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Pour Un Homme de Caron (1934) (Eau de Toilette) von Caron

Pour Un Homme de Caron 1934 Eau de Toilette

Version von 1934
Profumo
04.03.2010 - 06:23 Uhr
35
Top Rezension
10Duft 10Haltbarkeit

Das erste 'pour homme'

Mit diesem Duft verbinde ich meine ersten Dufterinnerungen, von den Erinnerungen an die Gerüche meiner Kindheit einmal abgesehen – Südfrankreich, Mitte der 70er Jahre, mein erster Urlaub außerhalb des deutschsprachigen Raumes, gerade mal 10 Jahre alt. Damals muss ich ihn gerochen haben, er hatte sich mir eingeprägt und ich vergaß ihn umgehend, mein Interesse für Düfte war noch nicht geweckt.
Viele Jahre später, irgendwann Ende der 90er Jahre, kaufte ich mir mein erstes Fläschchen Knize 10 und die Verkäuferin gab mir ein Probe ‚Pour un Homme de Caron’ mit, zusammen mit der Bermerkung, dies sei ein ebenso klassisches Herrenparfum, sie würde es selbst manchmal tragen und vielleicht gefiele es mir ja.
Kaum dass ich das Geschäft verlassen hatte, sprühte ich mir etwas von der Probe auf den Handrücken – und wow! da war er wieder, der längst vergessene Duft: Südfrankreich, der Tarn, Millau, alles wieder da – dass ein Duft derartige Erinnerungen wieder auferstehen lassen konnte berührte mich, aber ich war mir nicht sicher ob er mir auch gefiel. Nun, ich hatte ja mein Knize 10, das ich heiß und innig liebte. Ab und an schnupperte ich jedoch wieder an ‚Pour un Homme’ und es wuchs, es wuchs beständig und irgendwann machte es ‚klick’. Unverzüglich war ich im Besitz einer Flasche und ich muss sagen, meine Begeisterung für diesen Duft hat seither nicht nachgelassen. Vor vielleicht zwei Jahren habe ich dann noch die Parfum-Version von ‚Pour un Homme’ erstanden, die unter dem Namen ‚L´Impact de Pour un Homme’ im Handel ist und als das erste echte Parfum (kein Eau de Parfum, richtiges Parfum! Allerdings nicht so hochkonzentriert wie ein Extrait de Parfum) für Herren lanciert wurde. Später zogen Guerlain mit einer Parfum-Version von Habit Rouge, und Hermès mit einer Parfum-Version von Terre d´Hermès nach.
1934 war das Geburtsjahr dieses Duftes und Ernest Daltroff hatte es komponiert, als erstes dezidiert maskulines Parfum für Caron. Es war auch der erste Duft der den Beinamen ‚pour Homme’ erhielt.
Ernest Daltroff stellte einen kräftigen Lavendelakkord in das Zentrum des Duftes. Lavendel war traditionell Bestandteil vieler, vor allem angelsächsischer Düfte (div. Lavender-Waters) derer sich der englische Gentleman gerne bediente, die englische Dame mochte dagegen gerne etwas blümeliger (Edwardian Bouquet) - das Herbe, Krautige blieb dem Manne vorbehalten. In der französischen Parfumgeschichte spielte der Lavendel eine nicht ganz so herausragende Rolle, aber mit Guerlains ‚Jicky’ war schon ein wirklich großes Lavendelparfum auf dem Markt, eines allerdings, das zu Beginn der 30er Jahre nicht mehr den Anklang in der Männerwelt fand wie noch um die Jahrhundertwende, als es vor allem bei den sogenannten Dandys in den Londoner und Pariser Salons sehr beliebt war. Der effeminierte Dandy hatte allerdings nach den gesellschaftlichen Verwerfungen infolge des ersten Weltkrieges ausgedient und mit den Jahren setzte sich ein maskulinerer Männertypus á la Clark Gable oder Errol Flynn durch.
‚Pour un Homme de Caron’ ist auch wirklich ein gutes Stück maskuliner als ‚Jicky’ aber noch meilenweit entfernt von den Testosteron-gestählten, aromatisch-animalischen Fougères der späten 70er Jahre.
Maskulin ist er im klassischen Sinne: gepflegt und elegant gekleidet, frisch rasiert und akkurat gekämmt, vielleicht ein kleines Menjou-Bärtchen. Ganz im Gegensatz zur Tom Selleck-Maskulinität späterer Jahre: offenes Hemd, quellendes Brusthaar, enge, die Genitalien abzeichnende Jeans, langes, lockiges Haar und vor allem – ein gewaltiger Schurrbart! Nein, das alles bietet ‚Pour un Homme’ nicht, aber es bietet Eleganz und Kultiviertheit: Lavendel als Ausdruck von Gepflegtheit zu morgendlicher Stunde, Tabac als elegante maskuline Note über den Tag, Vanille und eine ambrierte Basis als sinnliche Komponenten für abendliche Stunden.
Der Duft ist extrem langlebig und hat einen wunderbar harmonischen Duftverlauf. Nichts an ihm ist harsch, die Übergänge von einer Phase zur nächsten sind perfekt verblendet, alles ist nahtlos ineinander verwebt. Die denkbar schönsten Lavendelnoten übernehmen zwar den Solopart, haben auch zu Beginn den stärksten Auftritt, halten sich dann aber zusehends zurück und lassen, ohne ganz von der Bühne zu verschwinden, Raum für die übrigen Mitglieder des Ensembles.
Das Parfum ‚L´Impact de Pour un Homme’ bietet jenen, denen das Lavendel-Intro des Eau de Toilette zu intensiv ist, die Möglichkeit das gesamte Thema des Duftes sozusagen mit ganzem Orchester, in vollem Tutti zu genießen, und die Vanille und Ambernoten singen unverzüglich und voller Inbrunst mit – sicher nicht ‚everyone´s cup of tea’, aber meine!
Natürlich gibt es modernere Interpretationen dieses Themas, aber mit Ausnahme von Patricia de Nicolaïs ‚Pour Homme’, eine gelungene Reminiszenz an den großen Vorgänger und eine schöne Verbeugung vor ihm, hat mich noch keine wirklich überzeugt.
3 Antworten
N471v3N471v3 vor 6 Jahren
Perfekter Kommentar zu dem Duft, jetzt spür ich richtig worum's dabei geht. Zum Tragen ist er mir derzeit dennoch zu heftig, aber es wird jetzt erneut kräftig getestet, denn hier gibts eindeutig olfaktorisch etwas zu erobern.
Welche 1-3 Düfte würdest du übrigens als DIE Tom Selleck-Maskulinitäts Düfte bezeichnen? Hätte da gern Beispiele... ;)
SisyphosSisyphos vor 13 Jahren
Wunderbar!
TraviataTraviata vor 14 Jahren
Sehr schön geschriebener Kommentar. Das Bild mit dem Tom Selleck Kontrast gefällt mir. Ich schätze Pour un Homme würde einer lavendelliebenden Dame, auch einer die gerne unisex Düfte trägt, dennoch nicht gut stehen. Nicht wahr?