
Ropanski2020
31 Rezensionen

Ropanski2020
Top Rezension
20
Expedition ins Ungewisse
Al Shareef Oudh ist unter Oud-Connaisseurs keine unbekannte Adresse. In Australien ansässig bietet der Inhaber der Marke (Jawed) eine breite Palette an qualitativ hochwertigen wilden und organischen Oudestillaten sowie Attars im mittleren bis hohen Preissegment an, seit 2021 auch Parfüms.
So vielschichtig der Rohstoff Oud auch erscheinen mag, die Düfte, die ihn als Bestandteil führen, sind es selten. Das liegt für gewöhnlich in der kulturellen Selbstreferenzialität begründet, der Marken häufig (gewollt/ ungewollt) aufliegen, und dem unmittelbaren Wunsch der Konsumenten, das Ewiggleiche in möglichst bester Qualität vorzufinden. Diese und ähnliche Schlüsselmomente lassen zumeist auf wenig Gutes hoffen, wenn die vermeintlich nächste große "Oudblaupause" im hartumkämpften Markt platziert wird.
Jetzt muss man Al Shareef Oudh aber zugutehalten, nicht gerade dafür bekannt zu sein, in kurzen Intervallen, eine Vielzahl an Veröffentlichungen loszutreten, wie man es von anderen Marken, etwa Ensar Oud oder Jinx gewohnt ist. Und so ließen sich derer noch weitere (Marken) anfügen, was den Rekurs aber unnötig in die Breite ziehen würde; insofern belasse ich es hierbei.
Möchte man eine grobe Einteilung vornehmen, dann lassen sich die konzeptionell definierten von den eher universellen Ouddüften unterscheiden, deren Horizonte in der Tendenz weniger Aphorismen oder spirituelle Überbauten aufweisen. Und in der Tat sprengt The Summit jedweden Versuch einer definitorischen Einordnung trotz des vorauseilenden Narratives im Namen.
Der Auftakt ist frisch bis grünlich verhangen (Terpene, botanische Noten), spült aber zugleich eine überaus spannende hellholzige Sprödigkeit in den Fond, die entfernt an Papyrus erinnert und sublim rauchig (grünblau) abstrahlt. Dieser fast schon luftige, minimal ätherische Akkord wirkt mineralisch abgeschmeckt (Anklänge von Kalk, nasser Stein, Ton und Lehm) und ist in dieser Mixtur schon recht ungewöhnlich. Der kühlende Effekt verweilt nur kurz. Im Verlauf drückt eine sehr dichte, florale Cremigkeit durch den harzigen Fond, was auf einen gehörigen Anteil an Sandelholz in der Rezeptur schließen lässt. Dieser nussig-milchige bis trübe Schliff untergräbt die Singularität des frischen Auftaktes und bewirkt eine Schwerpunktverlagerung, die in erster Linie die warmen und lieblichen Facetten des Holzes bespielt, weniger die leicht bitteren, würzigen. Bisweilen weist The Summit eine gourmandige Textur auf, hervorgerufen durch das süßlich-cremige Profil, was mit der Zeit sublim salzig (wie Treibholz) aushärtet, bei annehmbarer Haltbarkeit bis moderater Projektion.
Es gibt, zumindest in meinen Augen, keinen Duft gleichen Zuschnitts. Insofern wurde hier etwas Besonderes geschaffen. Trotzdem gewinnt man den Eindruck, dass irgendwas fehlt. So zeigt sich eine im Prinzip doch klare, aber dennoch unzureichende Handschrift des Parfümeurs, dem es leider nicht gelingt, das selbst beschworene Bild eines Aufstiegs, hoch droben am Gebirgspass, bis ins letzte Detail auszuarbeiten. Das Sandelholz entzieht dem Bergrücken seine rustikale Aura, so schnell wie die kühle Brise sich in den heimeligen Schoß einer Talsenke verflüchtigt, wo Süßes (gemälztes Getreidekorn, Milchpudding, Reis) sanft vor sich hin köchelt.
The Summit ist kein schlechter Duft und für Liebhaber von natürlichen Holzdüften mit einer Schwäche für laktonische Profile (mit lieblichen Ausbuchtungen) sicherlich einen Blick wert. Meins ist es nicht, wirkt dieser doch irgendwie medicore trotz des faszinierenden Auftakts, es fehlt hier schlicht an Charakter. Die animalische Tonalität bleibt unauffällig, der bhutanische Oudeinsatz grenzwertig hintergründig, beinahe unter der Schwelle der bewussten Wahrnehmung (mutmaßlich: helles Resinoid, leichte Amber-Süße, sublim erdig bis grün). Ob das an der Charge oder an der viel zu hohen Dosierung des Sandelholzes liegt, bleibt unklar.
The Summit geht, wenn auch unverhofft, über eine bloße Bestandsaufnahme einer Oudkasuistik hinaus, wo etwas Neues auf Bestehendes trifft, entfernt sich aber zu weit vom ursprünglichen Thema. Für mich, als bekennender Oudfan, markiert diese Umkehrung im Duftverlauf ein Ausschlusskriterium. Über die eigentliche Qualität des Duftes sagt das gewiss nur wenig aus, setzt aber - wie ich finde - ein markantes Ausrufezeichen hinter den Preis, der mit 650$ für 30ml auch relativ hoch angesetzt ist. Das ist mir unterm Strich dann doch zu wenig (erhoffter Inhalt) für zu viel Geld.
