Ephelide
29.11.2020 - 11:23 Uhr
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Top Rezension
9Duft 9Haltbarkeit

Oah ja!

Der Winter stand vor der Tür, um nicht zu sagen schon halb in meiner Wohnung drin, mein Vorrat von Kilians „Intoxicated“ neigte sich dem Ende zu und eigentlich wollte ich lediglich eine weitere Abfüllung meines Lieblings-Kaffee-Kardamom-Duftes für die nächsten Monate haben – aber dann kam alles ganz anders und am Dienstag hielt ich, an dieser Stelle geht mein Dank an Kloop, eine DIN C6-Versandtasche mit zwei (!) statt einer Parfumprobe in der Hand. „Oajan, PdM, 8-19“ stand in kleinen Buchstaben auf dem handbeschriebenen Etikett des kleineren der beiden Zerstäuber. Parfums de Marly, aha, so, so, dann findet das Label ja auch einmal seinen Weg in meinen Duftschrank. Zielstrebig die Verschlusskappe abgemacht und geschnuppert: Honig, Zimt, … und irgendwie Pflaumen? Mit Schwips? I like. Besser mal die Verschlusskappe wieder draufmachen und die Duftpyramide recherchieren. Bei Parfumo, wo sonst. ;)

Da stehen keine Pflaumen drin, nirgends. Habe ich mich etwa getäuscht? Die Duftpyramide gefällt mir jedenfalls gut. Für heute trage ich noch kein Parfum auf meiner Haut und wenn nun doch schon Winter, die Duftpyramide nicht blümelig, nicht fruchtig ist und obendrein noch diesen leckeren Honig-Pflaumen-Zimt-Akkord, zu den Pflaumen kommen wir später, enthält – warum nicht? Also ab geht der Test.

Wir haben zunächst: Honig und Zimt, vielleicht noch ein Verbund von Aprikose und Marzipan weit im Hintergrund. Süß, leicht blumig, ganz dezent. Möglich, dass dies der Osmanthus ist. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, da mir hier der Vergleich zu anderen Osmanthus-Düften fehlt. Es riecht jedenfalls gut. Am Duft gefällt mir bis hierhin alles. Eher zeitnah nehme ich die beschwipste Pflaume – aka Davana – wahr. ALZD weiß diesbzgl. zu berichten, dass Davanaöl im Duft an Trockenpflaumen erinnere, bisweilen auch alkoholische Noten von Whiskey, Rum oder Cognac in sich trage. Da haben wir es ja. Doch nicht gerirrt und wieder etwas gelernt. Aus der Herznote vernehme ich im Weiteren zunächst eindeutig (Siam-)Benzoe, hernach Labdanum. Letzteres mag ich sehr gerne. Die Benzoe-Labdanum-Kombination funktionierte für mich schon bei MFKs Grand Soir sehr gut. Die Benzoe-Note nehme ich stärker als das Labdanum wahr. Hier wird der Duft allmählich balsamisch, ich assoziiere trockene Wärme (wie nackte Haut) und einen starken Arm, wobei ich es der Phantasie der Riechenden resp. hier Lesenden überlasse, ob dieser Arm an einem Männlein oder Weiblein hängt. Für mich war der Arm zunächst männlich. Das hat sich im Laufe der Tests an den darauffolgenden Tagen verändert, der Arm kann nun gleichermaßen beidem angehörig – äh, anhängig sein. Insofern ordne ich „Oajan“ (vorläufig) als Unisex-Duft ein. Der Auftakt der Basis wird deutlich von der Tonkabohne dominiert. Das kann man mögen. Mir persönlich ist dieser Teil der Duftentwicklung zu extrem. Besser wird es, sobald die Tonkabohne von Patchouli und anschließend Vanille eingehegt wird. Der Moschus arbeitet sich über die Zeit aus dem Hintergrund hervor und unterstreicht Vanille und Patchouli eher, als dass er lautstark in der Basis mitmischt. Die Basis hält sich dann recht lang. Meinem Eindruck nach verfliegt die Tonkabohne mit der Zeit, am Morgen danach rieche ich nur mehr blasse Eindrücke hauptsächlich von Moschus und Vanille, Patchouli spielt leise mit, an meinem Handgelenk. Angenehm, das.

Was bleibt zu sagen? Der Duft vereint in seiner Duftpyramide alles, was mir gefällt. „Oajan“ würde ich als intensiv mit Hang zur Schwere beschreiben, wobei Schwülstigkeit durch eine sparsame Dosierung entgegengewirkt werden kann. Balsamisch und süß, Harz-Galore, Pflaume, „mit (zeitweisem) Schuss“. Ich würde ihn nicht außerhalb des Winters tragen.
2 Antworten
EphelideEphelide vor 5 Jahren
Dankeschön, Leviz! :)
LevizLeviz vor 5 Jahren
Der perfekte winter-duft, schön geschrieben.