Chypre Palatin 2012

Chypre Palatin von Parfums MDCI
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8.3 / 10 592 Bewertungen
Ein beliebtes Parfum von Parfums MDCI für Herren, erschienen im Jahr 2012. Der Duft ist chypreartig-würzig. Die Haltbarkeit ist überdurchschnittlich. Es wird noch produziert.
Aussprache
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Duftrichtung

Chypre
Würzig
Blumig
Orientalisch
Animalisch

Duftpyramide

Kopfnote Kopfnote
GalbanumGalbanum HyazintheHyazinthe MandarineMandarine ZistroseZistrose LavendelLavendel ThymianThymian
Herznote Herznote
PflaumePflaume RoseRose GardenieGardenie IrisIris JasminJasmin
Basisnote Basisnote
BenzoeBenzoe StyraxStyrax TolubalsamTolubalsam EichenmoosEichenmoos ImmortelleImmortelle LederLeder Vanille AbsolueVanille Absolue BibergeilBibergeil

Parfümeur

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Duft
8.3592 Bewertungen
Haltbarkeit
8.5485 Bewertungen
Sillage
7.5489 Bewertungen
Flakon
8.4433 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
7.0185 Bewertungen
Eingetragen von Kankuro, letzte Aktualisierung am 12.05.2024.

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Rezensionen

23 ausführliche Duftbeschreibungen
7.5
Flakon
7.5
Sillage
10
Haltbarkeit
10
Duft
Profumo

284 Rezensionen
Profumo
Profumo
Top Rezension 69  
Zum Niederknien!
Selten geschieht es, dass mich ein Duft derart begeistert, aber vor ‚Chypre Palatin’ möchte ich beinahe niederknien - was für ein Duft!
Ein volles, sattes Chypre, modern einerseits - ein typischer Duchaufour, mit all seiner Raffinesse, seiner fein gewebten, dennoch robusten Textur - aber andererseits mit der Grandeur alter Chypre-Legenden ausgestattet, die augenblicklich an ‚Mitsouko’, an ‚Diorama’ oder ‚Azurée’ denken lassen.

Und das heute!
Wer hätte gedacht, dass in unserer Zeit noch einmal ein solches Chypre das Licht der Welt erblickt – in einer Zeit, da einer regulierungswütigen IFRA zufolge schon der Untergang des Chypre-Duftes ausgerufen wurde, zu sehr ging es ans Eingemachte, ans Essentielle, an das Herz des Genres, genannt ‚Evernia Prunastri’ bzw. ‚Evernia Furfuracea’, Eichen- bzw. Baummoos. Bekanntlich wurde es auf eine Weise inkriminiert, dass an einen Fortbestand des Chypres im klassischen Sinne nicht mehr zu denken war. Viele Parfumeure versuchten in der Folge dieses für viele als Königsklasse geltendes Genre neu zu definieren. Düfte wie ‚31-Rue Cambon’ oder ‚Timbuktu’ entstanden, Eichenmoos-lose Chypre, die zwar die Grenzen dieser Gattung etwas weiteten, für mich persönlich aber – so gut sie sind ¬ nie wirkliche Chypre-Düfte wurden.
Nicht so ‚Chypre Palatin’. Dieser Duft wartet mit einer Neuigkeit auf, und die heißt: ‚Oakmoss extract – low atranol’, einem Eichenmoos-Substitut der französischen Firma ‚Biolandes’, das – wie das Unternehmen betont – mit den Vorgaben der IFRA nicht nur absolut vereinbar ist, sondern darüber hinaus auch noch zu 100% natürlich.
So ‚chyprig’ wie der neue Duft von MDCI riecht, kann Betrand Duchaufour mit diesem Ersatzstoff nicht gegeizt haben!

