
Florblanca
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Florblanca
Hilfreiche Rezension
9
Ein Gruß aus der Vergangenheit
Als ich 1971 meine Ausbildung zur Bürokauffrau beendet hatte, habe ich recht häufig meine Arbeitsstelle und damit meine Arbeitgeber gewechselt. Das war Anfang der 70er Jahre zum Glück noch sehr einfach. Damals standen einem Bewerber in etwa 50 - 60 Angebote gegenüber - heute ist es genau umgekehrt. Ich blieb dann häufig nur zwei oder drei Monate, um dann wieder bei einem anderen Unternehmen anzufangen. Ich tat dies nicht, um mein Gehalt zu steigern - dies war nur eine - zugegebenermaßen angenehme - Begleiterscheinung. Nein, ich suchte nach dem Job, der mir wirklich Spaß bringt, mich ausfüllt, bei dem ich mich und meine Fertigkeiten einbringen konnte.
Eines dieser Drei-Monats-Unternehmen war "Mouson". Der Sitz des Unternehmens war in Frankfurt Bornheim, einem der alten und noch heute sehr traditionellen Frankfurter Stadtteile. Trotz der kurzen Zeit habe ich die Seifen von Mouson sehr geliebt, meine Mutter dagegen schwörte auf die Mouson Creme.
Das durch August Friedrich Mouson - einem Seifensieder Wandergesellen - bereits 1798 durch Übernahme der Seifensiederei Held und Weiterführung unter eigenem Namen gegründete Unternehmen konnte im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts ansehnliche Erfolge vorweisen. Insbesondere im Bereich der Parfümerie - hier kamen in den 30er Jahren zwei Parfums auf den Markt (Maroquin und Gamic) die durchaus mit hochwertigen französischen Parfums konkurrieren konnten. Der wohl bekannteste Mouson Duft war "Mouson Lavendel mit der Postkutsche", das bekannteste und erfolgreichste Kosmetikprodukt die "Mouson Creme".
1948 wurde das 150jährige Bestehen gefeiert, das Unternehmen erreichte den höchsten Markanteil 1965 mit ca. 1100 Mitarbeitern und exportierte in 80 Länder. In den späten 60er Jahren wurde jedoch die - in- und ausländische - Konkurrenz immer größer und stärker, und so konnte Mouson - trotz Umstrukturierung und Reduzierung der Produktpalette 1968 von 200 auf 130 Produkte nicht weiter bestehen und wurde 1972 an Quandt, später an die Cassella AG verkauft. Der Verkauf war im Grunde auch das Ende von Mouson, obwohl das Unternehmen unter dem Namen Mouson noch bis 1978 bestand.
Von der Seifen- und Parfümfabrik in Bornheim steht heute nur noch der 33 m hohe Turm, erbaut bis 1926, der Mousonturm. Er galt als das erste Hochhaus Frankfurts. Heute ist es ein Kulturzentrum geworden und ein beliebter und bekannter Veranstaltungsort in Frankfurt für Theater-, Literatur-, Tanz- und Musikveranstaltungen, bildende Kunst etc. Auf dem übrigen ehemaligen Mouson Gelände steht heute ein Seniorenwohnheim.
Aufgrund der recht kurzen, beruflichen Episode, habe ich mich mit Mouson die ganzen Jahre nicht mehr beschäftigt - bis jetzt, als ich meine Rosenduft-Sammlung um einen kleinen Flakon der "Rose Palestro" von Mouson ergänzen konnte.
Der Duft entspricht 100%ig seiner Zeit. Rosendüfte durften damals duften, wie ein großer Strauß Freilandrosen kurz vor dem Verblühen. Da ist bereits die leichte Muffigkeit verblühender Blumen zu vernehmen, die schwere Süße nahender Verwesung. Die Rose Palestro - wie viele Rosendüfte dieser Zeit - wirkt dadurch etwas altbacken, altjüngferlich. Es ist ein Soliflor ohne großen Verlauf, hält aber extrem lange und hat eine recht deutliche, aber körpernahe Sillage.
Bedauerlicherweise haben die meisten Rosendüfte aus vergangenen Tagen diese Eigenschaft, und sind dadurch recht fantasielos in ihrer Komposition. Hier schneiden diverse neue bzw. neuere Rosendüfte aus unseren Tagen sehr viel besser ab.
