Wer sich mit viel Zeit auf dem Hügel Palatin, hoch über der Stadt Rom und zwischen den vielen Ruinen des Forum Romanum herumtrieb, sich dabei Zeit ließ und dabei alle Sinne aktiviert hat, der erkennt viele der in der Pyramide genannten Duftnoten wieder.
Dort traf ich sie damals alle.
Bäume, Pflanzen, Blumen, Moose, Harze und Kleingetier: Alles hat sich in dieser Komposition von Bertrand Duchaufour für die Marke MDCI zu einem prachtvollen Chypreduft verwoben.
Schon der Auftakt ist herrlich krautig-würzig und auch harzig-rauchig: Lavendel, Zistrosen und ab und zu eine blühende Hyazinthe, harmonieren mit dem ersten Räucherwerk/Galbanum, während sonnenreife Mandarinen erstaunlich gut zum bisschen strengen, durch Zerreiben aufgeweckten Thymianaroma passen.
Es dominieren die Farben Dunkelgrün und Braun, durchsetzt von rosa-lila Lichtpunkten.
Mutter Natur als Künstlerin lässt grüßen.
Ein wenig kultivierter geht es im blumigen Herzen zu:
Reife, saftige Pflaumen, scheinbar noch sonnenwarm, teilen sich den Platz mit den klassischen Blüten der Chypredüfte: Rosen, Jasmin und Iris erfreuen und das edle Aroma von Gardenien setzt einen vorläufigen Höhepunkt!
Das vorherige Duftbild wird durch diese erheblich heller, erinnert an Licht- und Schatten, die krautige Würze passt sich dem Blütenzauber an.
Schön ist das und doch nicht zu zart, sondern eher immer noch ein wenig rustikal.
Dazu passt eine gute Dosis Eichenmoos ganz ausgezeichnet. Was wäre ein guter Chypreduft, ohne dessen kraftvolle Würze?
Immortellen, auch die italienischen Strohblumen genannt, harmonieren In dieser Kreation ausgezeichnet mit dem blumigen Herzen; deren Aroma wurde gekonnt und nicht zu heftig herangeführt.
Warme Vanille, auf Leder lagernd, mit einer Dosis Bibergeil – die Erotik meldet sich sinnlich animalisch und doch zeigt sich „Chypre Palatin“ bereits jetzt auch balsamisch, bevor ein Schleier aus harzigem Rauch sich über diese Komposition legt und sie reich abschließt.
Ein Duft für einen Herrscher?
Hier wurde gekonnt mit Duftnoten und den durch sie geweckten Sinnen gespielt; das gefällt mir sehr!
Es zeigt sich, dass ein Chypre eben doch nicht immer nur ein üblicher Chypre sein muss, sondern auch wunderbare Facetten bergen kann, ohne sich selbst untreu zu werden.
Dies ist sehr hohe Parfümeurskunst und so trägt sich diese Kreation auch:
Sie nimmt uns bei der Hand und führt uns durch ihre unterschiedlichen Entwicklungsstufen, ohne zu anstrengend zu werden oder etwa zu auf die Dauer zu langweilen.
Das ist wohl auch der langen Haltbarkeit zu verdanken, die Zeit für all die notwendigen Duftentwicklungen und -entdeckungen schenkt, bei denen sich wohl hin und wieder noch ein duftendes Mosaiksteinchen verschiebt.
Dieser „Palatin“ lässt uns seine Macht nicht spüren, er sorgt, wie Roms grüner Hügel, für ein besonderes Erlebnis, diesmal im Duft!
Übrigens unterschreibe ich die Einordnung als Herrenduft gar nicht; „Chypre Palatin“ ist ein reicher, ein wenig dunkler Duft, der sich auch Frauenhaut und -haar wunderbar anpasst.
Ein bisschen Herrscher, ein bisschen Chamäleon, aber immer ein Chypre: Ist das nicht interessant?