Chypre d'Orient von Molinard

Chypre d'Orient 2007

Minigolf
10.12.2015 - 13:42 Uhr
11
Hilfreiche Rezension
9Duft 7.5Haltbarkeit 7.5Sillage 7.5Flakon

Die Tiefe eines Spätherbsttages rührt an der Seele

Morgens ein samten aussehender Nebel rein vom Anblick her samten, wenn du vor dem Fenster stehst und rausschaust. Der Tag ist noch nicht hell und nicht mehr dunkel. Wenn du hinausgehst und den Nebel spürst, wirst Du erfahren, dass das Samtene kühl und feucht ist. Mitunter so kalt wie winzige Kristalle, die auf die Haut treffen. Du sehnst die Wärme der Sonnenstrahlen herbei. Lichtbringend und Seelenlabsal. Gleichzeitig lockt der Nebel Geheimnisse, die in Dir wohnen, an die Oberfläche. Sehnsucht, ein Hauch von Melancholie, verborgene Gedanken. Wenn sich der Nebel lichtet und der Sonne eine Chance gibt, genießt du den Augenblick. Der lange Schatten werfende Nachmittag. Der Nachmittag, der mit dem Licht in den Abend übergeht. Halb fünf, gefühlte halb neun. Der Sonnenuntergang ist türkis und magenta bis hin zu purpur. Der Mond geht auf, Die Sterne kommen zum Vorschein. Eine helle, kalte Nachthälfte, die nach Mitternacht wieder samten kristallkalten Nebel produziert. Die Häuser und das Feld und der Waldrand eingebettet in feinste Tröpfchen. Was hat das nun mit Chypre d'Orient zu tun? Der Duft hat etwas von so einem Tag. Die grüne Kühle des Galbanums, gepaart mit der Wärme des Nerolis und die feinen "Eisnadeln" der Iris, die schon durchschimmern, Die Ahnung von Jasmin lässt den Sonnenschein durchschimmern, die Rose und der Osmanthus hält ihn bis zum "Abend" aufrecht. Schlussletztendlich bricht die Nacht mit purpurfarbenem Patschuli, dunklem Moos und warmem Amber herein ,wie wenn du im warmen Zimmer am Fenster stehst und zum Horizont hin siehst. Diese "Nacht kann lang werden, um als nebliger Morgen mit Aussicht auf Sonne wiederaufzuerstehen. Dieser "Chypre d' Orient" erinnert einerseits irgendwie an "Mitsouko" von Guerlain, im nächsten Moment meine ich, einen leisen Hauch von Jean Coutouriers "Coreandre" zu erhaschen, warum auch immer. Aber beide Dufteindrücke sind nicht von Dauer, denn Chypre d'Orient hat seine nur ihm eigene Note. Aber leise und heimlich kommen andere Gerüche ins Spiel, subtile Nebel der Erinnerung an etwas nicht ganz fassbares Anderes. Wie ein Lufthauch oder ein Sonnenstrahl, der durch den Nebel geht und den Erdboden erreicht.
1 Antwort
CatwomanCatwoman vor 10 Jahren
Dein feiner, poetischer Kommentar ist überzeugend, der Duft interessiert mich schon lang. Pokal