StrehliwoodStrehliwoods Parfumblog

Vor 2 Jahren
43 Auszeichnungen

Wer kennt sie nicht – diese Situationen, wenn einem die Lieben ihre schönsten Urlaubsfotos zeigen wollen. Schnell ufert die Vorführung aus – und der erholte Urlauber bemerkt nicht, wie sehr sich der genervte Begucker das Ende der Bilderflut wünscht.

Mit den heutigen technischen Möglichkeiten ist es für Jeden in kürzester Zeit machbar, Unmengen an „Datenmüll“ zu produzieren. Das ist natürliche eine harte Formulierung, denn es hängt ja auch vom Bezug ab, den der Betrachter zu den Fotos hat. Von qualitativen Dingen will ich hier noch gar nicht sprechen.

Eine Sache, die ich an Parfumo von Beginn an sehr mochte, waren die vielfältigen Möglichkeiten, sich über eine „flüchtige“ Sache, wie Düfte auszutauschen. Jeder Nutzer hat die Möglichkeit, sich auf den unterschiedlichsten Spielwiesen auszutoben – und das ist wirklich toll!

In Bezug auf Statements, Kommentare etc. werden zu recht immer wieder auch qualitative Aspekte angesprochen. Je mehr Nutzer zur Plattform stoßen, desto mehr Einträge gibt es. Aktuell wurde bei einigen Parfüms bereits eine geraffte Ansicht implementiert, damit es den Interessenten beim jeweiligen Duft nicht gleich erschlägt. Die Datenmengen wachsen – und wachsen.

Wir können gemeinsam dafür sorgen, dass Parfumo in jeder Hinsicht attraktiv bleibt – so auch bei den Fotos. Ich bin immer wieder beeindruckt, mit welcher Leidenschaft und Hingabe manche Parfumas und Parfumos an einem Foto arbeiten. Aus einer Bildidee entsteht ein ansprechendes, oft facettenreiches und detailverliebtes Fotos. Ja, ich liebe Fotos, und deshalb nehme ich mir gerne die Zeit und scrolle regelmäßig die beiden Foto-Laufleisten durch und erfreue mich an den Ergebnissen. Dabei sind die technischen Voraussetzungen völlig zweitrangig. Manch einer zaubert mit seiner HandyCam die tollsten Fotos, die Bildaussage zählt.

Leider ist es auch so, dass einige Nutzer auf einen Ritt 10 und mehr Fotos posten. Auch ich könnte mit Leichtigkeit in 10 Minuten meine Sammlung, sogar aus mehreren Perspektiven, ablichten (denn so groß ist sie nicht ;)). Nur wem nützt das? Dabei ist es doch unmöglich, sich Gedanken zum einzelnen Foto zu machen. Oftmals sieht es so aus, als würden die Flakons für Ebay fotografiert.

Ich möchte hier nicht falsch verstanden werden. Die Beurteilung eines Fotos ist immer Ansichtssache – und das ist gut so. Mir geht es um die langweilige Flut.

Meiner Meinung nach sind manche Bildsammlungen in den jeweiligen Düften an Bedeutungslosigkeit kaum zu übertreffen, da ist das Herstellerfoto oft noch das schönste. Die Folge – man öffnet den jeweiligen Bildordner oftmals nicht mal mehr. Und damit verliert die Funktion immer mehr an Bedeutung. Wie ich mitbekommen habe, verlieren einige bereits die Lust daran, hier Fotos zu posten. Und das ist mehr als schade!

Eine andere Auswirkung dessen ist ja, dass besonders schöne Fotos einfach hinten runter fallen. Ich nehme mal an, dass das Niemand absichtlich bezweckt. Dennoch sind wir da beim Thema Wertschätzung - Dem gegenüber, der sich Gedanken gemacht hat und ein ansprechendes Foto mit der Gemeinschaft teilen möchte.

Ich finde es toll, dass wir über die Attraktivität unserer Seite mit all seinen Gimmicks diskutieren. Ein großes Dankeschön an Don – Wahnsinn was Du hier täglich für Pionierarbeit leistest! Uns so, wie wir bspw. über Funktionalität, Datenmengen, Kommentare, Statements und Inhalte diskutieren, sollten wir uns auch der Bildthematik widmen.

