Lolita hat recht: bei aller Schokoladigkeit in Ambre Noir - das hier ist weiße Schokolade! Nicht die braune, kakaoige, schon gar keine zartbittere. Wo dunkle Schokolade so schön sanft im Mund vor sich hin schmilzt, mit Kakaoanteilen, bei denen man manchmal noch ihre trocken-ölig-pudrige Herkunft nachschmeckt, hat weiße Schokolade ja neben einem anderen Geschmack auch eine ganz andere Haptik. Es schmeckt und fühlt sich eher an wie gehärtetes Öl, feste Butter oder gefrorene Sahne. Deswegen ist DeGes Bild vom Nappo auch so richtig: die nur sehr dünne schmelzige äußere Kakaoschicht gibt schnell den Weg frei für das weiße, zwar harte aber gleichzeitig sahnig-süße Innenleben des Plombenziehers meiner Jugend.
Ambre Noir ist deshalb ein ganz spannender Gourmand. Er ist - ja, doch - lecker, sinnlich, dabei aber fein und bei aller Tiefe auch ein bisschen schwerelos, und bei aller lukullischen Kraft aber auch sehr sanft. Eine sehr gekonnte rauchig-süße Note im Hintergrund steuert weitere anregende Dimensionen bei. Endlich mal ein Brecourt, der eine Vielschichtigkeit aufweist, bei der die enthaltenen Duftnoten ihre Eigenständigkeit behalten dürfen, und nicht in einem öden Einheitsbrei untergehen. Die Hölzer halten sich bei mir in ihrer Kraft zurück, ebenso das Patchouli. Dafür dürfen die balsamischen Noten ihr ganzes Potential ausspielen und eine sahnige Cremigkeit beisteuern, auf der man dahin schweben kann. In meiner Wahrnehmung ist der Duft leicht und hell, dabei trotzdem sehr kuschelig.
Vom seltsamen Auftakt darf man sich nicht täuschen lassen: eine ungewöhnlich heftige bitter-frische Note ganz zu Beginn verschwindet rasch und macht Platz für diesen sanften und weichen Leckerduft, den die Brecourts mal richtig gut hinbekommen haben.
So *lach* inzwischen hab ich AN gerochen und führ in heut zum Ganztagestest aus. Ein schöner Duft, den ich in Deinem Kommentar exakt wiederfinde! Übrigens kein "Bernstein",... klassischer Ambra/Amber, hier schön buttrig weiß-schokoladig interpretiert.