Wenn Clive Christian einen Jubiläumsduft lanciert und dieser als Mystery-Teasing vorab in meinem Email-Postfach landet, dann wird man ja als Nischen-Fan gewöhnlich schon hellhörig. Natürlich habe ich mich sehr gern für die Chance auf die kostenlosen Proben eingetragen und war sehr positiv überrascht, als gestern tatsächlich ein Umschlag aus UK bei mir im Briefkasten lag. Am Ende eines heißen Tages versprachen die Noten natürlich viel Frische und die für Nischendüfte ungewohnte Übersichtlichkeit der Akkorde lies mich auch gleich hoffen.
Ich nahm erstmal nur einen Sprüher, da ich bei abendlichen Dufttests häufiger bei EDPs und Extraits, bei dieser geringen Dosis, dann noch bis zum nächsten Morgen deutlich parfümiert war. Je nach Duft kann das schön, aber auch recht störend beim Schlafen sein. Clives neuste Kreation nahm ich seltsamer Weise kaum wahr. Also, heute morgen, mit der Androhung des heißesten Tages der Woche, deutlich häufiger die kleine Phiole bemüht.
In Zahlen: 6 Sprüher!
Der Duft startet mit dem zurückgenommenen Eindruck frischer Mandarinenschalen, Zitrisch, fast, wie hinter einem Schleier. Es ist also keine Frische-Invasion. wie bei Mandarino di Amalfi, sondern gewohntes, ruhiges Understatement. Schon hier klingen Akkorde blonden Holzes mit.
Nach gut einer Stunde kommt noch Petitgrain dazu und gibt allem einen noch weicheren Schliff. So bliebt der CC´s Jubiläumsduft über Stunden. Nach 8 ist bei mir, von dem ohnehin recht hautnahen Duft, jedoch kaum noch was wahrzunehmen.
Über den gesamten Duftverlauf - trotz benannter Dosierung - ist alles dermaßen hautnah, dass ich kurz mit dem Gedanken spiele, wesentlich mehr auftragen zu müssen.
Ich lasse es.
Es liegt auf der Hand, warum. In dieser Preisklasse, mit dem selbstinduzierten Epic-Anspruch, darf ich mehr erwarten. Der Duft ist beileibe nicht schlecht. Nein, er ist sogar wirklich schön. Fast klassisch. Bezüglich der Kreativität, diesen Duft in dieser Form zu lancieren, muss ich jedoch leider den Kopf schütteln. Blind hätte ich weder Clive noch Nische vermutet. Und schon gar nicht ein Extrait.
Denn gemessen an der Duftkonzentration erwarte ich mir eine wahrnehmbare Projektion.
Ich bin sehr gespannt, wie der Duft bei Euch im Test abschneidet.
Und irgendwie ist es auch beruhigend, einen Duft von der Merkliste zu bekommen. ;)
Ich muss Dir leider auf ganzer Linie beipflichten :-( und: Dein auf den Punkt treffender Kommentar ist 1:1 auch auf die Damenversion übertragbar. Hoffentlich beschreitet CC nicht denselben Holzweg wie Amouage...
Nach ein paar Jahren habe ich festgestellt: Es gibt a) Designerdüfte, b) middle-of-the-road für den großen Geldbeutel und c) Nische. Und CC gehört für mich seit knapp 2 Jahren überwiegend zur Kategorie b). Wenig Wagnis, wenig Natürlichkeit, viel Fluktuation, viele Rabattaktionen. Aus diesen vier Gründen verfolg ich diese Marke nicht mehr.