Dopaminparfüm oder Marketing-Gag? So riecht Most Masculine für mich.
Dass unser Deckelsprüher, Flakonablecker und Lieblingschrist mal wieder alles versucht, um zu polarisieren, beweist er eindrucksvoll mit seinem neuen Release: Most Masculine.
Für satte 559 € wandern 100 ml dieses sogenannten „Dopaminsaftes“ über die Ladentheke.
Der Flakon ist – wie schon bei Black Tie – in mattem Schwarz gehalten. Der Sprühkopf ist solide, aber weiterhin ohne Hülse, und der Deckel ist selbst für Drogeriedüfte ein Armutszeugnis.
Doch kommen wir zum wichtigsten Punkt: Wie riecht die pure Männlichkeit eigentlich?
Dufteindruck:
Vorab: Wer schon immer wissen wollte, wie Dopamin riecht, wird hier enttäuscht. Der Duft lässt sich allerdings eindeutig in die Kategorie der orientalischen Düfte einordnen und überrascht mit einem voluminösen Auftakt, der im Vergleich zu seinen Vorgängern sogar fast „natürlich“ wirkt.
Die Kopfnote startet mit einer kräftigen Ladung Kümmel und Anis. Für ungeübte Nasen oder diejenigen, die solche Düfte nicht mögen, kann das anfangs etwas überwältigend sein. Doch schon nach wenigen Momenten gesellen sich weitere orientalische Noten hinzu (ich vermute): Muskatnuss, Guajakholz, Myrrhe und Benzoe.
Bevor der Duft zu dicht oder gar schweißig wird, tritt eine überraschend leichte Süße in den Vordergrund. Woher genau diese Süße stammt, ist schwer einzuschätzen. Sie erinnert ein wenig an einen spritzigen Rum- oder Tabak-Mix – fast wie der Duft von Dr. Pepper.
Eine große Entwicklung durchläuft der Duft danach nicht mehr. Die würzigen Noten werden mit der Zeit etwas sanfter, wobei Kümmel und Anis am längsten präsent bleiben. Sie verbinden sich mit den süßlichen Noten, sodass der Duft im Drydown würzig, süß und leicht schwitzig ausklingt.
Ein direkter Vergleich ist schwierig, da der Duft recht eigenständig ist. Wenn man dennoch eine Referenz nennen müsste, könnte man sagen, dass Most Masculine eine Mischung aus Dubai - Majalis und einem ordentlichen Spritzer Enigma Parfum Cologne ist. Allerdings bringt Most Masculine mehr Anis, Gewürznelke und Kümmel im Auftakt mit, und die Süße wirkt – wie der gesamte Duft – stellenweise etwas unstimmig und leicht synthetisch.
Haltbarkeit:
Hier wurde zumindest ein Fehler der Vergangenheit vermieden: Die nuklearen Chemiker der JPG-Düfte scheinen dieses Mal nicht beteiligt gewesen zu sein. Dadurch bleibt uns die kopfschmerzerregende, penetrante Date for Men-DNA erspart.
Die Haltbarkeit und Sillage sind insgesamt solide und leicht überdurchschnittlich. Auf meiner Haut projizierte der Duft etwa 4 Stunden lang gut, bevor er nach 6-7 Stunden nur noch schwach wahrnehmbar war. Auf Kleidung hält er länger, verliert aber an Charakter, da der Duft meiner Meinung nach die Interaktion mit der Haut zu brauchen scheint. Für einen normalen Tag reicht die Haltbarkeit aus, wobei die erste halbe Stunde durch die intensiv ausstrahlenden Kopfnoten besonders auffällt.
Konzept hinter Most Masculine:
Hätte sich Jeremy in den letzten Monaten sympathischer verkauft und nicht wie ein exhibitionistischer Ministrant auf Koks präsentiert, hätte dieser Duft durchaus das Potenzial gehabt, mehr Aufmerksamkeit zu erregen – und zwar im positiven Sinne.
Stellt euch einen hochwertigen orientalischen Flakon vor, eine edle Verpackung, einen eleganten Namen wie Oriental Dream und ein stilvolles Werbevideo in einer Wüstenlandschaft. Dazu ein Preis unter 300 €, und der Duft hätte vielleicht wirklich eine Chance gehabt, ernst genommen zu werden. Aber wie wir wissen, verkauft sich der Duft auch so wie geschnitten Brot – egal, wie kontrovers die Präsentation und die Person dahinter sind.
Fazit:
Grundsätzlich ist der Duft keineswegs so schlecht, wie die teils vernichtenden Bewertungen vermuten lassen. Wer orientalische und würzige Kreationen mag, wird hier durchaus auf seine Kosten kommen.
Doch die olfaktorische Qualität ist nur ein Teil der Geschichte. Der billige Deckel, der überzogene Preis und vor allem das Verhalten von Jeremy Fragrance stoßen vielen sauer auf.
Aufmachung, Präsentation und Name? Ein völliges Missverständnis. Der Duft selbst? Für Liebhaber von orientalischen Düften durchaus interessant – aber sicher nicht für 559 €.
Danke für die Bewertung. Es ist ein sehr typischer orientalischer Duft für Männer, die Kombination aus Iris, Zeder, Kiefer, Geranienblättern, Salbei und Elemi-Harz. Was du wahrnimmst und was nicht in frgrtc aufgeführt ist, könnte wahrscheinlich Ambrette (auch als Moschusmalve bekannt) sein, es ist ein veganer Hirschmoschus.
Red Berries, Patchouli, Iris, Sweet Orange, Cedarwood, Geranium, Lemon, Elemi, Pine, Clary Sage