Eine willkürliche Bildselektion auf Administratorenebene ist ebenso wenig wie bei den Statements zielführend. Vielmehr möchte ich anregen, das eine oder andere Posting selbst vor dem Upload mal kritisch zu hinterfragen.

Eine sinnvolle Möglichkeit wäre meines Erachtens, die Uploads systemseitig auf 1 oder 2 Fotos pro Tag und User zu beschränken. Dann wären viele Probleme vom Tisch – und wir haben weiterhin gut durchmische Bildstrecken und dadurch vielleicht auch schon einen kleinen Qualitätswächter ;).

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Vor 3 Jahren
38 Auszeichnungen

Ich lade den geneigten Leser zu einer kleinen Zeitreise in das Jahr 1989 ein. Ich war damals 18, hatte das Abitur absolviert und befand mich vor dem anstehenden Wehrdienst in einem studiumvorbereitenden Praktikum im VEB Technische Gebäudeausrüstung Dresden. Hier erlebte ich sowohl den desolaten Zustand der DDR als auch die sich damals schon abzeichnenden politischen Veränderungen im Land hautnah. Obwohl es dazu viele interessante Geschichten zu erzählen gäbe, kürze ich dies ab, denn ihr sollt ja den zweiten Protagonisten kennenlernen.

Wir beamen uns unmittelbare in die überaus spannende Zeit kurz nach der sog. Wende. Im Osten stand alles Kopf und Niemand wusste so richtig was da gerade passiert und wie es weitergeht. Aber alle verband das Gefühl, Teil von etwas ganz Großem zu sein. Es herrschte eine uneingeschränkt positive Stimmung und Helmut Kohl versprach 1990, dass es Keinem schlechter gehen wird.

Beim trögen Praktikum in eben jenem VEB hatte ich überdies gänzlich die Lust an dem bevorstehenden Studium verloren.

Da gab es so viel Neues im Westen zu entdecken, die Möglichkeiten schienen unbegrenzt. Und ehe ich mich versah, kam ich zu einem völlig anderen Beruf, den ich noch immer ausübe.

Sicher lag es am Alter und vielleicht auch an den begrenzten Möglichkeiten in der DDR, aber an gute Düfte habe ich keine Erinnerung mehr. Entsinnen kann ich mich an die Pflegeserie Action (hier immerhin mit 2,5 bewertet), dessen Produkte quasi nie erhältlich waren - oder nur über Beziehungen, Action gehörte zum Sortiment der "Bückware". Wie Action roch, ich hatte davon Haargel und einen Deospray, weiß ich nicht mehr. Dann waren da noch die schweren Düfte meiner Mutter, die sie besonders gern auflegte, wenn wir in unserem feuerwehrroten Skoda S100 verreisten. Bedingt durch diese eher bescheidenen Dufterlebnisse konnte sich in diesem Stadium noch keine Duftaffinität entwickeln. Was ich mochte, war der irre gute Geruch im Intershop, so gut roch für mich der Westen. Da wir kein Westgeld hatten, bin ich dort gern zum Staunen und Luft inhalieren hingegangen. Ich habe mich oft gefragt, warum ich diesen tollen Intershop-Luft-Duft schon kurz nach der Wende nirgendwo mehr riechen konnte. Und allen Leuten die ich darauf ansprach ging es ebenso - im vereinigten Deutschland konnten wir den Westen nicht mehr riechen. Das ist doch verrückt - oder? - wie sich unsere Wahrnehmung ändert...

Der Ausbildung wegen kam ich 1991 nach Darmstadt - und dann ist es einfach passiert - mein erstes richtiges Dufterlebnis. Fast wäre ich draufgetreten - auf dem Fußweg lag eine niegelnagelneue Azzaro-Probe Acteur (Eau de Toilette). Ich habe den Duft von Beginn an als Geschenk betrachtet (Das zweite nach 100,00 DM Begrüßungsgeld *lach*) - und das erste was mir auffiel war der ähnliche Name zum Action-Duft aus der DDR. Das konnte ja gar kein Zufall sein...

