Angelo Di Fiume von Linari

Angelo Di Fiume 2008

Louce
12.11.2010 - 08:52 Uhr
Top Rezension
6Duft 7.5Haltbarkeit 5Sillage 7.5Flakon

Wie wichtig ist das Vorspiel?

Der Starteindruck von Angelo di Fiume riecht nett, ist nicht obersüß und gibt eine gelungene Bergamotte-Orangen-Exposition ab, die neugierig macht auf die nächsten Kapitel. Doch dann…
grauslich!
Eine Maoam-Note nimmt sich allen Platz und produziert ihren unfassbar kaubonbon-knatschigen, synthetischen „Frucht“-Geruch. Von kunsthandwerklichem Zusammenfügen unterschiedlicher Noten rieche ich nichts, stelle mir höchstens die (minder spannende) Frage „Quasihimbeer oder Quasikirsch?“.
Wenn der Duft hier am Ende wäre, wäre es auch dieser Kommentar.
Aber nein.

Mit schlechtem Vorspiel ist das halt so. Manchmal muss man es einfach aushalten und warten, bis es vorbei ist.
Wenn der Duft diese Kunstobst-Phase hinter sich lässt, bietet er etwas ganz anderes. Und zwar etwas Gutes! Nach (zugegeben schwer erträglichen) 20 Minuten kommt er zur Sache: Eine sanfte Cremigkeit unterstreicht eine ausgesucht edle Jasminnote. Sie brilliert vor und mit einem Karamell-(Ethylmaltol-)aspekt, der delikat, aber nicht voll-gourmandig, eine samtartige Süße in großer Breite auslegt.
Dieses Herz ist matt, beinahe fahl, wird aber dank des funkeligen Blumenteils (in dem auch gerne eine Rose mitspielen kann, ich kann sie nicht klar ausmachen) nicht komplett stumpf. Die gediegene Süße geht über in eine warme Basis und die Karamelligkeit wird nochmalig aufgegriffen, diesmal von der dafür prädestinierten Vanille. Vom Kaubonbon ist zum Glück nicht mal eine ahnbare Spur übrig, wenn eine feine, dünne Räuchernote dazukommt, die mich zuerst auf Weihrauch tippen ließ. Ist aber gar nicht drin laut Duftpyramide. Könnte das von Benzoe stammen, neben dem kleinen Honig-Whiff, der da mitgebracht wird?

Wenn Fiume das italienische Wort für „Fluss“, „Strom“ meint, kann ich das mit etwas Phantasie nachvollziehen: Ein Ineinanderfließen der Noten, bis sich, durch etwas Rauschen und Schillern, ein ruhiges, strömendes Ganzes ergibt, kann ich riechen. Hätte Mr. Buxton diesen grottendämlichen Maoam-Engel weg gelassen, wäre das ein schöner karamelliger Duft für Herbst und Winter. So kann ich nur den Test empfehlen: Wer mit dem Vorspiel klar kommt, hat danach einen anziehenden und ausnehmend schönen Duft auf der Haut.
1 Antwort
KalixKalix vor 15 Jahren
Für alle, die es gerne kompliziert mögen...