Wellnessgrüner Italo-Frischling mit nettem weichwürzigen Kardamom-Koriander-Unterton
Boellis sagte mir bis vor wenigen Tagen noch gar nichts, handelt es sich aber offenbar um ein altes Traditionshaus (Barbiergeschäft) im Herzen Neapels, rund 90 Jahre alt.
Durchaus wert entdeckt zu werden, das kann ich nach dem Testen von "Panama Millésimé" sagen.
Hier wird zwar kein Rad neu erfunden, aber man erkennt fraglos einen handwerklich guten Stil, der durchaus Klassikerfans erfreuen dürfte und zu einem alten italienischen Betrieb gut passt.
Sind die ersten Minuten noch etwas unaufgeräumt, trudeln die Gewürze etwas arg durcheinander, pendelt der Boellis sich zwischen einem frischgrünen Teeaufguss, durchaus leicht herb durch Rhabarber geerdet, und einer unterschwelligen, eher trockenen Gewürznote ein.
Ein Vorredner schrieb was von "schmutzig" - vielleicht in einem recht dezenten Sinne dreckig, aber gerade dadurch einen Spannungsbogen in den Duft hineintragend, der es wirklich wert macht, ihn mal zu testen.
Kommt er vom Koriander und Kardamom, durch einen Hauch Moschus unterstrichen? Vielleicht, auf jeden Fall passt es gut. Vielleicht nicht zu einem klischeehaft sonnendurchfluteten Tag in Italien, aber durchaus in einen etwas frischeren Herbst in bella Italia, in dem der ein oder andere windige und auch leicht verregnete Tag vorkommt.
Im Verlauf bleibt der Duft recht stabil zwischen zunehmend trockener werdender Grünteegrundierung und zusehends ins Holzig-Grasige (Vetiver?) driftenden Aromen, bei denen Kardamom und Koriander nie ganz verloren gehen.