Eher zufällig bin ich auf die Marke Jeroboam gestoßen, weil ich eine Extra-Probe von Oriento bekam. Vespero (= "Abend" in Esperanto) sprach mich von den Duftnoten her sofort an. Auch die Gestaltung des Flakons - mit 30 ml die perfekte Größe, wie ich finde - und der Website können sich sehen lassen. Der erste Eindruck war jedoch etwas ernüchternd, weil sich Vespero trotz natürlich wirkender Noten nicht so frisch und angenehm gestaltet, wie ich es mir erhofft hatte.
Direkt nach dem Aufsprühen sind zwar deutlich Apfel und Hesperiden wahrnehmbar, doch schnell zeigt sich die dunklere Seite des Extraits - dem Namen entsprechend. Besonders dominant ist für mich Leder im gesamten Verlauf. In Kombination mit der Kopfnote, mit Moschus, Holz und Patchouli ergibt sich eine ähnliche Wirkung wie bei Micallefs Royal Vintage, mit dem großen Unterschied, dass dieser frischer, moderner und tragbarer gehalten ist. Vespero hingegen könnte auch aus den 70er/80er Jahren stammen, denn neben dem Duft nach altem (nicht jedoch animalischem) Leder sind es vor allem die trockene, holzig-moosige Basis und leicht seifig anmutende Nuancen, die ihn wie einen klassischen Herrenduft vergangener Zeiten wirken lassen. Florales ist aber wirklich nur zu erahnen. Markant, herb und ausgesprochen maskulin ist er, sodass ich Freunden dieses Genres einen Test nahelegen würde. (Die ersten Statements von CubaMike, Yatagan und Ergopoxy unterstreichen das nochmal.) Qualitativ gibt es nichts zu meckern: Bei moderater Projektion hält Vespero einen ganzen Arbeitstag durch.
Auf mich wirkt die Gesamtkomposition aber nicht ganz ausgewogen, da das Leder zu sehr andere Noten überdeckt und ich beim Tragen einfach kein angenehmes Gefühl hatte. Überhaupt sehe ich Vespero eher an einem etwas älteren Träger als mich. Dafür passt er gut in jede Jahreszeit und ist trotz seiner Ecken und Kanten absolut bürotauglich.