Doch zum Duft selbst: ‚Chypre Palatin’ ist, wie gesagt, ein sattes Chypre mit allen Insignien der ganz Großen seiner Zunft – frisch und herb-fruchtig beginnend, mit grünen und würzigen Akzenten, einem üppig aufblühendem Herzen und einer warmen, holzig-bitter-moosigen Basis, angereichert mit dunklen orientalischen Tönen und feinen animalischen Beiklängen. Die Vielzahl der Noten – der Duft ist erkenn- bzw. erriechbar üppig ausgestattet und reich orchestriert – ist perfekt verblendet, sodass es schwerfällt einzelne isoliert betrachten zu wollen. Dennoch sind es einige, die diesen Duft für mich im besonderen Maß charakterisieren: Mandarine (bzw. Clementine) und Thymian zu Beginn, gefolgt von Rose und pudriger Iris, rauchigem Styrax und feiner Vanille, weichem Leder und einem ordentlichen Schuss Bibergeil. Alles durchdringend: der celloartige Moll-Ton des Chypre-Duos Labdanum (Zistrose) und Eichenmoos. Sie alle erzeugen zunächst eine pudrig-seifige Aura, die unter Zuhilfenahme einer dezenten Prise Lavendel entfernt an uralte Fougères à la ‚Zizanie’ oder ‚Mouchoir de Monsieur’ erinnert, sich aber zusehends in eine Velours-artige, weich-ledrige verwandelt.
Die Entwicklung verläuft gemächlich und nach ca. drei Stunden hat der Duft seine vollen Basis-Noten entfaltet, die wiederum Stunde um Stunde nicht aufhören wollen ihre warmen und dunklen Wogen auszusenden. Dabei ist der Duft in keiner Sekunde flach und eindimensional, sondern entfaltet jederzeit ein angenehmes Volumen, offenbart Tiefe und entwickelt eine akzeptable Sillage. Man bedenke: dieser Duft ist dem Manne zugeeignet – was nicht bedeutet, dass er nicht ebenso gut und gewinnbringend von Frauen getragen werden kann – und eine überbordende, offensive, ja raumsprengende Abstrahlung, die manche der alten Chypres durchaus haben konnten, ist hier zum Glück nicht zu erleben. Dennoch, ‚Chypre Palatin’ entwickelt eine energische Präsenz und Ausdauer, die trotzdem nie laut oder übergriffig wird.

Warum eigentlich ‚Palatin’?
Hat nicht schon Guerlain vor einigen Jahren versucht einem Chypre-Duft mit römischer Namensgebung (Coriolan) imperiale Größe zu verleihen? Nun, geglückt ist es damals nicht wirklich – der Duft geriet zaghaft, spröde und blutarm. ‚Chypre Palatin’ ist dagegen das genaue Gegenteil: zwingend, energisch, kraftvoll, dabei überaus zivilisiert und auf diese Weise vielleicht wirklich ein olfaktorisches Abbild einer stark idealisierten Vergangenheit.
Aber greifen wir nicht mittlerweile gerne auf solche Bilder zurück?
Bietet womöglich die heutige Zeit nicht mehr genug Sehnsuchtspunkte à la ‚Timbuktu’ oder ‚Dzongkha’ – um bei weiteren Duchaufour-Kreationen zu bleiben – die sich in ein Parfum einfangen ließen, und liegt vielleicht deshalb der Blick in vermeintlich glorreiche, vergangene Tage nahe? Histoires de Parfums hat hier Exemplarisches geleistet und dahingegangenen Heroen posthum Duftdenkmäler errichtet: z. B. ‚1740 – Marquis de Sade’ oder ‚1725 - Casanova’. Aber auch Duchaufour selbst hat mit ‚1697’ für Frapin einen solchen, die Vergangenheit beschwörenden Duft geschaffen. Doch obwohl diese Düfte allesamt weit, weit zurükgreifen und zugleich die großen Werke der näheren Vergangenheit zitieren, sind sie dennoch unverkennbar zeitgenössische Kreationen – neoklassische gewissermaßen, mit einem kleinen Twist ins Moderne.

‚Chypre Palatin’ spielt nun wirklich virtuos mit diesen fast schon mehrfachen Rückgriffen: Roms Palatin zum einen, der Hügel auf dem einst Augustus’ gewaltiger Palast stand (symbolisch vielleicht durch eine zarte, leicht malzige Immortellen-Note im Fond vertreten), zum anderen die Heroen glorreicher Chypre-Tage, fruchtige wie ‚Mitsouko’, ‚Diorama’ oder ‚Le Parfum de Thérèse’, über grün-florale wie ‚Vent-Vert’, ‚Diorella, ‚Cristalle’ oder ‚Alliage’, bis hin zu orientalischen wie ‚Vol de Nuit’ oder ‚JHL’. Und schließlich klingen Bertrand Duchaufours vorangegangene Kreationen selbst erneut an: die schon erwähnte Immortellen-Note – Amouages ‚Jubilation XXV’ entlehnt, die Kombination von Trockenfrüchten und weichem Leder – direkt dem Herzen von ‚Traversée du Bosphore’ entnommen, der weiche, dunkle, fast bitter-schokoladige Fond – ein Wink in Richtung Frapins ‚1697’.
All diesen Rückgriffen zum Trotz, diesen Querverweisen, Zitaten und Huldigungen ist ‚Chypre Palatin’ – wie gesagt - kein altmodischer Duft, sondern ein durchaus moderner, einer, dem der Spagat zwischen Gestern und Heute auf beeindruckende Weise gelingt.

