Gutteridge Gutteridge 2013
11
Sehr hilfreiche Rezension
Unbekannte(re) Düfte Teil 1: Ein Alltags-Aventus aus Italien
Es scheint hier der Klassiker zu sein: Ein Parfumo beziehungsweise eine Parfuma flaniert durch eine italienische Stadt, die Sonne scheint, die Laune befindet sich im Urlaubsmodus – und da! Ein Geruch, eine Duftfährte! Witterung aufgenommen! Die feine Spürnase führt ihn oder sie durch die Straßen, den staubigen Sommer, an Eisdielen vorbei und architektonischen Zeugnissen vergangener Zeiten, hin zu einem … Kleidungsgeschäft mit Namen Gutteridge. Nicht sehr italienisch klingend, doch „dal 1878“.
Zugegeben, ich hatte von dieser Marke noch nie gehört, als ich letzten Sommer Urlaub in Mailand und Bergamo machte. Das war noch lange vor Corona. Ein feiner, bekannter Duft strömte aus dem wohlklimatisierten Geschäft in der Via Dante. Das ist doch Aven…! Fast hätte ich in der Fußgängerzone jenen mystisch eingefärbten Namen laut ausgesprochen, der unweigerlich die Wächter der Batchcodes aus ihrem niemals tiefen Schlaf erweckt und die als Erzengel ihrem Herrn in celestialen Höhen zur Seite stehen wie Michael mit seiner Gefolgschaft in der Offenbarung des Johannes.
Neugierig betrat ich das Geschäft, testete den frühen Ableger (2013) des wohl wellenschlagendsten Nischendufts der jüngeren Vergangenheit. Aus Respekt vor dem Original, das ich wirklich schätze, sei betont, dass dem Träger hier kein revolutionärer, einzigartiger Twist präsentiert wird. Denn Gutteridge (Black), so der Name des Nachkömmlings, versucht seine Familienähnlichkeit gar nicht zu verstecken und dürfte wohl dem Kalkül entsprungen sein, auf den Zug des Erfolgs aufzuspringen. Welch ein Glück für alle Duftsüchtigen!
Für mich ist er ein tragbarer(er) Aventus, weicher, cremiger, zurückgenommener, bürotauglicher. Keine Fruchtexplosion, kein brennender Birkenwald, keine olfaktorische Lautstärke. Weniger Missa solemnis denn Sonntagsmesse - Alltag im Reich der Duftliturgie. Meine 30ml-Abfüllung des Originals will einfach nicht leer werden, obgleich ich ihn ab und zu gerne trage. Das Original ist mir oft zu laut, zu viel, zu extrovertiert. Mir fehlen Understatement und Bescheidenheit, auch wenn ich jeden verstehe, der das anders sieht oder genau das Fehlen eben jener Eigenschaften an Aventus so schätzt. Die Geschmäcker und „Einsatzgebiete“ sind ja schließlich verschieden. Ich kann mir - für mich - das Orignal aber nicht gut auf einer Taufe, im Krankenhaus, bei einem Einkauf im Discounter oder Besuch der Oma bei Kaffee und Kuchen vorstellen, diesen italienischen Ableger jedoch sehr wohl.
Mit dem Gutteridge habe ich für mich nun einen „A-Duft“ gefunden, der unkomplizierter ist. Weniger „Rasierwasser“, mehr weiche Basis, etwas stumpfer und weniger komplex. Deutlich weniger Rauchigkeit. Ein Duft, der immer noch markant ist, sich zum Hemd tragen lässt wie zum T-Shirt und dabei nie „Hier! Ich! Schaut alle her! Hier bin ICH!“ schreit. Weniger Acrylfarben, mehr Aquarell. Mich nervt an diesem Duft nichts, mir ist nichts zu viel. Das finde ich für diese Duftrichtung schon ziemlich beeindruckend.
Der Flakon ist massiv und schwer, die Kappe hat einen unfreiwilligen Sturz aus eineinhalb Metern Höhe fast ohne Kratzer weggesteckt, allein sie sitzt nicht sehr fest auf dem Rumpf. Der Sprayer ist ein echtes Highlight – noch kein Dior- oder LV-Niveau, aber schon gute Qualität. Haltbarkeit und Sillage sind für einen Herrenduft völlig durchschnittlich, was ich persönlich gut finde. Lange Zeit gab es diesen Duft wohl nur in Bella Italia oder über Zwischenhändler, die ihn zu übertriebenen Preisen „weiterreichten“. Inzwischen gibt es ihn online auch für den, ich glaube kostenfreien, internationalen Versand. Vor Ort lag er zumindest im letzten Sommer bei unter 30,- für 100 ml. Sehr fair.
