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Jeke (2008) von Slumberhouse

Jeke 2008

Version von 2008
loewenherz
05.05.2017 - 13:24 Uhr
17
Sehr hilfreiche Rezension
7.5Duft 7Haltbarkeit 6Sillage 7.5Flakon

Wann ist ein Mann ein Mann?

fragte schon Herbert Grönemeyer krächzend in 'Männer', dem neben dem ebenso berühmten 'Bochum' anderen Hit auf seinem fünften Studioalbum '4630 Bochum'. 1984 war das - ich war ein Junge, und die deutschen Postleitzahlen noch vierstellig.

'Männer nehmen in den Arm.
Männer geben Geborgenheit.
Männer weinen heimlich.
Männer brauchen viel Zärtlichkeit.'

Wann ist ein Mann ein Mann? Stellt man diese Frage der Parfumindustrie, wird diese dies gegenwärtig vermutlich entweder mit Leder oder mit einer Duschgelnote beantworten, schlimmstenfalls mit synthetisch-metallischer Süße. Fast immer scheinen ausgeprägt männlich betitelte Parfums dem Prinzip 'viel hilft viel' nachzufolgen - diese Düfte sind von Anfang an halbstark und laut - und sehr unlocker angestrengt bemüht, ihre geballte Maskulinität schon in der Kopfnote zu präsentieren - so wie ein Truthahn seinen roten Kehlsack zeigt.

Viele, aber nicht alle.

Jeke ist nicht so. Jeke ist nicht leise und nicht schüchtern - doch neben anderen 'Männerparfums' wirkt er beinahe so. Das Rauchige des Lapsang Souchong und das Rauchige des Tabaks verblenden sich zu einer bitteren Dunstigkeit in der Farbe von gebrannter Umbra - einer Dunstigkeit, die weder grimmig ist, noch süß. Und doch liegen ihr sowohl Süße (Nelke und Vanille) wie durchaus auch Grimmigkeit zugrunde (Harz und Patchouli). Dass seine Rauchnote - wer Lapsang Souchong nie gerochen hat, wird vielleicht Lust bekommen, ihn jetzt mal zu probieren, mit einer Scheibe frischer Zitrone ist er wunderbar - Leichtigkeit hat (im Sinne von 'nicht schwer' - dies ist kein schwebender, kein schwereloser Duft) und doch Ernsthaftigkeit, dass er den Tabak thematisiert, ohne dessen verführerischer Süße zu verfallen - all das wirkt sehr durchdacht und sehr bewusst und sehr erwachsen. Hier ist ein wunderbarer Männerduft voll selbstsicherer Unaufgeregtheit - der sanft in den Arm nimmt, der Geborgenheit gibt, der vielleicht heimlich weint - und ganz viel Zärtlichkeit anbietet und Wärme.

Fazit, in Grönemeyers Refrain, von dem ich kaum glauben kann, dass er nun schon über dreißig Jahr alt ist:
'Männer haben's schwer, nehmen's leicht -
außen hart und innen ganz weich.
Werden als Kind schon auf Mann geeicht.
Wann ist ein Mann ein Mann?'
1 Antwort
KovexKovex vor 8 Jahren
Haha, beim Kehlsack vom Truthahn musste ich grinsen. Schöner Kommentar, toller Duft!