Dass dieser Duft mit seinem vollen Chypre-Sound ausnahmsweise mal dem männlichen Geschlecht gewidmet ist, empfinde ich im Übrigen als höchst erfreulich. Sicher, es gab und gibt zum Glück noch immer Chanels ‚Pour Monsieur’, ein vertiabler Chypre-Duft (nur leider im Cologne-Dress), aber im Großen und Ganzen sind die bedeutendsten Chypres der Vergangenheit mit all ihrer Opulenz, ihrem spannungsgeladenem Reichtum an bitteren und fruchtigen, an floralen und erdigen Nuancen doch allein der Damenwelt gewidmet, während die Herren jahrzehntelang mit zahllosen Fougère-Variationen bedacht (und vernachlässigt) wurden.

Männer (an Jungs kann ich ihn mir nicht denken), wenn ihr euch nicht traut ‚Mitsouko’ zu tragen, nehmt diesen Duft hier.
Ein bisschen teuer ist er, aber jeden einzelnen Cent wert!
Wer mag, kann sich den Flakon ja noch für ein paar hundert Euro mit einer hübschen Statuette krönen – mir genügt der Refill.
21 Antworten
2.5
Flakon
7.5
Sillage
10
Haltbarkeit
3
Duft
Apicius

1106 Rezensionen
Apicius
Apicius
Top Rezension 39  
Olfaktorische Schnitzelküche
Liebe Leute, ist das euer Ernst? Ihr habt diesen Betriebsunfall auf derzeit Platz 1 der Herrendüfte gewählt? Ist Euer Verlangen nach neuen Herrenchypres denn so groß, dass man Euch alles vorsetzen kann?

Chypre Palatin mag sich ja durch eine besondere Aromenvielfalt auszeichnen – genießen kann ich sie nicht. Das ist kein einfaches Chypre, sondern ein sogenanntes Oriental Chypre. Bei diesen Düften wird der dunkle Chypre-Akkord vor allem durch vanilleartige Noten ergänzt und modifiziert. Je nach Ausprägung können diese Chypres besonders opulent ausfallen, Vorsicht ist also geboten.

Und bei Chypre Palatin ist genau das der Fall: Der vanillige, orientalische Teil ist viel zu dick; am süßlichen, mandelpuddingartigen Eindruck dürften zudem die weißen Blüten wesentlichen Anteil haben, allen voran eine Gardenie. Viel hilft viel – das scheint das Motto bei der Konzeption gewesen zu sein. Das ist nicht mehr elegant, eventuelle weitere Nuancen werden einfach erschlagen. Chypre Palatin ist gerade so obszön wie zentimeterdick aufgetragenes Makeup. Ich hatte während des Testens mit einem leichten Würgereiz zu tun.

Wie so viele Chypre-Parfums wird auch Chypre Palatin mit zunehmender Tragedauer immer besser. Nach etwa drei bis vier Stunden hat sich die Chypre-Basis voll entfaltet und schlussendlich sogar die unsägliche Puddingnote hinter sich gelassen. Man mag eine solche sich steigernde Entwicklung als raffiniert inszenierten Spannungsbogen ansehen, vielleicht steckt aber auch nur das Unvermögen der Parfümeure dahinter, einer grandiosen Chypre-Basis gleichwertiges voranzustellen.

Ein guter Chypre-Akkord ist an sich schon opulent, der braucht keine Verstärkung. Im Gegenteil, ich persönlich warte darauf, dass es mal jemandem gelingt, diese altmodische Basis in einen schlanken, modern anmutenden Zusammenhang zu stellen. Mit Vanille und Gardenie rettet man Chypre nicht in die heutige Zeit.

