Un bois vanille von Serge Lutens
Kommentar von TVC15
Sehr hilfreicher Kommentar    11.02.2010 15:33 Uhr
Haltbarkeit 10.0 Duft 0.0
Die Abgründe der Zuckerbäckerei
Vier Lutens-Düfte habe ich bisher ertragen, doch dieser bringt mich an die Grenzen meiner Geduld. Ich betrachte ihn als körperliche Folter. Selbst im Confiseriehandwerk wäre eine solch krude Anhäufung plärrend süßer Backzutaten etwas übertrieben. Man verstehe mich nicht falsch, ich mag süßes Naschwerk, nur habe ich leider den Zeitpunkt verpasst, an dem es hip wurde, sich klebrige Leckereien, die eigentlich mal zum Verzehr gedacht waren, in flüssiger Form als Ausdruck seiner Persönlichkeit über diverse Körperpartien zu kippen.

Jeder Konditormeister ist wahrscheinlich froh, wenn er sich nach der Arbeit ein heißes Bad einlassen kann, um sich des Aromas seiner Tagesproduktion an Puddingteilchen und Mandelhörnchen zu entledigen. Jede dumme Unterhaltungssendung im TV ist polital correct genug, um penibelst darauf zu achten, dass mit Lebensmitteln kein Schindluder getrieben wird, und für viele hungernde Dritte-Welt-Länder dürfte es recht erklärungsbedürftig sein, warum sich übersättigte Mitteleuropäer ihr Kokostörtchen zur Zierde ans Revers kleben. Nun gut, künstlerische Freiheit.

Womit auch schon fast alles zu dieser sinnesbetäubenden Wolke gesagt wäre: tonnenweise Vanille, Wagenladungen von Kokos, Süßholz, Karamell, und einzig und allein der meterdicke Zuckerguss fehlt noch in der Duftpyramide. Blerchhhhhhh! Die im Namen verewigte Holznote ist rein hypothetisch.

Unter Berücksichtigung der nicht unerheblichen Kopfschmerzen, die mir dieses Zeug verschaffte, wären das summa summarum 0 Punkte.
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