Ringschluss des cAMP auf. Dadurch wiederum werden längerfristig auch die Kationenkanäle inaktiviert und es erfolgt keine Signalweiterleitung mehr. Kurz gesagt erzeugt der Kationeneinstrom nicht nur die elektrischen Signale, sondern hemmt die Signalweiterleitung langfristig, man erhält also eine negative Rückkopplung.

Und genau deswegen riechen wir viele Sachen nach einiger Zeit nicht mehr. Das einzige, was dann noch hilft ist ein stärkerer Stimulus (d.h. man erhöht die Duftstoffkonzentration nochmals und rekrutiert damit noch mehr Rezeptoren, in denen die Phosphodiesterase noch nicht aktiviert ist z.B.) oder eben warten, bis die Phosphodiesterase durch Abtransport des Calciums wieder inaktiv ist und sich der ATP-Haushalt der Rezeptoren wieder erholt hat.

Dieser Mechanismus dient dazu, das Hirn vor einer Dauerreizung zu schützen und die Nase "frei" für andere Gerüche zu machen. Dieser Mechanismus funktioniert teilweise auch sehr langfristig, niemand weiß, wie seine eigene Wohnung riecht oder ist verleitet, sein Parfum großzügiger zu sprühen, wenn man es schon 2 Wochen am Stück getragen hat.

Und genau deswegen rotiere ich gerne, weil sich die Nase nicht richtig an einen Duft gewöhnt. Weiterhin ist es also auch besser, Freunde oder Bekannte zu fragen, ob das Parfum, das man gerade trägt, noch wahrnehmbar ist, denn die eigene Nase ist da sehr trügerisch. So... ich hoffe, dass dieser kleine Eintrag für manche Leute spannend sein könnte. Falls ihr es schafft, damit Leute auf Parties zu beeindrucken, lasst es mich wissen! ;)

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