Dass Juchten von Bernoth schon weit über 80 Jahre auf dem Buckel hat, kann man kaum glauben. Aber wer weiß, wie oft mittlerweile an der Rezeptur herum geschraubt wurde.
Jedenfalls katapultierte mich der Auftakt nicht 80 Jahre zurück, sondern eher in die 80er Jahre des vorherigen Jahrhunderts, denn eine Ähnlichkeit zum klassischen JHL von Aramis ist nicht zu überriechen. Dieser war in jener Zeit einer meiner absoluten Lieblingsdüfte – orientalisch, schwer, süßlich, warm und sehr edel gemacht. Allerdings habe ich ihn auch nicht unbedingt mit Juchten bzw. Leder in Verbindung gebracht.
Jedoch macht Juchten von Bernoth etwas ganz Besonderes aus: kurz nachdem sich die scheinbare Kopfnote ein wenig manifestiert hat, schleicht sich von hinten leicht scharfer Lavendel heran, obwohl dieser offiziell gar nicht angegeben ist. Sowas aber auch! Dabei frage ich mich, ob diese Lavendelnote (oder was immer das ist) eher als störendes oder als belebendes Element zu betrachten ist. Ein bisschen kratzig und gegen den Strich kommt er schon. Aber andererseits wirkt er als interessanter Kontrapunkt, der allerdings auch schnell wieder ausdimmt. Nach noch nicht mal einer Stunde wird der Duft wieder recht weich und nimmt die Grundzüge der Kopfnote ein.
Für alle, die auf mehr Leder aus sind, wird Juchten wohl eine Enttäuschung sein. Und Freunde von Haltbarkeitsrekorden werden ebenfalls nicht auf ihre Kosten kommen. Wer jedoch orientalische Düfte álá JHL mag und dabei temporär einen Hauch französischer Provence durch die Nase wehen lassen möchte, findet hier ein kleines Schätzchen. Ich bevorzuge dagegen ganz klar das klassische JHL.
Klingt für mich ein wenig nach Sagamore (Vintage). Kann das sein? Leder-Chypre mit leicht orientalischem Touch und etwas verwirrender Lavendel-Kräuter-Beilage?