So vielschichtig der Rohstoff Oud auch erscheinen mag, die Düfte, die ihn als Bestandteil führen, sind es selten. Das liegt für gewöhnlich in der kulturellen Selbstreferenzialität begründet, der Marken häufig (gewollt/ ungewollt) aufliegen, und dem unmittelbaren Wunsch der Konsumenten, das Ewiggleiche in möglichst bester Qualität vorzufinden. Diese und ähnliche Schlüsselmomente lassen zumeist auf wenig Gutes hoffen, wenn die vermeintlich nächste große "Oudblaupause" im hartumkämpften Markt platziert wird.
Jetzt muss man Al Shareef Oudh aber zugutehalten, nicht gerade dafür bekannt zu sein, in kurzen Intervallen, eine Vielzahl an Veröffentlichungen loszutreten, wie man es von anderen Marken, etwa Ensar Oud oder Jinx gewohnt ist. Und so ließen sich derer noch weitere (Marken) anfügen, was den Rekurs aber unnötig in die Breite ziehen würde; insofern belasse ich es hierbei.
Möchte man eine grobe Einteilung vornehmen, dann lassen sich die konzeptionell definierten von den eher universellen Ouddüften unterscheiden, deren Horizonte in der Tendenz weniger Aphorismen oder spirituelle Überbauten aufweisen. Und in der Tat sprengt The Summit jedweden Versuch einer definitorischen Einordnung trotz des vorauseilenden Narratives im Namen.
Der Auftakt ist frisch bis grünlich verhangen (Terpene, botanische Noten), spült aber zugleich eine überaus spannende hellholzige Sprödigkeit in den Fond, die entfernt an Papyrus erinnert und sublim rauchig (grünblau) abstrahlt. Dieser fast schon luftige, minimal ätherische Akkord wirkt mineralisch abgeschmeckt (Anklänge von Kalk, nasser Stein, Ton und Lehm) und ist in dieser Mixtur schon recht ungewöhnlich. Der kühlende Effekt verweilt nur kurz. Im Verlauf drückt eine sehr dichte, florale Cremigkeit durch den harzigen Fond, was auf einen gehörigen Anteil an Sandelholz in der Rezeptur schließen lässt. Dieser nussig-milchige bis trübe Schliff untergräbt die Singularität des frischen Auftaktes und bewirkt eine Schwerpunktverlagerung, die in erster Linie die warmen und lieblichen Facetten des Holzes bespielt, weniger die leicht bitteren, würzigen. Bisweilen weist The Summit eine gourmandige Textur auf, hervorgerufen durch das süßlich-cremige Profil, was mit der Zeit sublim salzig (wie Treibholz) aushärtet, bei annehmbarer Haltbarkeit bis moderater Projektion.
Es gibt, zumindest in meinen Augen, keinen Duft gleichen Zuschnitts. Insofern wurde hier etwas Besonderes geschaffen. Trotzdem gewinnt man den Eindruck, dass irgendwas fehlt. So zeigt sich eine im Prinzip doch klare, aber dennoch unzureichende Handschrift des Parfümeurs, dem es leider nicht gelingt, das selbst beschworene Bild eines Aufstiegs, hoch droben am Gebirgspass, bis ins letzte Detail auszuarbeiten. Das Sandelholz entzieht dem Bergrücken seine rustikale Aura, so schnell wie die kühle Brise sich in den heimeligen Schoß einer Talsenke verflüchtigt, wo Süßes (gemälztes Getreidekorn, Milchpudding, Reis) sanft vor sich hin köchelt.
The Summit ist kein schlechter Duft und für Liebhaber von natürlichen Holzdüften mit einer Schwäche für laktonische Profile (mit lieblichen Ausbuchtungen) sicherlich einen Blick wert. Meins ist es nicht, wirkt dieser doch irgendwie medicore trotz des faszinierenden Auftakts, es fehlt hier schlicht an Charakter. Die animalische Tonalität bleibt unauffällig, der bhutanische Oudeinsatz grenzwertig hintergründig, beinahe unter der Schwelle der bewussten Wahrnehmung (mutmaßlich: helles Resinoid, leichte Amber-Süße, sublim erdig bis grün). Ob das an der Charge oder an der viel zu hohen Dosierung des Sandelholzes liegt, bleibt unklar.
The Summit geht, wenn auch unverhofft, über eine bloße Bestandsaufnahme einer Oudkasuistik hinaus, wo etwas Neues auf Bestehendes trifft, entfernt sich aber zu weit vom ursprünglichen Thema. Für mich, als bekennender Oudfan, markiert diese Umkehrung im Duftverlauf ein Ausschlusskriterium. Über die eigentliche Qualität des Duftes sagt das gewiss nur wenig aus, setzt aber - wie ich finde - ein markantes Ausrufezeichen hinter den Preis, der mit 650$ für 30ml auch relativ hoch angesetzt ist. Das ist mir unterm Strich dann doch zu wenig (erhoffter Inhalt) für zu viel Geld.
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Kopfnote
Blauer Lotus
Kampfer
Lavendel
Pfefferminze
Rosmarin
Herznote
Hirschmoschus
Labdanum
Rose
Shamamatul Amber Attar
Weihrauch
Basisnote
bhutanisches Oud
Harze
holzige Noten
Moschus
Sandelholz





























