Duftkunst - oder wie man sie im Laufe des Älterwerdens erkennt
Vorwort: Zu diesem Kunstwerk wollte ich schon eine Weile eine längere Ausführung verfassen, hatte jedoch auf die richtige Inspiration gewartet. Nun war es soweit.
Erster Teil: Fahrenheit - was für ein erinnerungswürdiger Auftakt eines Duftes!
Zurück ans Ende der Achtziger oder zum Beginn der Neunziger, irgendwann in diesem für mich bedeutsamen Jugendzeitfenster trete ich das erste Mal in Kontakt zum Fahrenheit Eau de Toilette Denn meine allerliebste Tante hatte nicht nur selbst ein Faible für Düfte, sie gab ihre Leidenschaft dafür auch gern an mich in Form meines ersten eigenen Duftes als Geschenk weiter.
Ich bin damals gleich von diesem einzigartig benzinig-ledrigen Auftaktgeruch eingefangen worden, denn auch heute ist meine Begeisterung für diesen Duft trotz diverser anderer Dufteindrücke sowie anderer Duft-Lieblinge erhalten geblieben.
Aber ich hatte auch immer „nur“ diesen bemerkenswerten Beginn im Kopf, ohne geahnt zu haben, dass da noch mehr zu entdecken war.
Zweiter Teil: Fahrenheit - was für ein grandioser Ausklang!
Die Jugendzeit längst hinter mir, beschäftigen mich Düfte heute ganz anders und ich nehme sie auch auf einer anderen Ebene wahr. Das ist mir spätestens heute bewusst geworden, denn nach knapp acht Stunden, in denen ich mir immer mal wieder am Handgelenk die Erinnerung an die Achtziger/Neunziger zurückholen wollte, passierte mir mit dem Fahrenheit Eau de Toilette Merkwürdiges:
Zunächst war ich skeptisch, ob der neue Batch lange aushalten würde. Ja, der Auftakt ist so ziemlich das, was mich immer schon begeistert hatte und er stimmt stark mit dem des The Man Cobalt überein, der ja als ehrwürdige Reminiszenz und vor allem preisgünstige Alternative gilt.
Nach vier bis fünf Stunden dachte ich schon, es wäre vorbei mit der Duftreise zurück in vergangene Jahrzehnte, aber nein, der Fahrenheit Eau de Toilette wehrte sich und blieb weitere vier Stunden wahrnehmbar, nur änderte sich seine Duftentwicklung für mich. Und diese Veränderung hatte mein jugendliches Ich überhaupt nicht wahrnehmen wollen oder können.
Mein erwachsenes Ich muss also feststellen, dass der Fahrenheit Eau de Toilette mit einem Ausklang endet, den es bisher nie wahrgenommen hatte und der mich ebenso begeistert wie der Auftakt, weil ich erkennen durfte, welche Kunst darin liegt, einen Duft mit einem denkwürdigen Benzin-Auftakt über einen ledrig-blumigen Mittelteil durch ein weich-süßlich-cremiges Ende ausklingen zu lassen - feine Duftkunst eben!
Schlusswort: Man nennt diese Düfte wohl Klassiker, wenn sie es über Jahrzehnte schaffen, sich treu zu bleiben, ihre Anhänger bei sich zu behalten und ihnen zudem immer wieder Neues zum Entdecken hinterlassen.
Nachwort: Der aktuell erhältliche Batch des Fahrenheit Eau de Toilette gibt mir jedenfalls die Erinnerungen an das „alte“ Fahrenheit zurück - ob es damals wirklich länger gehalten hat, kann ich rückblickend nicht mehr erinnern, aber 8-10 Stunden heute sind auch völlig in Ordnung. Und der The Man Cobalt steht dem sechsfach teureren Original in nichts nach - kann ich bedenkenlos als Ersatz/Alternative empfehlen.
Ja, den habe ich Ende der 80er/Anfang der 90er ebenfalls geliebt (in der ursprünglichen blau-rot-sandfarbenen Verpackung). Dann haben sie leider "irgendwas" daran verändert. Vielleicht sollte ich ihn nochmals ausprobieren... Ich weiß nicht warum, aber dieser Duft repräsentiert für mich (wie auch das ursprüngliche Lagerfeld "Photo") zu 100% Paris im Herbst an einem klaren, sonnigen Tag. Falls Du es noch nicht kennst (und es noch günstiger magst;-)): probiere doch mal "Malizia Uomo Silver beim italienischen Supermarkt um die Ecke. Den finde ich eigentlich auch ganz gut gelungen.
Probier den aktuell Erhältlichen mal aus, ich empfinde ihn als gut reformuliert.
Deinen Tipp habe ich mir in die Merkliste gepackt und teste ihn bei Gelegenheit, danke.
The man Cobalt ist schon ganz gut, aber die Feinheiten und Qualität des Originals kann er nicht ersetzen. Ich hatte auch geglaubt, mit dem Cobalt das Auslangen finden zu können, aber ein genauerer Vergleich lehrte mich ein Besseres und so musste das Original wieder einzeihen. Ich empfehle die Ergänzung mit dem Fahrenheit Parfum. Anders, aber doch mit der gleichen DNA.
Danke für die Anregung, ich habe einen Dupe von Paris Corner zum Fahrenheit Parfüm und hatte ihn vor Kurzem mit dem Original aus einer Parfümerie oberflächlich verglichen.
Roch sehr ähnlich im Auftakt, den längeren Duftverlauf habe ich aber nicht mehr weiterverfolgt. Aber ja, das Parfüm ist eine feine Ergänzung, muss das noch öfter auftragen.
Deinen Tipp habe ich mir in die Merkliste gepackt und teste ihn bei Gelegenheit, danke.
Roch sehr ähnlich im Auftakt, den längeren Duftverlauf habe ich aber nicht mehr weiterverfolgt. Aber ja, das Parfüm ist eine feine Ergänzung, muss das noch öfter auftragen.