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Isola Blu (Parfum) / Oligarch (Parfum) von Roja Parfums

Isola Blu
Oligarch
2022 Parfum

EXdeath
24.06.2023 - 18:41 Uhr
39
Hilfreiche Rezension
9Duft 8Haltbarkeit 8Sillage 10Flakon 7Preis

Dekadenz im Alltag und im Büro - Jetzt wird Tacheles geredet

Für einen Abteilungsleiter ist der Duft viel zu komplex. No Offense an meinen Rezension-Vorgänger, aber wir packen hier noch eine Stufe drauf :).

Ehrlich gesagt trägt mein Abteilungsleiter gar keinen Duft. Selbst der Vorgesetzte meines Abteilungsleiters, also der Dienststellenleiter, trägt keinen Duft. Deswegen fühle ich mich auch immer eigenartig, wenn ich das Büro betrete, weil ich dann meist die bestduftende Person im Raum bin. Nicht nur das, meist in der ganzen Etage. Ich möchte keinem die Show stehlen, aber ich möchte deswegen auch nicht drauf verzichten, nur weil die anderen sich auf ihren Körperduft verlassen.

Aber nu geht es los: Wie bei allen Rojas ist man bei Durchsicht der Duftpyramide komplett überfordert. Wie kann man so viele Duftnoten verweben, dass es wirklich funktioniert? 29 Duftnoten in einem Flakon?

Roger Bird, der bürgerliche Name unseres "Helden", hat einen Hang dazu, nicht nur einzelne Duftnoten einzeln herausriechen zu lassen, sondern sie so zu verweben, dass man fast keine einzelnen Duftnoten herausriechen kann, sondern diese nur noch als Gesamtkunstwerk. Funktioniert das? Oh ja und das aber hallo! Mag das jeder? Und jetzt kommt die Antwort: NEIN!!! Und die Großbuchstaben sind tatsächlich so gemeint, obwohl ich den Duft liebe.

Ich kann es absolut verstehen, wenn Leute die Düfte von Roja nicht mögen, weil sie sagen, sie haben den Roja X Duft schon an X Stellen woanders viel besser gerochen.

Und jetzt kommen wir zum Isola: Der Duft beginnt zitrisch und das sehr komplex. Ich merke die Limette/Bergamotte (schwer zu differenzieren) sehr stark, aber sehr stark Thymian. Der Duft ist sehr würzig. Es ist kein typischer zitrischer Sommerduft, sondern da schwingt Würze im Hintergrund mit. Bei extremen Temperaturen sollte man m.E. vorsichtig sein, aber bei Temp bis 27-30 Grad geht er und das auch im Büro. Ich habe ihn im Büro jetzt zweimal getragen. Habe zwar keine Komplimente bekommen, aber ich habe aktiv nachgefragt, ob er stört und in diesem Zuge meinten die Mädels (waren zu dem Zeitpunkt nur Frauen), dass sie "etwas zitroniges" und "herbes" riechen würden. Auf Nachfrage, was sie genau riechen würden, hieß es nur, dass es halt sehr "herb" riechen würde, aber sie lieber "frische Düfte" mögen. Sie konnten keine Duftnote definieren. Genau das, was Roja bezwecken will. Egal ob Azubi oder 40 Jahre beständige Mitarbeiterinnen.

Eine Bestätigung und gleichzeitig ein Stich ins Herz! Warum? Ich finde den Duft so gut! Er riecht komplex, zitrisch, würzig, einfach gut! Das Problem ist, dass das "normale Klientel" den Unterschied nicht erkennt. Mit "normalem Klientel" meine ich, dass es Leute sind, die überhaupt nichts mit Parfum zu tun haben. Die riechen nur "gut" oder "schlecht". Für die gibt es kein "dazwischen" und schon gar nicht eine "Roja Verwebung".

Fazit: Was sagt das jetzt über den Duft aus?

Meines Erachtens ist der Duft super schön.
Zitrisch? Ja!
Würzig? Oh seeeehr "ja"!
Langhaltend? Ganz gut!
Sillage? Wird von anderen wahrgenommen! Keine Komplimente ohne aktive Nachfrage nach meiner Erfahrung, aber wenn man Leute aktiv drauf anspricht, riechen es alle (wird von allen wahrgenommen), sind aber teilweise überfordert als "normale" Nasen. Im Alltag ein toller "Begleiter", aber kein Duft, der einen als Mittelpunkt in den Raum positioniert. Das wollen Roja's Düfte auch niemals sein. Das hat er mehrfach immer wieder selbst betont. Seine Düfte sollen immer nur ein "Begleiter" sein und "im Hintergrund mitschwingen". Wer Sillage-Monster erwartet, ist bei Roja komplett falsch.

Roja's Düfte müssen halt "geschätzt" und "ins Verhältnis gesetzt" werden. Wer im stinknormalen Büro auf einmal Roja trägt und hofft, dass die zu einem sagen, "boah, du riechst aber wie ein Millionär"... das wird nicht passieren. Die kennen nur "gute Parfums" oder "schlechte Parfums". Für die riecht ein 40€ Designer "besser" als der Isola Blu. Die Qualität / Komplexität ist für die ein Fremdwort. Fremd, fremd, fremd... . Und in der Freizeit? Genau das gleiche. Die "Qualität" bzw. "Verwebung" der Duftnoten wird fast niemand bemerken. Da werden vermutlich viele andere Düfte dem Isola gar keine Chance lassen.

Für "nicht Parfum-Interessierte" vielleicht 5 von 10, für mich 9 out of 10...
Aktualisiert am 24.06.2023 - 19:24 Uhr
4 Antworten
ExUserExUser vor 2 Jahren
1
Starke Rezension erstmal! Ich finde das es nicht nur bei Roja Parfums so ist mit den Duftnoten "rausriechen". Schon wesentlich einfachere Parfums sind für die meisten anderen Menschen um mich herum eine Herausforderung was die Duftnoten angeht. Tatsächlich irgendwie schade aber wahrscheinlich auch der Grund warum so viele eher auf "simple" Designer zurückgreifen welche dann weniger komplex sind. Man kann es natürlich keinem übel nehmen. Es dauert ja schließlich eine Weile bis man geruchstechnisch überhaupt soweit ist.
Serenus71Serenus71 vor 2 Jahren
Na vielleicht habe ich eine „normale“ und keine ultrafeindetektorische Analytikernase, aber ich finde Isola Blu weder besonders komplex noch herausragend interessant, den Verlauf recht unspektakulär und die Haltbarkeit recht flüchtig. Der Duft ist schön und gefällig, und die Werbung ist schon fast grotesk in ihrer dekadenten Überzeichnung.
Der Versuch, mit Jachtenbesitzern und Privatstränden einen recht gewöhnlichen, aber sicher nicht aussergewöhnlichen Duft interessant zu machen, ist bemerkenswert - und scheint auch zu gelingen. Die Topaz-Fakes auf dem Deckel des Flakons tragen sicher zusätzlich dazu bei…
RonicreRonicre vor 2 Jahren
2
Duft und "Allgemeinen Sachverhalt " sehr gut auf den Punkt gebracht. Aber klar: Man sollte Düfte natürlich für sich tragen.
Ich fühle mich ebenfalls oft duftmäßig sehr overdressed im Büroumfeld. Noch schlimmer ist es im home office oder auf dem Spielplatz...😂
JansiJansi vor 2 Jahren
Gute Duftbeschreibung verbunden mit einer sehr interessanten u. meines Erachtens, zutreffend beschriebenen "Wirkung" unserer Schätze auf andere Leute. Sehr gern gelsen.