Sehr tragbar – aber erwarte kein raues, dunkles Meeres-Ambergris.
Ich liebe das Storytelling von Anomalous, auch wenn es manchmal ein wenig in die Irre führen kann.
Für diesen Duft schiebt es die Vorstellung in eine abgründige, ozeanische, dunkle, salznasse, animalische Richtung: “the edge of an abyss”, “the ocean’s first pull”, “briny sea moss”, “the ancient stillness inside the whale’s belly”...
Als Ambergris-Fan hatte ich da eher die dunklere Seite von Ambergris erwartet - Richtung junge Ambergris-Tinktur: salzig, ozonisch, Seegras, animalisch, rauer, schärfer.
Der Duft ist aber sehr rund, süß, warm, vanillig, benzoig, vielleicht sogar honigartig.
Wenn Ambergris, dann hier eher wie eine sehr alte, lange gereifte Ambergris-Tinktur, die wärmer, weicher, deutlich weniger animalisch und runder geworden ist - davon nicht zu viel - und dann eine gute Portion süße Noten, Vanille, Amber und Holz. Ja, im Opening gibt es ein paar ozonische und leicht aquatische Anklänge, aber deutlich weniger, als ich durch die Geschichte erwartet hätte.
Im Drydown bleibt es der Linie treu: süß, vanillig, benzoig und holzig.
Trotzdem ein schöner Duft – aber eher ohne die Story im Kopf zu genießen.
Nichts für Ambergris-Süchtige, die das rohe, ungezähmte Meer suchen.