Leder, Weihrauch und Holz - Männlichkeit aus der Flasche
Bei Dirty English handelt es sich um ein Eau de Toilette aus dem Hause Juicy Couture. Das Parfum fällt in die Kategorie der würzigen Düfte und zeichnet sich durch seine ledrigen, rauchigen und holzigen Noten aus. Insgesamt riecht der Duft sehr männlich. Seine Einordnung passt daher für mich und ich kann ihn mir kaum an einer Frau vorstellen. Eine solche müsste zumindest eine klassiche "Powerfrau" sein. Tragbar ist der Duft sicherlich von Herbst bis Frühling, im Sommer würde ich eher einen großen Bogen darum machen.
Ich empfinde diesen Duft als eher wenig komplex und ziemlich geradlinig. Die Übergänge von Kopf- über Herz- zu Basisnote laufen fließend. Die meisten der hier angegebenen Duftnoten rieche ich überhaupt nicht. Insgesamt ist der Duft wirklich einfach gemacht, funktioniert dafür aber hervorragend gut. Alle, die einen Duft suchen, der wie eine Mischung aus den Schauspielern Vin Diesel und Danny Trejo riecht, werden hier fündig.
Kernelement dieses Parfums ist ein sehr, sehr dunkles Leder, welches in allen Phasen präsent ist und sich nur wenig verändert. In der Kopfnote startet der Duft mit einem Mandarinen-Akkord, der sich beinahe streitend mit dem Leder verbindet. Irgendwie wollen die beiden nicht miteinader, trotzdem riecht es ganz wunderbar. Leider zieht sich die Kopfnote schon nach wenigen Minuten zurück. Was bleibt ist das schwarze Leder. Dazu gesellt sich dann aber recht schnell Weihrauch, viel dunkler Weihrauch. Damit wird der Duft nochmal deutlich dunkler und schwerer als zu Anfang. Vielleicht ist es Einbildung, weil es so gut passen würde, aber in der Herznote nehme ich zudem eine Spur von Motoröl wahr. Der Duft klingt ab und geht in die Basisnote über, indem abermals wieder vor allen Dingen Leder zu riechen ist. Ein bisschen Weihrauch bleibt einem bis zum Schluss erhalten. Neu dazu kommt aber Holz, dunkles, modriges Holz, fast sogar ein bisschen süßlich (könnte der hier angegebene Amber-Akkord sein). Nach der Herznote, die nach 1 bis 2 Stunden vorbei ist, ist der Duft nur noch hautnah. Dadurch, dass er in der Basisnote dann ja auch etwas gefälliger und weniger laut wird, ist er sicherlich als Date- bzw. Romantik-Duft geeignet, dann aber besser 1 bis 2 Stunden vorher aufsprühen. Ein klassischer Panty Dropper ist er mit Sicherheit nicht.
Die Haltbarkeit ist mit 5 bis maximal 7 Stunden irgendwo im mittelmäßigen Bereich. Eigentlich ist so ein Wert für mich in Ordnung, da ich mit einem TZ ja jederzeit nachlegen kann, aber gerade bei so einem Duft wäre wesentlich mehr drin gewesen. Die Sillage ist zu Anfang sehr stark, zieht sich dann aber deutlich zurück, insgesamt trotzdem gerade noch gut. Der Flakon ist eigentlich wunderschön, wäre da nicht der Deckel aus billigem Plastik. Dem Rest des Flakons hätte ich ohne zu zögern 100% gegeben, aber durch den Deckel verliert er leider an Ästhetik. Solch ein Duft hätte einen Deckel aus Holz verdient gehabt.
Leider wurde die Produktion von Dirty English eingestellt, sodass es ihn im regulären Handel schon nicht mehr zu kaufen mehr gibt. Man findet ihn aber noch online, und das zu sehr guten Preisen, die irgendwo zwischen 25 und 30 Euro für 100 ml liegen. Wer ihn also noch will, sollte schnell zuschlagen, denn zu diesem Preis stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis allemal. Zu seinem Ursprungspreis von 69 Euro hätte ich ihn wohl nicht gekauft, denn die geringe Haltbarkeit ist ein kleines Ärgernis. Beim Tragen also IMMER einen 2 ml-TZ dabei haben, denn 2 ml braucht man an einem langen Tag durchaus.