Ausnahmsweise möchte ich Kritik an einem meiner Vorredner üben. Mir ist nicht verständlich, wie Profumo die von Jacques Polge nur leicht orientalisierte Variante Pour Monsieur Concentrée als Verschlimmbesserung des originalen Chanel Pour Monsieur ablehnen kann, dann aber die viel ausgeprägtere florientalische Opulenz des Chypre Palatin durchgehen lässt und den Duft so über die Maßen positiv beschreibt. Das hat dieses anstrengende Parfum nicht verdient.

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: meine Ablehnung richtet sich nur gegen Chypre Palatin, nicht gegen die Duftrichtung der Oriental Chypres als solche. Neben Chanels Pour Monsieur Concentrée wäre besonders das soeben wieder eingestellte Sagamore von Lancôme zu nennen. In beiden kann man bewundern, wie dezent eingesetzte orientalische Noten eine dunkle, chypreartige Basis aufhellen sowie weicher und zugänglicher erscheinen lassen.

Und auch weiße Blüten verbieten sich keinesfalls in einem Herrenchypre: Aquaba Man zeigt ihre leuchtende Pracht vor dunklem Hintergrund; die florale Opulenz dieses Duftes geht bis fast an jene Sperrlinie, die Chypre Palatin bedenkenlos niedertrampelt.

Chypre Palatin ist zugegebenermaßen ein spektakulärer Duft. Vanillige Opulenz zulasten der Eleganz scheint ja ein gewisser Trend in Herrendüften zu sein, man denke zum Beispiel an das kürzlich erschienene Eau Sauvage Parfum. Doch gerade solch laute Düfte darf man vor Erwerb ruhig darauf untersuchen, wie lange man es mit ihnen aushält.
20 Antworten
8
Sillage
9
Haltbarkeit
9
Duft
FvSpee

323 Rezensionen
FvSpee
FvSpee
Top Rezension 54  
Abschied von Bertrand
Meine mehr als halbjährige Abstinenz auf diesem Forum hatte eine ganze Reihe Gründe. Einer davon ist, dass ich momentan fast keine Düfte mehr teste. Ich befinde mich in einer Phase, in der ich die knapp 100 Düfte meiner Sammlung genieße und bei dieser Gelegenheit die Kollektion auch behutsam verkleinere, wenn ich merke, dass ich ein Parfum eigentlich kaum trage.

Eine solche Besinnungspause ist recht empfehlenswert (für die Parfümerien nicht so, für dieses Forum vielleicht auch nicht so), sie nimmt etwas Druck aus dem Kessel, erdet und schafft Klarheiten.

Bei mir ist eine solche neu gewonnene Klarheit, dass Duchaufour für mich ein Parfumeur ist, vor dem ich zwar als Künstler auf die Knie gehe (ich finde fast alle seine Düfte unglaublich faszinierend, einige halte ich für atemberaubende, geniale Duftkunstwerke, glatte "Zehner"), den ich aber nicht gerne trage. Wenn ich künftig daher noch mal beim Testen in ein rauschhaftes Fieber geraten sollte, das einen Besitzwunsch entstehen lässt: ich werde widerstehen oder mir allenfalls eine Abfüllung besorgen. Im sicheren Wissen, dass ich diese nicht mal zu Ende aufbrauchen, sondern am Ende vertauschen oder verschenken werde.

Tycoon, Trayee, Jubilation XXV Man sind Beispiele für Duchaufours, die mich erzittern lassen, die ich mir aber glücklicherweise nie gekauft habe. Timbuktu, Dzongka und Rappelle-Toi ebenfalls Faszinosa, die nichts für mich waren (zum Aufbrauchen meiner Abfüllung Rappelle-Toi habe ich mich gezwungen). Kyoto und Avignon habe ich zwar gekauft und benutze sie auch. Aber beide wirklich sehr selten.

