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Uomo (Eau de Toilette) von Ermenegildo Zegna

Uomo 2013 Eau de Toilette

loewenherz
27.08.2016 - 04:52 Uhr
4
Hilfreiche Rezension
5Duft 5Haltbarkeit 2.5Sillage 5Flakon

Passione non c'è

Es ist nicht das Geringste einzuwenden gegen das Haus Ermenegildo Zegna, das ein traditionsreicher - gut hundert Jahre sind sie immerhin schon alt - Herrenschneider ist aus einer Kleinstadt im Piemont, der sich bis heute im Besitz der Familie befindet. Den Familienmitgliedern ist es nicht gestattet, Anteile an Nicht-Familienmitglieder zu verkaufen. Zegna verwendet traditionell hochwertige Stoffe und macht gute Anzüge und Hemden daraus, und ihre Krawatten - besonders die Strickkrawatten - sind wunderbar. Die Erweiterung der Produktpalette um Parfum ist noch relativ neu - und wie zu befürchten war, erscheint sie eher wie eine Pflichtübung als wie echte Leidenschaft. Hätte das Kreditkartenlesegerät an der Kasse nicht einen gefühlten Umweg über Norditalien gemacht, hätte ich Uomo vermutlich nie getestet - und dabei nur kaum etwas verpasst.

Die Kopfnote ist ansprechend - und ich habe gelernt, bei allzu ansprechenden Kopfnoten misstrauisch zu werden, denn oft folgt ihnen kaum Bemerkenswertes nach - und stößt das Tor auf zu einer Manufaktur in einem zwischen Weinbergen hingeduckten Dorf, in dem Frauen mit Haarnetzen (keine Ahnung, wieso Haarnetze, sie machen Hemden und keine Pasta - aber in meiner Vorstellung tragen sie Haarnetze, basta) in liebevoller Handarbeit Stoffe zusammenheften und dabei den Klatsch von der Piazza austauschen. Italienisch arrangierter Zitrus kann als das. Die ihm nachfolgende Note allerdings kündet in ihrer Belanglosigkeit (Veilchenblatt? Wo denn?) weniger von jenem Dorf in Norditalien als vom synchronisierten Surren patentrechtlicher geschützter Maschinen in irgendeiner namen- und fensterlosen Halle, und das, Signore und Signori Zegna, möchte ich nicht.

Fazit: 'passione no c'è'. Keine Leidenschaft.
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