„Aube Pashmina“ versetzt mich gleich ein paar Jahre zurück, als meine Eltern ihr schönes Häuschen am Saum zwischen Stadt und Land bezogen (und ich als Teenager natürlich mit ihnen). Besonders in Erinnerung sind mir die faulen sommerlichen Nachmittage auf der Terrasse geblieben, wo ich mir mit einem Wälzer (wahrscheinlich war es Tolkien) die Zeit auf dem Liegestuhl vertrieb. In dieser Lebensphase hatte mein Vater jeweils noch die Musse besessen im nahen Wald Holunderblüten zu sammeln, um damit (er kann ansonsten überhaupt nicht kochen) Holunderblütenwein herzustellen. Ich muss ihn bei Gelegenheit mal wieder nach dem Rezept fragen, denn was ich auf dem Internet gefunden hab‘, wird seiner Version von damals nicht ganz gerecht. Wenn ich nicht ganz falsch liege, werden dabei die frisch gesammelten Holunderblüten kurz mit kaltem Wasser abgespült und in einen grossen gläsernen Bottich gegeben (nennt man sowas Bottich…?), Zucker und Scheiben von ein paar Zitronen rein, schliesslich auffüllen mit Mineralwasser ohne KS. Deckel drauf. Das Ganze lässt man dann an einem hellen Ort (nicht in der prallen Sonne) ein paar Tage stehen, dabei kommt es zu einem Gärprozess. Die Stauden und Zitronenschalen filtert man dann ab und schon ist der erfrischende Trunk fertig. Ein leicht prickelndes, vom Geschmack etwas an Hefe erinnerndes Getränk. Natürlich kann man das Zeug nicht allzulange behalten, denn der Gärungsprozess läuft weiter und irgendwann ist das nur noch Essig.
„Aube Pashmina“ (z.d. etwa: das morgendliche Erwachen) hat beim Aufsprühen genau diesen Effekt frühsommerlicher Frische, ein Hauch Hefe und ganz viel Grün. Allerdings spielen hier nicht Holunderblüten die Hauptrolle, sondern Cassis(-Beeren?), schön herb und fast ein bisschen medizinisch. Als ich die Duftangaben studierte, dachte ich: nicht schon wieder Tomatenblätter! Aber hier fügen sich die ganz harmonisch in die grüne Komposition ein, ohne dass man an zermantschte Tomatenstängel mit ihrem penetranten Geruch denken muss. Sicher sind auch Geranien drin (eigentlich mein Todfeind) aber erstaunlicherweise mag ich die hier. Ebenfalls erahnbar: Basilikum (nicht der grossblätterige, sondern der Thai-Basilikum mit seiner leichten Anisnote). Ein grosser Duftverlauf geschieht hier nicht, Hauptbestandteil ist weiches völlig unsüsses Orangenjasmin … das erst Stunden später ganz hinwegdämmert. Im Duftbeschrieb wurde ‚Bois de Satin‘ als Sandelholz übersetzt, offenbar ein Fehler, denn Orangenjasmin (Murraya paniculata) ist nicht dasselbe und riecht auch nicht ganz wie Sandelholz (Gemeinsamkeit vielleicht eine gewisse Seifigkeit). Allerdings weiss ich nicht genau, welche Bestandteile (Blätter, Holz?) von dieser Pflanze verwendet wurden. Extrakte des Orangenjasmins werden laut WP besonders im asiatischen Raum (Burma) für eine kosmetische Salbe verwendet, daher wohl der exotische Name dieser Kreation.
„Aube Pashmina“ ist ein kühlender, etwas seifiger Sauberduft für die wärmeren Jahreszeiten und ganz ohne die sonst ‚üblichen Verdächtigen‘ Zitrusfrüchte. Einzigartig und dennoch vertraut. Gelungen! -------------------- edit
Zur Herstellung von Holunderblütenwein gehören also gemäss dem Maître noch ein paar Handvoll Trockenreis und ein Schuss Essig gleich von Anfang an. Abfiltern nicht vergessen. Prost!