Chypre Palatin gehört vollends in diese Reihe. Ich stand jahrelang im Bann dieses Dufts, schlich um ihn herum..., und nun verabschiede ich den Rest der Abfüllung in meine Tauschkiste. Es ist ein mächtiger, opulenter Duft am Rande des Genres Chypre, mit kaum etwas von dessen leichter, spielerisch-blumiger Seite, sehr preziös, sehr goldglänzend, sehr majestätisch. Eine Kollegin, die allerdings wenig Duftkenntnisse hat, fühlte sich an den klassischen "Opium" (Damenvariante) aus den 70-ern erinnert; das schien mir zuerst abwegig, aber beim näheren Nachdenken hat dieser Chypre etwas Schlaghosenorientalisches, und auch die Duftpyramiden weisen ein paar interessante Gemeinsamkeiten auf. Keine Frage, dass die Performanz dieses Dufts in Sachen Haltbarkeit und Projektion außerordentlich ist. An dieser Tafel wird in jeder Hinsicht geklotzt, nicht gekleckert, und wem diese Speise zu üppig ist (was nicht fernliegt), der wünscht sie sich irgendwann vom Tisch und muss doch immer weiter tafeln und pokulieren.

Der Name des Duftes scheint mir, hier mögen mich die Frankophonen belehren, mehrdeutig. "Palast-Chypre" heißt es wohl nicht, auch wenn man das als Französisch-Halbgebildeter wie ich intuitiv denkt, und auch wenn es zu diesem nachgerade barocken Chypre passt. Ich meine, es gibt drei Deutungsmöglichkeiten: "Palatin-Chypre" (nach dem Hügel in Rom), "Pfalz-Chypre" (kann sowohl auf die Herkunftsgegend des Saumagen bezogen sein, als auch ganz allgemein auf eine Kaiserpfalz) oder "Gaumen-Chypre", eine spannende Deutungsoption für diese durchaus auch ins Gourmandige sich räkelnde Tinktur.
68 Antworten
8
Sillage
10
Haltbarkeit
9
Duft
Marieposa

71 Rezensionen
Marieposa
Marieposa
Top Rezension 38  
Das Schloss des Chyprepaladin
Als ich das erste Mal zu dieser Stunde erwachte, glitzerte das Licht der Aldehydesterne noch nicht auf meinen Laken. Doch nun lasse ich die samtenen Moosvorhänge an meinem Bett offen, obwohl ich weiß, dass du meine Gemächer betrittst. Jede Nacht zur gleichen Stunde erwache ich traumschwer mit dem Duft der Blumen, die du auf die dunkelhölzerne Anrichte gestellt hast. Mal sind es Rosen, mal Lavendel oder auch Hyazinthen, die ich besonders schätze. Immer verwebt sich ihr Duft mit dem betörenden Jasmin, der vor dem Fenstern blüht, und in manchen Nächten sogar mit dem fleischigen Mandarinenmond.
Ich kann nur erraten, dass mir deine Augen folgen, genau wie die deiner Ahnen auf den Gemälden, wenn ich mit einer flackernden Kerze durch die dunklen Gänge deines Schlosses schreite, zaghaft Schritt um Schritt auf den weichen Bernsteinteppich setze, eine Hand über die goldverzierten Brokattapeten gleiten lasse.
War da eine Bewegung? Ein huschender Schatten in den blinden Spiegeln? Und dieser sanfte Hauch? Mal warm, mal kalt. Ist das nicht dein Kardamomatem? Doch alles, was ich sehe, sind zarte Weihrauchgespinste, wenn ich einen Blick über die Schulter werfe.
Im großen Saal fängt der leise klirrende Kristalllüster das Licht meiner Kerze auf und taucht den Raum in goldenes Schummerlicht. Geister drehen sich im Tanze auf Dunkelpatchparkett. Tabu wirbelt Mitsouko wild im Kreis, Shalimars schwarz-vanilliges Zitruslachen perlt durch den Raum, während mich Bal à Versaille in ihre warme Umarmung schließt. Mit schwingenden Hüften wiegen wir uns im Reigen, bis sich zarter Schweiß auf ihre Moschusbrüste legt. Mir schwindelt, doch Azurées Lederarm stützt mich. Oder warst das du? Entschwunden im Geistertanz, bevor ich einen Blick erhasche.
Mit einem scheuen Lächeln lehne ich das Glas Champagner ab, das Yvresse mir reichen will, und Vol de Nuit nimmt es ihr aus der Hand. Ich folge dem Gang zurück in meine Gemächer und sinke erschöpft in mein mossgrünes Bett. Nur die Bitterschokolade, die du heimlich auf mein Labdanumkissen gelegt haben musst, lasse ich noch auf der Zunge zergehen. Mit einer Erinnerung an warmen Lederduft in der Nase schlummere ich ein.
Wer weiß, vielleicht wirst du dich mir morgen zeigen.

