Düfte kleiden einen ja mitunter wie die eigene Kleidung. Da hat man sein Lieblings-Tour-Shirt, das einen an ein besonderes Konzert mit ganz tollen Menschen und einer unbeschreiblichen Stimmung erinnert. Da hat man seine mehr als gut eingelaufenen Schuhe, die einen schon um die halbe Welt getragen haben. Da hat man einen besonders kuscheligen Pullover, der einen auch bei grosser Kälte und kräftigem Wind noch wärmt. Und dann hat man vielleicht noch einen Winterduft, der einen durch den ganzen Winter begleiten und bekleiden kann, weil er einem ein besonders warmes und weiches Gefühl schenkt. Und genau ein solcher Winterduft ist für mich Azzaro Elixir.
Der Karton empfängt einen in dem für Azzaro typischen Design. Der Farbverlauf ist hier von einem sehr kräftigen Rot hin zu Schwarz, die charakteristische Beschriftung ist hier edel in Silber gehalten. Auch beim Flakon gibt es keine Experimente. Das klassische Sechseck wurde beibehalten, unter dem schwarzen Käppchen und dem silbernen Kragen geht das Glas wie am Karton von einem satten Rot in ein undurchsichtiges Schwarz über. Eine schöne und stimmige Variante, wie ich finde. Sieht gut aus durchs Licht.
Der Duft empfängt einen süss und doch männlich. Es gibt zwar ganz leichte frische Anklänge, doch Zitrone, Bergamotte und der Lavendel habe es schon von der ersten Minute schwer. Denn süsse Früchte wie Birne, Johannisbeere und am Rande auch Mandarine sind übermächtig und versprühen süsse Fruchtigkeit, die einen mitunter auch an Kirsche denken lässt. Die Noten werden jedoch von Vanille und Tonka zwar ebenso süss, aber umso weicher und samtiger abgedämpft und im Zaum gehalten. Wer jetzt an einen Damenduft denken mag, der hat Benzoe, Labdanum und Eichenmoos nicht auf der Rechnung. Denn im Hintergrund pirschen sich leise, aber unaufhaltsame und in zunehmendem Masse würzige, moosige, kratzige und leicht rauchige Noten an und runden den Duft männlich mit einem Touch 70er-Jahre Vintage ab. Ja, der Duft kann bei allen Unterschieden seinen Vater einfach nicht verleugnen. Bei diesem Duft denke ich automatisch an den Winter, ohne dass dabei das ganze Programm der Weihnachtsbäckerei mit an Bord ist. Da hat man rote Früchte, die einen Punsch ohne die ganzen saisonalen Gewürze erahnen lassen. Weiche Akzente, die einem ein kuscheliges Gefühl geben, ohne einem dabei ständig Vanillekipferl unter die Nase zu halten.
Die Projektion ist anfänglich schon intensiv, mitunter gar ein wenig aufdringlich, mildert sich jedoch nach knapp einer Stunde auf ein überaus angenehmes Mass ab und bleibt dann bis zu Schluss auf diesem Level. Die Haltbarkeit würde ich mit guten zehn Stunden angeben, solange kann man einzelne Nuancen unterscheiden, die kommenden zwei, vielleicht drei Stunden umwehen einen die letzten Reste. Es ist ein süsser Duft, doch die herben und würzigen Akzente lassen die maskuline Ausrichtung nie vergessen. Und auch wenn es ein intensiver Duft ist, auf den man sich einlassen muss, ich werde ihn auch über Tage hinweg nicht überdrüssig. Penetranz ist trotz starker Noten ganz anders. Denn statt einen in einer Wolke verschwinden zu lassen, hüllt einen dieser Duft wie in eine weiche Decke.
Der Winter kann kommen, dieser Duft ist wie gemacht für die kalte Jahreszeit.