Der Acteur (Eau de Toilette) war und blieb lange Zeit Zeit die große Duftliebe meines Lebens. Er passte einfach zu mir und in die Zeit. Ich fühlte mich damit selbstbewusst und erntete viel Lob. Wenn man so will, hat er mir olfaktorisch den Weg ins vereinte Deutschland geebnet. Irgendwann probierte ich "Kiton Men" und "Nightflight" und noch einige andere Düfte, fand aber immer wieder den Weg zu meinem Acteur (Eau de Toilette) zurück. Bis zu dem Tag, als ich ihn vergebens im Drogerie -Regal suchte und erfuhr, dass er nicht mehr hergestellt würde. Und so endete unsere Lovestory so aprupt, wie sie begonnen hatte. Vor Jahren ersteigerte ich mal eine gekippte Probe bei Ebay - sie hatte nichts mehr gemein mit dem Duft in meiner Erinnerung. Ich beschloss die Jagd danach aufzugeben und so blitzte mein Acteur (Eau de Toilette) nur noch manchmal in meinen Erinnerungen auf.

Klingt fast so, als gäbe es kein Happyend. Fehlanzeige! :) Seit kurzem bin ich ja hier bei Euch, in dieser liebenswerten und verrückten Gemeinschaft ;). Aus Leimbacherers Asservatenkammer *zwinker* erhielt ich eine Abfüllung vom Acteur (Eau de Toilette). Nach meinem Erlebnis mit der gekippten Probe war ich sehr skeptisch und deshalb sehr zögerlich beim Auftragen. Und BÄMMM, da war ER - ER der liebenswerte vermooste Flaschengeist mit dem Holzbein und der altrosafarbenen Rose im Mund...mein Dschin, der Geist aus dem APO-Zerstäuber... :)) Und so wie ich nicht am Plaste gerieben habe, musste ich mir auch nichts wünschen, denn Dschini und ich verstehen uns blind. Und wieder BÄMMM, da waren sie - die vielen scheinbar verloren gegangenen Erinnerungen an wunderbare Zeiten und meine knackigsten Jahre :). So glücklich kann Parfüm machen.

Überdies finde ich den Duft noch immer wunderschön, unsynthetisch und tragbar. Danke an den Parfümeur Maurice Maurin und Azzaro für die Erschaffung dieses zeitlosen Kunstwerks.

Selbstverständlich habe ich alle später folgenden Düfte von Azzaro getestet und trug eine zeitlang "Visit for Men" und Now Men, die meisten Düfte, ganz vornweg Decibel fand ich jedoch untragbar. Mit dem aktuellen Wanted wurde ein neuer Tiefpunkt markiert. Hier muss ich unweigerlich an den Dialog zwischen Waldemar Hartmann und Rudi Völler denken und es stellt sich die Frage, wieviele Tiefpunkte es noch gibt und vorallem, ob auf einen immer tieferen Tiefpunkt denn noch tiefere Tiefpunkte folgen können. Und diese Entwicklung ist die traurige Seite an dieser Geschichte. Ich bin mir sicher, der 2003 verstorbene Loris Azzaro würde sich im Grabe herumdrehen. Bleibt zu hoffen, dass das renommierte Haus irgendwann einmal wieder besseren Zeiten entgegenblickt.


Nachtrag 12.09.2016: Ein Flakon aus Italien ist eingetroffen und ist der Champion meiner Sammlung :)

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Vor 3 Jahren
15 Auszeichnungen

Durch einen glücklichen Zufall konnte ich dieses wunderbare BOIS 1920 - Set (8x17ml) für einen super Preis erwerben. Heute war es endlich in der Post - und ich freue mich, als wäre Weihnachten, Geburtstag und Ostern zusammen.

Tolle Sommerabende bei einem guten Tropfen und einem exzellenten Duft in der Nase - was will man mehr?

Das Leben ist schööön :).



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