**

Ah, dieser Duft hat also den Mehr-ist-Mehr-Neo-Vintage-Chypre erfunden!
Wenn ich Chypre Palatin aufsprühe, empfangen mich Hesperidensternchen, flankiert von Aldehyden auf einem weichen Moosteppich. Dazu nehme ich auch schnell eine deutliche Ledernote wahr, die mich an Cabochard und Azurée erinnert, bevor sich sukzessive florale Noten dazugesellen. Ein bekanntes Thema, wunderschön umgesetzt und ganz auf meiner Linie. Doch gerade als ich überlege, ob ich mir jetzt Azurée oder doch lieber Cabochard zum Vergleich schnappe, zieht mir der Duft den Teppich unter den Füßen weg – nicht den aus Moos, der bleibt den ganzen Verlauf über brav da, wo er hingehört. Ich weiß zwar nicht wie oder warum, aber plötzlich tritt die Ledernote zwischen balsamischen Harzen, noch mehr erstaunlich dunklen Zitrusnoten, Galbanum und noch mehr Blumen zurück. Gerade die Blumen spielen meiner Nase Streiche und rotieren so unberechenbar, dass ich anfange, mich zu fragen, ob ich nicht versehentlich zwei verschiedene Düfte aufgesprüht habe? Oder sogar noch mehr? Ungewöhnlich, aber gut. Ich warte gespannt, was Chypre Palatin wohl als Nächstes tun wird, doch das Dunkelblumenkarussell rotiert noch eine ganze Weile. Eine Stunde? Zwei? Länger? Keine Ahnung. Inzwischen habe ich schon dreimal nachgesprüht, weil ich dem Verschwinden der Ledernote auf den Grund gehen muss. Das Ergebnis bleibt immer gleich: Sie verschwindet klammheimlich und ich habe keine Ahnung wohin.
Der Duft scheint jedoch gerade erst dabei zu sein, seine Herznote zu enthüllen: Die Harze werden immer vanille-süßer, abgemildert durch köstliche Steinobstnoten. In der Pyramide steht etwas von Pflaume, doch ich bin mir sicher, dass hier auch Pfirsich und Aprikose einen Auftritt haben. Außerdem hat der Jasmin noch mal einen Zahn zugelegt, wird schwerer und indolischer, verbindet sich mit einer dezent schmuddeligen Moschusnote, bis ich fast schon ein leises Schnurren höre. Ab diesem Punkt flammt auch die Ledernote wieder auf – puh, ich bin erleichtert, dann habe ich den Verstand ja doch nicht verloren. Dieses Mal ist das Leder jedoch nicht allein. Es wird von Labdanum und Castoreum begleitet und von einer schokoladigen Patchoulinote – die es laut Pyramide übrigens nicht geben dürfte. Auf dem Weg zur Basis beruhigt sich das Duftnotenfeuerwerk. Die süßen, fast schon essbaren Aspekte treten in den Hintergrund, bis eine anschmiegsame Mischung aus Moos, ledrigem Labdanum und Patchouli übrig bleibt.

Was für ein großartiger, unglaublich vielschichtiger und komplexer Duft von einer fast vergessenen barocken Opulenz! Immer wenn ich denke, dass ich ihn verstanden habe, ändert er die Richtung. Ständig ruft er die Geister großer Klassiker an, ohne sie direkt zu zitieren. Viel mehr verwebt er vertraute Elemente so geschickt zu etwas Neuem, dass ich nicht mehr aus dem Staunen herauskomme. Vermutlich könnte ich noch ein Jahr lang täglich daran herumschnuppern und würde immer noch neue Aspekte entdecken. Schade eigentlich, dass ich die Reste in meinem Pröbchen schon auf der Jagd nach der Ledernote verpulvert habe – und ja, überdosieren sollte man Chypre Palatin lieber nicht. Ich spreche aus Erfahrung.
Bleibt nur noch eine Sache zu sagen: Herrenduft? Pfffff. Also bitte! Sonst noch Wünsche?!

