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Acqua di Giò Profumo (Parfum) von Giorgio Armani

Acqua di Giò Profumo 2015 Parfum

Jazzbob
19.12.2017 - 13:54 Uhr
19
Top Rezension
9.5Duft 8Haltbarkeit 7Sillage 8Flakon

Spannender Kontrast

Aquatische Parfums kommen hier bei Parfumo nicht so gut weg. Viele – besonders diejenigen, die teure Nischendüfte besitzen – scheinen das Konzept derselben kategorisch abzulehnen. Auch ich habe deutlich andere Vorlieben und kann verstehen, dass man bestimmte Duftrichtungen als unangenehm empfindet. So geht es mir mit den meisten Gourmands – sie sind einfach zu süß und nach Essen will ich genauso wenig riechen. Bei Aquaten wird vor allem deren offensichtliche Synthetik kritisiert, die häufig auf den gleichen, wenigen Duftstoffen basiert und mit einer ordinären 'Duschgelfrische' einhergeht, welche (zurecht) als weniger elegant und chic wahrgenommen wird. Doch letztendlich ist es mir lieber, jemand riecht frisch geduscht als etwa nach dem Analsekret eines exotischen Pelztieres. Und ferner gibt es hin und wieder Lichtblicke in diesem spätestens seit den 90ern überstrapazierten Genre.

Acqua di Giò Profumo ist für mich einer der wenigen gelungenen Kreationen im Mainstream-Herren-Bereich der letzten Jahre. Ja, auch er wirkt recht synthetisch. Besonders im Auftakt wird diese kräftige Aquatik von einer leicht sauren, aber nicht wirklich zitrischen Note begleitet. Es dauert jedoch nicht lange und der Duft entwickelt sich in einer harmonischere Richtung: Eine kräuterartige Würze kann ich ebenso erkennen wie die beiden Basis-Noten, wenngleich diese nur dezent eingesetzt werden. Gerade der Weihrauch kommt dabei sehr authentisch rüber und in dieser ungewöhnlichen Kombination zwischen der Frische und der harzig-rauchigen, dunkleren Seite offenbart sich ein spannender Kontrast, den man so in keinem typisch aquatischen Duft findet.

Armani hat hier durchaus nischige Akzente zur bekannten Meeresfrische-Nachahmung hinzugefügt. Somit ist Acqua di Giò Profumo ganzjährig und fast überall tragbar – nur zum Anzug / zu gehobenen Anlässen würde ich ihn deplatziert finden. Ein weiteres Plus ist seine exzellente Haltbarkeit und die besonders in den ersten zwei bis drei Stunden kräftige Projektion, die danach immer noch respektabel ist. Auf diesen Aquaten muss ich wirklich Lust haben, aber wenn ich ihn trage, kommt er fast immer gut an.
2 Antworten
JazzbobJazzbob vor 8 Jahren
Ja, diese Algen-Düfte finde ich auch unangenehm! Interessant finde ich das Thema Salz in Düften. Dominique Ropion meinte in einem Interview bei Fragrantica mal, dass man Salz eigentlich nicht riechen kann, womit er nicht Unrecht hat.
RobGordonRobGordon vor 8 Jahren
Ich finde du hast vollkommen recht mit deiner Einschätzung. Nur wenn man bereits bewiesen bekommen hat, wie man einen Aquaten ohne diese typische chemische Aura baut, dann misst man alles was danach kommt an ihm. Will auch keine Kompromisse mehr eingehen. Am maritimen Konzept scheitert aus Meiner Sicht auch die Nische mit ihren Algen-Salz Eindrücken. Für mich keine Ideologiefrage. Dieser Duft wäre aus meiner Sicht dennoch ohne den AdG Stempel wesentlich besser.