Dennoch sind diese alten Rosendüfte in ihrer einfachen Komposition eine schöne Erinnerung an längst vergangene Tage, an Fräuleins in duftigen Kleidern mit Krinolinen und Schleifchen über und über, Sonnenhütchen und Spitzen-Sonnenschirm.
So werde ich auch Rose Palestro als eine schöne Erinnerung in meiner Rosenduft-Sammlung aufbewahren und ab und zu in Erinnerungen schwelgen.
Eines dieser Drei-Monats-Unternehmen war "Mouson". Der Sitz des Unternehmens war in Frankfurt Bornheim, einem der alten und noch heute sehr traditionellen Frankfurter Stadtteile. Trotz der kurzen Zeit habe ich die Seifen von Mouson sehr geliebt, meine Mutter dagegen schwörte auf die Mouson Creme.
Das durch August Friedrich Mouson - einem Seifensieder Wandergesellen - bereits 1798 durch Übernahme der Seifensiederei Held und Weiterführung unter eigenem Namen gegründete Unternehmen konnte im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts ansehnliche Erfolge vorweisen. Insbesondere im Bereich der Parfümerie - hier kamen in den 30er Jahren zwei Parfums auf den Markt (Maroquin und Gamic) die durchaus mit hochwertigen französischen Parfums konkurrieren konnten. Der wohl bekannteste Mouson Duft war "Mouson Lavendel mit der Postkutsche", das bekannteste und erfolgreichste Kosmetikprodukt die "Mouson Creme".
1948 wurde das 150jährige Bestehen gefeiert, das Unternehmen erreichte den höchsten Markanteil 1965 mit ca. 1100 Mitarbeitern und exportierte in 80 Länder. In den späten 60er Jahren wurde jedoch die - in- und ausländische - Konkurrenz immer größer und stärker, und so konnte Mouson - trotz Umstrukturierung und Reduzierung der Produktpalette 1968 von 200 auf 130 Produkte nicht weiter bestehen und wurde 1972 an Quandt, später an die Cassella AG verkauft. Der Verkauf war im Grunde auch das Ende von Mouson, obwohl das Unternehmen unter dem Namen Mouson noch bis 1978 bestand.
Von der Seifen- und Parfümfabrik in Bornheim steht heute nur noch der 33 m hohe Turm, erbaut bis 1926, der Mousonturm. Er galt als das erste Hochhaus Frankfurts. Heute ist es ein Kulturzentrum geworden und ein beliebter und bekannter Veranstaltungsort in Frankfurt für Theater-, Literatur-, Tanz- und Musikveranstaltungen, bildende Kunst etc. Auf dem übrigen ehemaligen Mouson Gelände steht heute ein Seniorenwohnheim.
Aufgrund der recht kurzen, beruflichen Episode, habe ich mich mit Mouson die ganzen Jahre nicht mehr beschäftigt - bis jetzt, als ich meine Rosenduft-Sammlung um einen kleinen Flakon der "Rose Palestro" von Mouson ergänzen konnte.
Der Duft entspricht 100%ig seiner Zeit. Rosendüfte durften damals duften, wie ein großer Strauß Freilandrosen kurz vor dem Verblühen. Da ist bereits die leichte Muffigkeit verblühender Blumen zu vernehmen, die schwere Süße nahender Verwesung. Die Rose Palestro - wie viele Rosendüfte dieser Zeit - wirkt dadurch etwas altbacken, altjüngferlich. Es ist ein Soliflor ohne großen Verlauf, hält aber extrem lange und hat eine recht deutliche, aber körpernahe Sillage.
Bedauerlicherweise haben die meisten Rosendüfte aus vergangenen Tagen diese Eigenschaft, und sind dadurch recht fantasielos in ihrer Komposition. Hier schneiden diverse neue bzw. neuere Rosendüfte aus unseren Tagen sehr viel besser ab.
Dennoch sind diese alten Rosendüfte in ihrer einfachen Komposition eine schöne Erinnerung an längst vergangene Tage, an Fräuleins in duftigen Kleidern mit Krinolinen und Schleifchen über und über, Sonnenhütchen und Spitzen-Sonnenschirm.
So werde ich auch Rose Palestro als eine schöne Erinnerung in meiner Rosenduft-Sammlung aufbewahren und ab und zu in Erinnerungen schwelgen.
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