Ergebnisse einer nicht-repräsentativen Straßenbefragung, die nicht stattgefunden hat:
„Ich find' den ja ziemlich generisch (kannte das Wort bis gestern auch nich', hab's aber bei Google gesehen). Is‘ halt so‘n Blauer, du weißt schon, so Blöde Chanel, aber halt unschanellig, aber auch nicht so schlimm wie Y und so. Kann man sich draufsprühen, also riecht jetzt echt besser als ein Desinfektionsmittel, hat sogar 78 Umdrehungen … aba, also ich weiß nich' so recht.“ (Riecht am Handgelenk und zieht die Stirn kraus) „Nee, ich denk', da gibt‘s was Besseres. Aba wie gesagt, kann man machen, is‘ ja ziemlich billig.“
„Die kupfern ganz schön ab, aber diesmal in Silber! Sieht ja schon ein bisschen aus wie der L‘Homme, der von Yves Saint Laurent, also der Flakon, der Name ja auch. Und dann der blau geriffelte Körper unterm Deckel: Chanel lässt grüßen. Ich find das zwar nicht kreativ, aber ansprechend sieht er ja schon mal aus.“ (Sprüht sich den Duft auf den Handrücken) „Sooooo, dann wollll‘n wir mal.“ (Nimmt einen tiefen Sniff) „Boaaah!“ (Pause) „Joa, hm, also bisschen so, als würde man bei Aldi Käseaufschnitt inner Plastikpackung kaufen – irgendwas muss man ja essen.“ (Auf Nachfrage:) „Ich mein‘, die De-En-Ah ist jetzt nicht gerade originell, aber für'n Alltag passt dat prima. Ich seh‘ den eher bei einem jüngeren Mann. Mit Herrn hat der nix zu tun. Aber nett, ja doch, nett, kann man nicht meckern, ne?“
„Den kenn‘ ich, hab‘ ich schon mal getestet. Paar Minuten richtig schön, vielleicht ein bisschen süß, dann so‘n Drydown, der schon irgendwie moosig ist, also Labormoos, und bisschen herb, reifer, aber nicht mehr wirklich schön, finde ich. Markant, aber leise. Ich weiß nicht, ob ich mich verständlich ausdrücke?“ (Pause) „ Na egal ... Hm, is‘ ein Officeduft, oder halt Homeoffice gerade, wie auch immer. Tut nicht weh, hat nichts mit Kunst zu tun. Kann weg, kann aber auch bleiben.“
„Ich kenn‘ den schon, und den Moustache. Und ich wundere mich, wie Rochas nach diesem wundervollen, satten, kultivierten Duft diese Chemiesauce raushauen konnte. Tut weh im Herzen, und in der Nase. Uarghigittigitt …!“
„Ich weiß nicht, was immer alle haben. Hey, 30 Euronen, zack, sprüch-sprüh-sprüh, zack, riecht gut. Freundin: ,Du riechst so frisch, Liebling.‘ Ich so: ,I know‘. Was will ich mehr? Ich mag den. Nobrainer, Allrounder, Signature, Dumb-Reach, Digger, ach Mist, jetzt fall‘n mir keine Anglicisms mehr ein. Na, sch*** drauf, weißt, was ich meine. Cooler Release mit okayer Performance. Läuft voll!“
„Die Kunst wird der Funktionalität nachgeordnet. Die Shareholder applaudieren.“ (Auf die Nachfrage, ob da noch etwas ergänzt werden sollte:) „Das ist Lakonie.“
„Gut: Kopfnote (frisch-zirisch-fruchtig, modern), Flakon, Sprüher, Preis, Versatilität. Mittel: –. Schlecht: Originalität, Basisnote, Haltbarkeit. Empfehlung: Blindkauf nein, Test ja, wenn auf Suche nach einem Alltagsduft im günstigen Segment. Alternativen: Bleu de Chanel, Allure ..., Dior Homme 2020 usw. usf.“
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Nachgetragene Straßen-Meinung:
„Mit jedem Tag, den ich diesen Duft besitze, sinkt meine natürliche Neigung, ihn wohlwollend nicht zu arg zu kritisieren. Ziemlich synthetische Plörre."
Nicht gerade „gute“ Alternativen, wenn man den Preis betrachtet _)) , die kosten das Vierfache von Rochas, und die Qualität der Materialien ist nicht auf diesem Niveau... Der Duft ist nicht schlecht, wenn man die Erwartungen etwas senkt - das könnte ein guter „Calvin Klein“-Bruder sein...
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