Im nahegelegenen Bonaduzer-Wald dunkelt es langsam stetig ein. Die Mystik verzaubert auf Anhieb, zieht einen in seinen Bann, als würde man in eine surreale Welt abtauchen. Der dichtbesiedelte Nadelwald versprüht wohlige Wärme und gleichzeitige Abenteuerlust. Mein Border Collie Nuri liebt die Streifzüge durch Moos und Gehölz, wo Urgeschrei wie Echos durch die bedrohliche Eindämmerung hallen. Stünde mir Adonis Nuri nicht zur Seite, würde mich kurzerhand ein Unbehagen ereilen, doch seine Männlichkeit und Unerschrockenheit schenken mir wohltuende Sicherheit. Eine vollends erkaltete Feuerstelle taucht im Nirgendwo auf und eine eifrige, beinahe verzweifelte Jagd nach trockenen Hölzern beginnt. Moosige Nässe und harzige Rauschschwaden haschen wie Verheißungen durch die kalten Lüfte. Meine Räucherkiste und deren Weihrauchschätze wurden jüngst Opfer eines hausgemachten Raubüberfalls, dessen Entwendungen ich nun in die noch sanft lodernde Pracht gleiten lasse. Stärker werdende Flammen züngeln voller Anmut um die Wette, Weihrauch-Schwaden entfliehen in die Tiefen der Nacht. Ein Vanille-Punsch schenkt uns eine intrinsische Wärme, die wir so dringend brauchen, während wir schweigend in die orangefarbenen Flammen starren. Es gibt kein Morgen. Nur Hier und Jetzt.
Siehst du nicht auch die von Nebelschwaden verwunschenen Pfade, deren Leichtigkeit uns ins lodernde Nirgendwo führt? Fühlst du nicht auch die zunehmende Einsamkeit letzterer Lenzen in den beinahe im Keim erstickten Flammen? Siehst du nicht auch die Wehmut unseren erkalteten Herzen, wie sie sich verzehren nach der stillen Zweisamkeit? Spürst du nicht auch die Reue all jener nichtgesagten Worte als Keil unseres jüngsten Versagens? Nicht gesagte, sanfte und liebevolle Worte, Gesten der Verzeihung, der Vergebung, die alles zu heilen in der Lage (gewesen) wären?
Wo, wenn nicht hier,
wann, wenn nicht jetzt,
wer, wenn nicht wir?
Ich bin. Im Hier und Jetzt. Ich liebe Dich. Jetzt und immer.
Je t'aimais, je t'aime et je t'aimerai (Francis Cabrel)