Vielen Dank, liebe FrauKirsche. Du hast gleich gewusst, dass ich diesen Duft unbedingt kennenlernen muss - und selbstverständlich hattest du recht.
33 Antworten
10
Flakon
7.5
Sillage
10
Haltbarkeit
10
Duft
Leimbacher

2766 Rezensionen
Leimbacher
Leimbacher
Top Rezension 33  
Die orientalische Wiedergeburt des Chypres
Ich weiß noch ganz genau, als ich vor über 2 Jahren meine ersten klassischen Herrenchypres testete und diese total veraltet und nicht zeitgemäß fand, viel zu reif und bitter für mich. Das war also mein privater Grund diese klassische Gattung eher zu meiden oder zumindest rein zu wachsen. Habe ja sogar bis heute noch bei "Mag ich nicht so:" Chypres stehen. Man könnte aber nicht nur meinen ich hätte eine Zeit lang etwas gegen dieses Duftgenre gehabt, sondern auch die EU und internationalen "Parfumbehörden", denn mit dem Verbot bzw. extremen Einschränkung von Eichenmoos wurde dieser speziellen, klassikerreichen Spezies sozusagen der Todesstoß versetzt, das Wasser zum Leben entzogen.

Doch nun kam Chypre Palatin daher und obwohl er natürlich kein Chypre im klassischen Sinne ist, sondern mindestens ebenso orientalisch geprägt zu scheint, rettet er mit seiner Weltklasse-Vorstellung mal eben im Vorbeigehen den Begriff Chypre und sichert vielleicht dessen Überleben. Wenn auch wie gesagt in modernisierter Form und Vollendung.

Und noch viel wichtiger: es ist einfach ein verdammt luxuriös und wohlriechender Duft, absolut geschlechtsneutral. Seine orientalisch weich-weibliche Seite mit Vanille, Benzoe, Iris und balsamischen Blüten trifft auf eine raue, aber sonnige Chypre-Statur voller aldehydischer Zitrusnoten, westlich-trockenen Blumen und natürlich grün-moosigen Ausklängen. Toll das heutzutage solche Moosnoten im Labor entstehen können. Der Duft ist recht voluminös und schwer, wirklich eine äußerst gewiefte Mischung zweier ungleicher Richtungen. Orientalen liebe ich, an Chypres zweifelte ich, Chypre Palatin vergöttere ich. Ebenso wie Invasion Barbare auch absolut als Duft vorstellbar, der einen charakterisiert und signiert. Kaum ein von mir in letzter Zeit (oder auch überhaupt) getesteter Duft hatte diese Tiefe, diese Qualität, diesen Charakter. Mal ist er pochend-dick orientalisch für das Umfeld, dann wieder erdig-grün wenn man mit der Nase näher ran fährt. Da lohnt sich wirklich jeder Cent.

Flakon: selbst in einfahre Form mit das schickste auf dem Markt.
Sillage: nichts für Hochsommertage wie heute, dafür zu orientalisch schwermütig.
Haltbarkeit: 12 Stunden non-stop!

DER Chypre des neuen Jahrtausends und noch besser als Invasion Barbare!
6 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

127 kurze Meinungen zum Parfum
JonasP1JonasP1 vor 10 Monaten
9
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
8
Duft
Perlen Chypre-Harze
Pflaumen-schwer
Durch Orient-Balsame
Lederne Gewänder
Tanzen schemenhaft
Unter herber Frucht
Moos-weich
Blüten-getragen
41 Antworten
FoxearFoxear vor 3 Jahren
10
Flakon
8
Sillage
10
Haltbarkeit
9.5
Duft
Duftnotenexplosion; herb-süße Vanille, Leder und verruchte Tendenzen bestimmen nach dem diffusen Auftakt den weiteren Verlauf. Offenbarung.
27 Antworten
Danny264Danny264 vor 10 Monaten
10
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
8
Duft
Man stelle sich vor:
einen Klostein
nein nein, keinen normalen
einen edlen:
aus
Lavendel-Mandarine
pfläumiger Rose
und Eichenmoos-Leder
68 Antworten
Fresh21Fresh21 vor 3 Jahren
6
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
5.5
Duft
Uff! Ein zu dichter Mix zu vieler Noten nebst verzichtbar antiquierter Pudrigkeit wird nach Stunden balsamisch süß (juhu, hab's überlebt;)
28 Antworten
SalvaSalva vor 1 Jahr
9
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
10
Duft
Sensationell!
Meine Chypre&Orientherzen vereint
Grün-Würzig, Leicht Pflaumig
Floral, Warm-Balsamisch
Hier wird was geboten
Hammer-Duft!
35 Antworten
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