Gekommen bin ich auf das auch heute noch produzierte und problemlos erhältliche "Toujours Moi" von Dana durch den vorherigen Erwerb eines kleinen Minis des gleichnamigen, aber schon längst eingestellten Originals von Corday, von dem man nur noch mit Glück einen alten Flakon erwerben kann.
Das Original von Corday ist für mich ein wundervoll weicher dunkel-rotbrauner Wohlfühl-Amber, der vielleicht / wahrscheinlich gar keinen Amber enthält – zumindest geben weder die hiesigen Duftangaben noch weitere Recherchen einen Anhaltspunkt dafür. Trotzdem riecht er unendlich tief und warm, fern der üblichen seichten Schokolade-Kakao-Assoziationen. Vielleicht ist es einfach nur den Jahren und Jahrzehnten geschuldet, in denen die ursprünglichen Inhaltsstoffe meines Minis so reifen und sich glatt schleifen konnten, dass sie die Anmutung von Amber erhalten haben, ohne dass dieser jemals ein Bestandteil des Parfums war.
Das gleichnamige Nachfolgemodell von Dana stammt zwar aus aktueller neuer Produktion, vermittelt aber trotzdem den etwas angestaubten Charme eines Vintage-Parfums, das sich zwar kräftig an das alte Corday-Original anlehnt, aber – wie könnte es anders sein – dessen Niveau für meine Begriffe nicht ganz erreicht.
Der augenscheinlichste Unterschied ist für mich das Fehlen der warmen Amber-Anmutung, die beim Corday vielleicht nur durch gereiftes Patchouli entstanden ist. Beim neuen Dana-Toujours-Moi zeigt sich das Patchouli noch frisch – und entsprechend harscher und struppiger. Es ist zwar versetzt mit Waldhonig, der natürlich eine Süße mit einbringt, seinerseits aber auch seine eigenen herben und harzigen Aromen beisteuert. Auch das aromatische Benzoe-Harz, das in Indien als Tempel-Weihrauch und in der griechisch-orthodoxen Kirche statt dem üblichen Harz des Weihrauchbaums verwendet wird, trägt dazu bei, dass die gesamte Anmutung zwar balsamisch, leicht vanillig, wärmend und süß ist, aber sich doch einen deutlich rauen Kern bewahrt.
Nicht schlechter als das Original von Corday – nur etwas anders: Herber und kantiger.
Das Patchouli erinnert mich bei Dana weder an den oft zum Vergleich bemühten (und selten gemochten) muffigen Kartoffelkeller, noch an andere mir bekannte Patchouli-Varianten wie z.B. hell-trockene Erde. Bei meinem ersten Test hatte ich – auch wenn es wahrscheinlich Befremden auslöst – sofort die Assoziation zu "Nassem Hund"! Wer es kennt (und – noch besser – auch mag) weiss vielleicht, was ich meine: Dieser vollkommen natürliche, warme, erdige und lebendige Duft eines Wesens, das einfach nur nach sich selbst riecht – und durch die Feuchtigkeit eben etwas stärker.
Ich könnte – um noch mehr Befremden zu verursachen – sogar noch weiter gehen und differenzieren: Nicht "irgendein" nasser Hund, sondern konkret die Sorte von Promenadenmischung, die meist etwas Terrier in sich hat. Mit eher kurzem, struppigem, drahtigem Fell, in Schwarz-Grau-Weiss (Pfeffer-Salz), Füße wie Klobürsten (das versteht wahrscheinlich wirklich nur ein Insider :D), nicht wirklich hübsch – aber sehr intelligent, liebenswert, fetzig und frech.
Ich kann mir gut vorstellen, dass beide Rezepturen – die alte von Corday und die neue von Dana – im Grunde nicht weit voneinander weg liegen. Vielleicht ist es ja wirklich nur der Faktor "Zeit", der das alte Corday auf einer Zeitachse zu dem gemacht hat, was man heute riechen kann. Vielleicht ist das neue Dana einfach nur das etwas ruppigere und rohere (weil ungereifte) Ausgangsprodukt des gleichen Dufts – und würde sich in 5, 10 oder 20 Jahren genauso weich und warm präsentieren, wenn man ihm die Zeit dazu geben würde. Ein Unterschied wie zwischen einem neuen frischen "Crianza" und einem alten gelagerten "Grand Reserva": Die gleichen Trauben, der gleiche Weinberg – nur eine andere Reifezeit.
Ja – vielleicht sollte man manche Parfums genau so einlagern, wie man es ganz selbstverständlich mit manchen Weinen macht. Da man "Toujours Moi" von Dana zu recht moderaten Preisen erhalten kann, wäre es auf alle Fälle einen Versuch wert. V.a. wenn man etwas angestaubte Düfte mit Patchouli und Harz mag. Oder mit nassem Hund.