Vi Et Armis / East India von Beaufort

Vi Et Armis
East India
2015

loewenherz
18.09.2016 - 15:19 Uhr
19
Top Rezension
7Duft 6Haltbarkeit 6Sillage 7.5Flakon

You know nothing, Jon Snow!

Unter den für Nichteingeweihte kaum zu zählenden Haupt- und Nebencharakteren von HBOs (bzw. eigentlich George R. R. Martins) 'Game of Thrones' gibt es nur kaum welche, die sich konstanter Sympathien erfreuen - zu regelmäßig hebt der Wahnsinn seine Fratze auch an ungewohnter Stelle. Der wohl beliebteste zumindest unter den männlichen Charakteren ist Jon Snow, der Bastardsohn des Hauses Stark, der als Heranwachsender als Wächter auf die sogenannte Mauer geht, die letzte Befestigung im Norden, jenseits derer nur noch die Wildnis kommt. Und als am Ende der fünften Staffel Zweifel daran bestehen müssen, ob er am Leben geblieben ist, geht ein wüster Aufschrei durch die Fangemeinde.

Jon Snow ist ernst und stolz und tapfer - und immer auch ein bisschen traurig. Ebenso wie die anderen Charaktere von Martins epochaler Saga hat es (und ist) auch er nicht immer einfach - Kit Harringtons melancholischer Blick zollt diesem Schicksal wundervoll Tribut. Das rothaarige Wildlingsmädchen Ygritte, dem er das Leben rettet und in das er sich entgegen den Sitten der Wächter der Mauer verliebt, sagt ihm in einer der vielleicht berühmtesten Szenen bitter: 'You know nothing, Jon Snow!', um ihm vor Augen zu führen, dass er selbst als nicht erbberechtigter Bastard und in seinem der Pflichterfüllung gewidmeten Leben als Wächter viel sorgenfreier lebt als jene jenseits der Mauer.

Beauforts Vi Et Armis - ein wunderbarer lateinischer Ablativ, auf deutsch: 'durch Gewalt und Waffen' - transportiert in einem Duft, was so widersprüchlich und schwierig ist in der Gestalt des tragischen Jon Snow: Stolz und Bitterkeit und Traurigkeit und großen Ernst, Hingabe und Opfer, Rohheit und Gewalt. Es ist die Signatur des Hauses Beaufort, keine einfachen Düfte zu produzieren, sondern fordernde, nachgerade verstörende, so auch hier. Zentraler Akkord ist eine bittere Tabaknote, flankiert von kaltnordischer Birke, schwarz loderndem Weihrauch und lichtlosem Oud. Eine ganz feine Teenote webt einen fernen Anklang von Traurigkeit hinein - um gleich wieder in finsterem Rauch und kaltem Feuer zu versinken.

Fazit: schon für einen Mann an der Grenze zum Aushaltbaren. Was muss das erst für ein Weib sein, das einen solchen Duft zu tragen wagt?
3 Antworten
OlinehexchenOlinehexchen vor 9 Jahren
Um deine Frage zu beantworten: das Hexchen, denn das liebt diesen Duft (und mag auch Jon Snow)
Boss429Boss429 vor 9 Jahren
Ich mag den Kommentar, liebe diesen Duft aber ebenso.
Für mich einfach nur schade, dass er zu schnell abflacht und sehr körpernah wird.
JoHannesJoHannes vor 9 Jahren
Lichtlos? Ja, unbedingt. Und: karg, wütend, verstörend ... trotzdem eine tolle Komposition. Und ein gelungener Kommentar. Danke!