Euphoria (Eau de Parfum) von Calvin Klein

Euphoria 2005 Eau de Parfum

Buchmensch
20.02.2015 - 15:57 Uhr
19
Top Rezension
8Duft 7.5Haltbarkeit 10Sillage 5Flakon

Die kühle Schöne aus dem All

Normalerweise hätte ich diesen Duft überhaupt nicht auf dem Schirm gehabt. Weder spricht mich der Flakon sonderlich an, noch die Beschreibung, noch wäre ich auf die Idee gekommen, dass die Duftpyramide zu mir passen könnte. Der Name Calvin Klein steht stellvertretend für alles, was ich an den 90ern nicht gemocht habe, und den Namen assoziiere ich zu sehr mit Loreens gleichnamigem Eurovisions-Siegersong von 2012, ein Lied, das ich noch nie gemocht habe: Zwar bin ich langjähriger, und Hardcore, ESC-Fan, aber ich habe dem Titel übelgenommen, dass nicht der von mir favorisierte serbische Beitrag » Nije ljubav stvar« gewonnen hat. Und wenn ich einen Groll habe, muss auch mal ein unschuldiges Parfum drunter leiden.

Dass ich Euphoria trotzdem besitze, liegt daran, dass ich es bei Ebay im Bündel mit dem vergriffenen Yves Rocher-Duft Yria bekommen habe, eine noch halbvolle 25ml-Flasche. Ich habe einmal an der Düse geschnuppert, mich nicht entscheiden können, ob mir das gefällt oder nicht, und dann den Duft mit bibliothekarischer Gründlichkeit erfasst, katalogisiert, und weggeräumt. Ich habe viele Parfums, die ich noch nie getestet habe, und dieses war quasi ein Kollateralgewinn. Erst, als ich an meiner besten Freundin Obsession kennenlernte, und toll genug fand, um es mir selbst zu kaufen, kam mir wieder das Euphoria in den Sinn. Während ich noch auf die Lieferung meines Obsession wartete, habe ich, an einem Tag, wo ich sonst nichts vorhatte, Euphoria getestet.

Und nicht nur ich war positiv überrascht. Mein Mann, der es normalerweise nicht so mit Parfums hat, kam herein und fragte, nach was ich da röche. Sein Kommentar, nachdem ich ihm die Flasche gezeigt habe, war »Das riecht hochwertig!«, und ich nahm das als Kompliment, allerdings mit dem etwas bitteren Beigeschmack, dass offenbar alles, was ich davor getragen hatte, für meinen Mann billig gerochen hatte. Ich nutzte jedenfalls die Gelegenheit, meinen Mann für Markenparfums zu interessieren und weswegen ein Parfum dann auch mal etwas mehr kosten darf, und als ich dann Weihnachten tatsächlich das heißersehnte Samsara bekam, wusste ich, die Zeit der Dupes ist endgültig vorbei. Und das verdanke ich natürlich nur Euphoria. Da verzeihe ich sogar Loreen den Sieg.

Tatsächlich ist Euphoria für mich ein sehr untypischer Geruch, und nicht nur für mich. Ich würde ihn eindeutig als Winterduft klassifizieren, aber wo andere Winterdüfte mich wärmen und meine Seele streicheln, empfinde ich Euphoria als eher kalt. Das fängt mit dem Flakon an, der sich wegen seiner metallenen Oberfläche immer kühl anfühlt, vor allem in meinem unbeheizten Schlafzimmer, wo die Kartons mit dem Parfum stehen - memo an mich: im neuen Haus Lösung für Parfumunterbringung finden! - aber die Kälte zieht sich auch durch den Duft selbst. Euphoria ist kein Abend am Kamin, eingemummelt in eine Wolldecke, eine Tasse heißen Kakaos an der Seite - Euphoria ist ein Spaziergang im Schnee, ein Tanz auf dem Eis, es feiert den Winter in seiner Schönheit, statt ihn zu bekämpfen. Und die rosige Farbe, die das Parfum offenbar mal hatte - mit der Zeit verblasst es, und meines war schon klar wie Wasser, als ich es bekam - spiegelt die von gutdurchbluteten Wangen wieder, wenn man am Ende des Spaziergangs nach Hause zurückkehrt.

Am Anfang kommt Euphoria mir noch sehr befremdlich vor, und die ersten fünf bis zehn Minuten nach dem Auftragen denke ich immer noch, dass es ein Fehler war und ich mich für den Tag doch besser für einen anderen Duft entschieden hättre: Da ist etwas chemisches, alkoholisches, das, gepaart mit dem eher säuerlichen Granatapfel, wirklich nicht zu mir passen will. Aber dann kommen die Blumen, die holzigen Noten, betörend, dunkel, wie man es von so einem unscheinbar farblosen Wässerchen nicht erwarten mag, und behält dabei immer noch die kühle Distanz, die es so edel erscheinen lässt. Dass der Flakon dabei ein wenig an eine halbgeschlossene Blütenknospe erinnert, ein aufgerolltes Rosenblatt, aber leider auch an ein Ufo, einen Schornstein oder den sprichwörtlichen »Griff zum Wegschmeißen«, passt gut dazu: Es läd ein, es lockt, und dann macht es einem die Tür vor der Nase zu. Nur gucken, nicht anfassen.

Es ist kein Duft für jeden Tag, und auch nicht für jedermann, obwohl es sicher kein Nischenduft ist, und er erscheint mir, die ich mit dem großgeworden bin, was Yves Rocher in den Neunzigern produziert hat, sehr modern. Und das liegt nicht nur an seinem futuristisch anmutenden Flakon - ich kann mir nicht vorstellen, dass es für diesen Duft vor zwanzig Jahren schon einen Markt gegeben hätte. Zehn Jahre hat er jetzt auf dem Buckel, und ob es ihn in weiteren zehnen noch geben wird, weiß ich nicht: Er ist modern, aber nicht zeitlos, und so gut er noch in dieses Jahrzehn zu passen scheint, wird er um so schneller antiqiert wirken, ein Relikt seiner Epoche, so wie heute das klassische Chloe nach den Siebzigern riecht, Obesssion nach den Achtzigern oder Burberry nach den Neunzigern. Ein ein, zwei Jahren wird uns Obsession als Signaturduft der Nullerjahre erscheinen, und von da an ist es kein weiter Weg mehr ins Museum.

Für mich ist Euphoria ein Duft voller Widersprüche, aber gerade das macht es so interessant. Es ist nicht aufdringlich, aber charakterstark, angenehm, aber nicht beliebig, und anders als vieles, das gerade auf dem Markt ist, ist es alles andere als austauschbar. Die Sillage ist im Vergleich zu anderen Düften aus dem Hause Klein eher zurückhaltend, dafür ist die Haltbarkeit um so stabiler, und wenn ich ihm auch einen anderen Namen gegeben hätte - für Euphorie ist er mir zu kühl, steckt mehr meine persönliche Schutzzone ab, in die man besser nicht eindringen sollte, statt zum Umarmen aufzufordern - passt er immerhin sehr gut zu seinem Flakon, und, an manchen Tagen, auch zu mir. Wenn mein halbleeres Fläschchen am Ende ist, werde ich mir den Duft vermutlich nachkaufen. Diesesmal aber mit Absicht. Und vielleicht höre ich mir dann auch noch einmal Loreens Lied mit anderen Ohren an.
1 Antwort
SonjoschkaSonjoschka vor 11 Jahren
Für mich war der die Überraschung überhaupt. Mir gefällt er vorzüglich. Ich habe ihn auch nur zufällig getestet - aber gleich gekauft.