Dank einer mir inzwischen sehr lieb gewordenen Spenderin (an dieser Stelle nochmals ganz lieben Dank!) bin ich an eine Probe von Vanille Galante gekommen.
Da mein Hermessence-Start mit Vétiver Tonka äußerst gelungen war, hatte ich auch keinerlei Befürchtungen bei Vanille Galante.
Also musste mein in letzter Zeit arg strapazierter Handrücken wieder Mal dran glauben. Fix ein paar wenige Tropfen darauf gegeben und dann passierte etwas, was mir in der Form wirklich nicht jeden Tag bei Düften passiert: Meine persönliche Zeitmaschine startete und ich sah mich unvermittelt in der großen und behaglichen Wohnküche meiner Großmutter sitzen. Meine Oma war eine typische Oma, eher klein und gedrungen, immer mit einem Dutt, aber immer voller Herzenswärme. Auf dem Herd wurde Milch in einem Topf erhitzt, um Vanille-Pudding zu kochen. Der Raum war erfüllt mit dem Duft sich erwärmender Milch. Meine Oma saß bei mir am Tisch und bearbeite Vanille-Schoten, deren Inhalt sie dann im Pudding weiter verarbeitete. Bei der finalen Zubereitung des Puddings roch es dann einmalig lecker nach Vanille (unnötig zu erwähnen, dass ich den Holzlöffel abschlecken durfte). Seit dieser Zeit gehört Vanille-Pudding zu meinen Lieblings-Nachtischen und der Geruch hat sich offensichtlich fest in meinem Hirn verankert.
Ich muss mich kurz schütteln, um wieder in's Hier und Jetzt zu kommen. Was war das? Ich habe keine Ahnung. Dieser Duft hat mir bewiesen, dass Düfte enorme Dinge in einem auslösen / wieder wachrufen können.
Nun aber zum Duft selbst: Einen großartigen Duftverlauf kann ich nicht erkennen, die Vanille ist von Anfang an voll da und bleibt es eigentlich auch. Alle anderen Komponenten blitzen von Zeit zu Zeit durch, aber wahrscheinlich nur, um die Vanille daran zu hindern, klebrig süß und schwülstig zu werden. Guter Job, den die Nebendarsteller da leisten! Die Lilie sticht noch am ehesten heraus, allerdings mag ich Lilien und der Duft stört mich überhaupt nicht, zumal hier sehr dezent. Nach ca. 2 Stunden klingt das Vanillige ab und es verbleibt ein ganz warmer, kuschelweicher Duft. Wenn eine Wolldecke im Winter so riechen würde, würde ich mich flugs darin einkuscheln!
Ich finde den Duft sehr gelungen, würde ihn aber wahrscheinlich nicht benutzen, da vielleicht doch einen Tacken zu feminin. Ich werde das aber auf jeden Fall an einem klirrend kalten Wintertag mal ausprobieren, denn meiner Meinung nach ist VG ein 100%iger Winterduft. Ich bin sehr gespannt!
Ich werde mir jedenfalls ein paar Tröpfchen aufbewahren und sei es am Ende auch nur aus dem Grund, dass dadurch sentimentale Erinnerungen an eine wohlbehütete und von Liebe getragene Kindheit wach bleiben (oder wieder werden).
Leider sticht bei mir die Lilie richtig fies durch (wie so viele Blümchen) und verleidet mir das ganze auf Dauer...