Courrèges' Empreinte war einer der ersten Düfte, die ich namentlich kannte. Dass dies so war, basiert auf dem wohl berühmtesten Coming of Age-Film meiner Generation: 'La Boum: die Superfete - Eltern unerwünscht', der die damals dreizehnjährige Sophie Marceau in ihrer ersten Rolle als Vic Beretton nicht nur in Frankreich zum Idol einer ganzen Generation machen sollte. Vieles, wenn nicht alles, was wir damals gut fanden an Frankreich, hatte seinen Ursprung in La Boum: hier wurde geküsst, und man tanzte Klammerblues. Bei Regen unter eine gemeinsame Jacke geduckt einem abfahrenden Bus hinterherzurennen schien plötzlich erstrebenswert - und selbst im Grunde blöde Namen wie 'Pénélope' und 'Samantha' (Vics beste Freundin und ihre kleine Schwester) klangen - französisch ausgesprochen: 'Peeneelopp' und 'Ssamonnta' - irgendwie ganz cool. Ich kannte Mädchen damals, die einen Jungen genommen hätten, nur weil er Mathieu heißt.
Aber weil die Welt trotz alledem kein Kindergeburtstag ist, hat Vics Vater François eine Affaire mit der Parfumhändlerin Vanessa (die ihn zuhause im Bunnykostüm verführt - nicht alle Französinnen sind so, sollten wir später lernen), in deren Ladengeschäft seine Frau Françoise (!) sich nach dem Aufdecken dieser Affaire begibt und dort - ehe sie ein bisschen randaliert - einleitend fragt: 'Haben Sie Empreinte von Courrèges?' Was mir übrigens jahre-, ach was: jahrzehntelang nie aufgefallen ist: als sie sich nach Empreinte erkundigt, hatte sie dessen (doch recht unverwechselbaren) Flakon eben vorher schon in der Hand - ganz offensichtlich war der Regisseur kein intimer Kenner von Parfum.
Vanessa beschreibt Empreinte als '...sozusagen glühende Romantik, von einer leicht exotisch gestimmten Duftnote durchsetzt - sehr erfrischend und sinnlich prickelnd zugleich...', eine Einschätzung, die ich zugegebenerweise nicht mit ihr teile. Der Duft galt zu seiner Zeit als überaus modern, und er hat - den zahlreichen Blüten und Früchten zu Trotz - eine recht herbe Strenge, die ihn in Kombination mit seiner kraftvollen Architektur nicht ganz unkompliziert macht. An einer selbstbewussten Frau ab Mitte dreißig finde ich ihn - bzw. seinen Relaunch zum 50jährigen Jubiläum des Hauses Courrèges - sehr schön und fast augenzwinkernd Old School.
Fazit: Richard Sanderson avancierte mit 'Reality', dessen Refrain ich im Titel zitiere, zu einem One Hit-Wonder der frühen 80er - genau wie später die Cook da Books mit 'Your eyes', dem Titelsong von 'La Boum II: die Fete geht weiter'. Vic hatte Mathieu da schon gegen Philippe eingetauscht (Pierre Cosso!) - und Courrèges' Empreinte spielte keine Rolle mehr, was fast ein bisschen schade ist, denn: ein seltener und feiner Duft ist das.
Grandiose (näherhin: glorieuse) Rezension.
Und wie seltsam, dass meine etwa zeitgleich aufflammende Frankophilie wohl ohne diesen wohl nie gesehenen Film aufkam (und meine Parfumophilie bisher ohne diesen Duft auskommen musste..).
Haha, dieses Detail mit dem Flakon liess mich auch stutzen, aber ich mutmaßte, dass der Regisseur die betrogene Francoise extra zur Hochform boshafter Scheinheiligkeit auflaufen liess, um Vanessa noch mehr zu reizen ^^ Wie auch immer - Film Kult, Duft bis heute nicht meins :-)
Und wie seltsam, dass meine etwa zeitgleich aufflammende Frankophilie wohl ohne diesen wohl nie gesehenen Film aufkam (und meine Parfumophilie bisher ohne diesen Duft auskommen musste..).