Ich besitze ein Paar hochhackige kniehohe schwarze Stiefel mit auslaufendem Spitz, zu 100 Prozent aus Kunststoff von der Marke „Möchtegern-Flittchen träumt von der Party ihres Lebens“. Der Witz ist, dass die tausendmal tragbarer sind als meine um zwei bis drei Zentimeter weniger steilen handgefertigten Echt-Leder Pumps. Ähnlich geht es mir mit Midnight Oud. Midnight Oud fällt bei mir durch, aber ehrlich gesagt nur um auf der anderen Seite meines Horizonts wie eine durchgeknallte Sonne wieder aufzusteigen; metallisch, strahlend, in einem Dunst aus morgendlichem Haarspray, was kratzt mich das? Nichts kratzt mich das, der Duft ist zwar harsch aber perfekt ausgefeilt. Das sorgfältig darin verpackte pappensüsse Röslein ist ein ausgekochter Techno Freak, was seine Süsse für mich erträglich, um nicht zu sagen, attraktiv macht. Das Oud oder was auch immer zeichne ich für die Assoziation von Desinfektionsmittel verantwortlich, welche, wenn auch in abgeschwächter Form, bis zum Schluss auf meiner Haut verbleibt. Und mir als erfrischend und auf schon beinahe hinterhältige Weise authentisch einfährt, bei warmem Wetter sowieso. Meine Umgebung nimmt den Duft wahr und findet ihn sexy. Mir ist damit pudelwohl und ich finde sowohl den blendenden Flakon als auch das augenwischende Firmenlabel lustig, lassen wir ihn also hoch leben.
Gesang und Abgesang in einem, ganz groß. Hab keine Ahnung, wieviel der Duft davon wirklich verdient hat. Doch das Lied kriegt auf jeden Fall zwölf Punkte.