Orientalisch-floral und sinnlich-animalisch so die offizielle Duftbeschreibung. Da dies genau mein Beuteschema ist, wird die Nase zuerst gründlich mit Wasser gespült, zum Fenster raus an die frische Luft gehängt und sorgfältig mit neutralen Haushaltspapier getrocknet. So nun ist das Werkzeug gründlich geputzt und vorbereitet, die Haut vorher geprüft, ob irgend welche Duftnoten noch vorhanden sind. Alles neutral. Die Uhr gestellt.
Drei,zwei,eins und START.
Wird jetzt mein Kopfkino in den Orient reisen? Aber nein. Welcher Eindruck mich da erwischt, überrascht mich doch sehr. Ein wohl vertrauter und schöner Geruch, den ich jedes Jahr aufs neue geniesse. Das Gehirn sucht und findet. Natürlich, warum in die Ferne schweifen.... Frühling, Radfahren, sonniger warmer Tag, raus in die Natur. Der frisch rasierte und zitrisch wohlriechende Mann und seine erste grosse Liebe sind mit dem Fahrrad unterwegs. Und wohin? Genau. Nicht weit von Ihnen sind Felder, wunderschöne grosse gelbe Felder, genauer Rapsfelder in voller Blüte. Süsslicher, leicht honigartiger und ganz besonderer Duft wird in Hülle und Fülle verströmt und lockt das frisch verliebte Paar. Frühlingsgefühle werden wach. Ein Bett im Kornfeld, aber nein ein Bett im Rapsfeld.
Es wird animalisch. Der Geruch der verschwitzten Körper vermischt sich mit dem Geruch der schönen kleinen, gelben Blüten.
Die Abendsonne sinkt langsam über die Felder und die Fahrräder stehen immer noch verlassen am Wegesrand. Der Geruch der Blüten wird immer schwächer und der Geruch der Leidenschaft immer stärker. Man, diese Ausdauer. Mich schafft allein schon das Kopfkino.
Nachdem der animalische Geruch schon mehr als zwei Stunden dauert bin ich müde geworden. Nach diesem Duft ist Bettruhe schon fast eine ärztliche Verordnung obwohl die Sillage nicht besonders stark ist.
Nun, wird es mein Duft? Schwer zu sagen. Das zitrische, der Duft der Rapsblüten in der wärmenden Sonne, sofort. Aber das lange und doch recht animalische ist mir wahrscheinlich doch to much.