Zugegeben, ich hatte von dieser Marke noch nie gehört, als ich letzten Sommer Urlaub in Mailand und Bergamo machte. Das war noch lange vor Corona. Ein feiner, bekannter Duft strömte aus dem wohlklimatisierten Geschäft in der Via Dante. Das ist doch Aven…! Fast hätte ich in der Fußgängerzone jenen mystisch eingefärbten Namen laut ausgesprochen, der unweigerlich die Wächter der Batchcodes aus ihrem niemals tiefen Schlaf erweckt und die als Erzengel ihrem Herrn in celestialen Höhen zur Seite stehen wie Michael mit seiner Gefolgschaft in der Offenbarung des Johannes.
Neugierig betrat ich das Geschäft, testete den frühen Ableger (2013) des wohl wellenschlagendsten Nischendufts der jüngeren Vergangenheit. Aus Respekt vor dem Original, das ich wirklich schätze, sei betont, dass dem Träger hier kein revolutionärer, einzigartiger Twist präsentiert wird. Denn Gutteridge (Black), so der Name des Nachkömmlings, versucht seine Familienähnlichkeit gar nicht zu verstecken und dürfte wohl dem Kalkül entsprungen sein, auf den Zug des Erfolgs aufzuspringen. Welch ein Glück für alle Duftsüchtigen!
Für mich ist er ein tragbarer(er) Aventus, weicher, cremiger, zurückgenommener, bürotauglicher. Keine Fruchtexplosion, kein brennender Birkenwald, keine olfaktorische Lautstärke. Weniger Missa solemnis denn Sonntagsmesse - Alltag im Reich der Duftliturgie. Meine 30ml-Abfüllung des Originals will einfach nicht leer werden, obgleich ich ihn ab und zu gerne trage. Das Original ist mir oft zu laut, zu viel, zu extrovertiert. Mir fehlen Understatement und Bescheidenheit, auch wenn ich jeden verstehe, der das anders sieht oder genau das Fehlen eben jener Eigenschaften an Aventus so schätzt. Die Geschmäcker und „Einsatzgebiete“ sind ja schließlich verschieden. Ich kann mir - für mich - das Orignal aber nicht gut auf einer Taufe, im Krankenhaus, bei einem Einkauf im Discounter oder Besuch der Oma bei Kaffee und Kuchen vorstellen, diesen italienischen Ableger jedoch sehr wohl.
Mit dem Gutteridge habe ich für mich nun einen „A-Duft“ gefunden, der unkomplizierter ist. Weniger „Rasierwasser“, mehr weiche Basis, etwas stumpfer und weniger komplex. Deutlich weniger Rauchigkeit. Ein Duft, der immer noch markant ist, sich zum Hemd tragen lässt wie zum T-Shirt und dabei nie „Hier! Ich! Schaut alle her! Hier bin ICH!“ schreit. Weniger Acrylfarben, mehr Aquarell. Mich nervt an diesem Duft nichts, mir ist nichts zu viel. Das finde ich für diese Duftrichtung schon ziemlich beeindruckend.
Der Flakon ist massiv und schwer, die Kappe hat einen unfreiwilligen Sturz aus eineinhalb Metern Höhe fast ohne Kratzer weggesteckt, allein sie sitzt nicht sehr fest auf dem Rumpf. Der Sprayer ist ein echtes Highlight – noch kein Dior- oder LV-Niveau, aber schon gute Qualität. Haltbarkeit und Sillage sind für einen Herrenduft völlig durchschnittlich, was ich persönlich gut finde. Lange Zeit gab es diesen Duft wohl nur in Bella Italia oder über Zwischenhändler, die ihn zu übertriebenen Preisen „weiterreichten“. Inzwischen gibt es ihn online auch für den, ich glaube kostenfreien, internationalen Versand. Vor Ort lag er zumindest im letzten Sommer bei unter 30,- für 100 ml. Sehr fair.
2 Antworten
Kieran vor 5 Jahren
Klingt sehr Spannend. Ich freue mich schon auf die weiteren Teile der Serie ;)
Pollita vor 5 Jahren
Das hört sich jetzt aber in der Tat sehr gut an, denn genau diese Eigenschaft, dieses bewusst Prollige, das kann am Aventus eben schon etwas nerven. Merke ich mir mal. Italienische Düfte haben bei mir sowieso gute Karten.

