In der Heimat, in der Ferne Jene schmalen, engen Gassen Seine Hände halten nicht mehr Vor lauter Pein und Schmerzen All seine Worte, war'n wie Gedichte Vom Kopf bis zu den Zehen Mein tapferer Held, mein Löwe Liegt hier begraben
Heute bin ich sehr traurig Nicht blüh'n soll'n die Rosen Man überbringt mir die Nachricht Von meinem toten Helden Aus Eisen ist seine Matratze Auf der Liege aus Steinen Mein tapferer Held, mein Löwe Liegt hier begraben
Weder hat er einen betrogen Noch ermordet hat er jemanden Wie eBrot, so sauber Wie Wasser, so klar Ohne dass es jemand hörte War er der Strafe erlegen Mein tapferer Held, mein Löwe Liegt hier begraben
Bedri Rahmi Eyüboglu.
Dies ist ein Auszug aus einem der bekanntesten türkischen Gedichte. Ich habe bei der Übersetzung versucht, den Inhalt so gut als möglich wiederzugeben. Das die Schönheit der Poesie bei Übersetzungen immer leidet dürfte klar sein. Viele fragen sich jetzt: "Was haben diese Zeilen mit Fendi Uomo zu tun?" Verständlich. Das will ich in den folgenden Zeilen versuchen zu beantworten.
Vor einigen Jahren schrieb ich hier einen Kommentar zu Tom Ford For Men. Damals erwähnte ich, dass ich nach Fendi Uomo endlich wieder einen Duft gefunden habe, der zu meinen italienischen Wollpulli's passt. Zum einen straften mich die Jahre Lügen. Denn ein wirklich guter Ersatz zu Fendi Uomo war TF nie. Zum anderen ging der Rest von meinem Uomo Flakon irgendwann zur Neige. Dann dachte ich an all die anderen in der Zeit herausgekommenen Düfte und sagte mir: "Ich kann auch ohne Fendi leben." Ich irrte mich. Immer wenn ich den leeren Fendi Flakon sah packte mich die Sehnsucht und die Erinnerungen, die damit zusammenhingen. Ich war z.B. irgendwie happy, als ich in einem Hollywood-Krimi den Flakon von Fendi erkannte. Ein Cop schleicht sich in die Villa eines Mafiabosses. Sieht auf einer Kommode Fendi Uomo. Wird neugierig und schüttet sich etwas davon auf und sagt sowas wie: "Wenigstens hat der Typ Geschmack." Operation Schleichwerbung war gelungen und ich als Pate-Fan war hoch erfreut. Zurück zu meinem leeren Fendi Flakon. Oder auch nicht; denn der Flakon war nicht mehr da. Panik. Meine Frau hatte aus freien Stücken mir "Den Gefallen" getan, und meine Sammlung von leeren Flakons befreit :-( . Die Folge war, dass ich mehr denn je Fendi vermisste. Also stellte ich eBay auf den Kopf und wurde in Houston fündig. Ersteigerte zum Spottpreis Fendi Uomo in OVP. Das lange Warten begann.
Dann die Katastrophe :.-( Meine Frau weckt mich auf und sagt mit zittriger Stimme: "Schatz, steh' auf. Wir müssen Nachrichten schau'n. Schlimme Botschaft aus der Heimat... Ach ja, dein Paket aus Amerika ist da." Nach meinem ersten Blick auf die Mattscheibe mochte ich das Paket nicht öffnen. Meine Pietät war zu groß. Denn in den Nachrichten sah ich Bilder die mich sofort an das obige Gedicht erinnerten. Männer, die aus den kleinen Gassen des Bergwerks in Soma herausgetragen werden. Schwer verletzt von Kopf bis zu den offenliegenden Zehen. Einige werden nie wieder ein Werkzeug in den Händen halten können. Man kann ihre Schmerzen spüren. Einige liegen tot auf steinernen Liegen. Die Bilder waren grausam und ich mochte gar nicht weiterschauen. Ich liess meinen Blick schweifen und sah das Paket aus Amerika. Auf der Kommode. Wie in dem Hollywood-Krimi von damals. Ich mochte das Paket nicht öffnen und dachte nur: "Nein, so sehr ich jenen Duft auch liebe,
Heute sollen die Rosen nicht blühen Denn dort in der Heimat liegen Tapfere Helden begraben
Mittlerweile sind seit jenem Unglück von Soma einige Tage vergangen. Das Paket ist geöffnet und meine schlimmsten Befürchtungen haben sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. Als da wären: Der Duft ist kein Fake. Der Flakon ist echt und sehr gut erhalten. Vor allem aber erinnert mich der Duft nicht an die grausaman Bilder aus dem TV. Nein, etwas tolles passiert, wenn ich den Duft jetzt auflege. Ich denke an Helden, an tapfere Helden. Und neue Helden kann ein Land immer gut gebrauchen.
Nach diesen Ausführungen zu einer Wiedervereinigung der besonderen Art nun zum eigentlichen Thema: "FENDI UOMO" Ich begegnete diesem Duft vor ca. 22 Jahren. In der Parfumerie schnupperte ich an zwei Parfums und die Verkäuferin fragte, welches mir eher zusagt. Ich sagte: "Keines." Dabei fiel mein Blick auf einen gelben Plastik-Flakon im Regal. Ich fragte, welches Parfum das ist. Die Verkäuferin lächelte und sagte, dass dies ein Deo-Stick ist. Von Fendi. Peinlich, dachte ich. Aber die Verkäuferin hatte schon den Tester geholt und sprühte den Duft auf eine Karte. Ich war sofort fasziniert. Ich musste herzhaft lächeln und sagte, dass es so schön in der Nase kitzelt. Die Verkäuferin meinte, dass Pelze dass schon mal an sich haben. Fendi wäre ja schließlich für Pelzmoden berühmt. Mir war das egal. Mich erinnerte es an etwas anderes, ich wusste nur nicht was. Ich kaufte diesen Deo-Stick sofort. Den ganzen Sommer benutzte ich es bevor ich im Herbst begriff, woran mich dieser Duft tatsächlich erinnert. Es waren die dicken, flauschigen Wollpullover, die ich nun mal gern trage. Dann musste mindestens ein Eau De Toilette her. Gedacht, gekauft. Danach immer mal aufgestockt. Bis zuletzt eben nur noch Restposten zu astronomischen Preisen im Internet herumgeisterten. Den Rest kennt ihr schon.
Das mit dem Kitzeln in der Nase hatte ich ja bereits angesprochen. Da kann man bei der Beschreibung des Duftes eigentlich anfangen, zumal es die Kopfnote darstellt. Dieses Kitzeln, denke ich, wird durch ein Zusammenspiel von Angelika mit Zitrus und Lavendel erreicht. Danach entwickelt sich dieser Duft zu einem berauschenden und voluminösen Chypre. An der Duftpyramide oben kann man schon die Vielfältigkeit herauslesen. Krautige, würzige, blumige (ja sogar schwer blütige) Anteile finden sich im Herzen genauso, wie ledrige, holzige, süsse und animalische Noten im Hintergrund. Mein Gesamteindruck ist: ein seltener, besonders erdiger Chypre. Diese besondere Erdnote könnte von Angelika kommen. Sie zieht sich durch alle Ebenen der Komposition. Je nach Herkunft und verwendetem Pflanzenteil kann Angelika nämlich lieblich grüne, krautige bis hin zu schwer modrigen Nuancen aufweisen. Des weiteren vermisse ich in dieser Duftpyramide die Tuberose. Das ist aber nicht verwunderlich; denn man wird kaum eine offizielle Duftbeschreibung für einen Herrenduft finden, wo Tuberose auftaucht. Das war quasi Die Damennote schlechthin. Es gehörte sich eben nicht. Das hat sich erst in den letzten Jahren geändert. Dabei hat die Parfum-Industrie Tuberose schon immer bei Herrendüften hoch geschätzt. Sie ist sehr komplex (eine der komplexesten Duftrohstoffe) und hat sehr viele Facetten. Fruchtig, exotisch, holzig, würzig, blütig, schwülstig, krautig sind nur einige bekannte Facetten der Tuberose. Ja, Sie hat sogar einen gewissen Kokos-Einschlag. Das erklärt womöglich, warum hier Kokosnuss in der Pyramide auftaucht; denn Massoia oder Cocos-Aldehyd kann ich hier beim besten Willen nicht ausmachen. Auch nach 22 Jahren nicht. Wie auch immer. So genau werden wir das sicher nie herausfinden. Das ist gar nicht entscheidend, denke ich. Am Ende ist es doch wieder unsere Nase, die da sagt:
"Ob oder nicht, ganz egal. Befehl an Hand - Geldbörse zücken - Must have"
Und diese Nase wiederum ist auf wundersame Weise gekoppelt an ein bestimmtes Areal in unserem Gehirn. Dort werden aus den Düften, die wir einatmen, FILME hergestellt. Filme, die alle Hollywood-Streifen in den Schatten stellen: "Erinnerungen"
Was für ein ergreifender Kommentar, der über Gedicht, Politik und Persönlichem einen so weiten Bogen spannt und zurückkommt zu dem, was das Herz berührt! Vielen Dank dafür. Ich kenne Deinen Fendi-Duft nicht und bedauere, dass es zu spät ist....
Ja, die Bilder aus Soma haben mich auch berührt.Während der kleine Mann stirbt und seine Kinder nie mehr in die Arme nehmen kann, drückt sich die sogenannte "Teppichetage" vor der Verantwortung, wie immer und überall. Schöner Kommi. Ich liebte Fendi.
Du hast die Sprache der Seele in Worte gefasst, so erscheint es mir. Das fließt gut beim Lesen. Und eine sehr eindrückliche Duftbeschreibung ... Authentizitäts-Pokal.