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Top Rezension
Jersey Lillie
Im Süden des Ärmelkanals - in der Bucht von Saint-Malo und damit dem französischen Festland deutlich näher als dem britischen - liegen die Kanalinseln. Die Inseln sind sogenannte Kronvogteien, die der britischen Krone direkt unterstellt sind, jedoch nicht zum Vereinigten Königreich gehören. Topographisch zwischen England und Frankreich liegend vermischen sich hier auch die Kulturen beider Länder - Umgangssprache ist heute Englisch, doch Gerichts- und Kirchensprache ist noch das Französische. Die mit Abstand größte der Kanalinseln ist Jersey.
Im Oktober 1853 wurde auf Jersey ein Mädchen geboren, ihr Name war Lillie Langtry. Schon jung erblühte sie zur Aufsehen erregenden Schönheit - und schnell verstand sie, dass ihr Streben nach gesellschaftlichem Aufstieg sich nicht erfüllen würde, solange sie auf Jersey bliebe. Sie ging nach London, heiratete einen irischen Kaufmann und erlangte Zutritt zu den ersten Kreisen der viktorianischen Gesellschaft. Dem präraffaelitischen Schönheitsideal nahe inspirierte sie zahlreiche Künstler ihrer Tage und war mehrere Jahre lang die Geliebte des Prinzen von Wales.
Der Charme eines Wanderers zwischen den Welten und zwischen etwas zutiefst Französischem - der Wesensart des Œuvres des Hauses Serge Lutens (und der Jahrhunderte andauernden normannischen Geschichte Jerseys) - und etwas überaus akzentuiert Englischem - dem Thema des Fünf Uhr-Tees (und Lillie Langtreys Aufstieg in die Londoner Gesellschaft) - beschreibt die Seele von Lutens' Five o'clock au gingembre am besten. Schon sein Name ist (bewusst) ein britannisch-gallischer Hybrid, erschaffen wurde er vom berühmten Christopher Sheldrake, der in Indien als Sohn britischer Eltern geboren und in Frankreich zum Parfumeur ausgebildet wurde. Dies ist kein Duft, der von Lords und Ladies in eichenhölzernen Bibliotheken erzählt, von strengen Butlern und Teesieben aus Silber - so linear und einfach konzipiert ist er nicht. Ich empfinde ihn als überaus kontemporär, nachgerade modern in seinem Dualismus aus honigbitterer Ingwerpflaume, einem fernen Anklang von Gewürz und einer gebrochenen Gourmandnote, zart vibrierend wie die Klanghölzer eines Xylophons. Er ist urban und kultiviert (und ein bisschen Bohème) - wie Lillie Langtry, die man nach ihrem erfolgreichen Entrée in Londons tonangebende Salons ob ihrer Herkunft 'Jersey Lillie' nannte.
Fazit: die olfaktorische Umarmung von Frankreich und England. Und sehr schön.
Im Oktober 1853 wurde auf Jersey ein Mädchen geboren, ihr Name war Lillie Langtry. Schon jung erblühte sie zur Aufsehen erregenden Schönheit - und schnell verstand sie, dass ihr Streben nach gesellschaftlichem Aufstieg sich nicht erfüllen würde, solange sie auf Jersey bliebe. Sie ging nach London, heiratete einen irischen Kaufmann und erlangte Zutritt zu den ersten Kreisen der viktorianischen Gesellschaft. Dem präraffaelitischen Schönheitsideal nahe inspirierte sie zahlreiche Künstler ihrer Tage und war mehrere Jahre lang die Geliebte des Prinzen von Wales.
Der Charme eines Wanderers zwischen den Welten und zwischen etwas zutiefst Französischem - der Wesensart des Œuvres des Hauses Serge Lutens (und der Jahrhunderte andauernden normannischen Geschichte Jerseys) - und etwas überaus akzentuiert Englischem - dem Thema des Fünf Uhr-Tees (und Lillie Langtreys Aufstieg in die Londoner Gesellschaft) - beschreibt die Seele von Lutens' Five o'clock au gingembre am besten. Schon sein Name ist (bewusst) ein britannisch-gallischer Hybrid, erschaffen wurde er vom berühmten Christopher Sheldrake, der in Indien als Sohn britischer Eltern geboren und in Frankreich zum Parfumeur ausgebildet wurde. Dies ist kein Duft, der von Lords und Ladies in eichenhölzernen Bibliotheken erzählt, von strengen Butlern und Teesieben aus Silber - so linear und einfach konzipiert ist er nicht. Ich empfinde ihn als überaus kontemporär, nachgerade modern in seinem Dualismus aus honigbitterer Ingwerpflaume, einem fernen Anklang von Gewürz und einer gebrochenen Gourmandnote, zart vibrierend wie die Klanghölzer eines Xylophons. Er ist urban und kultiviert (und ein bisschen Bohème) - wie Lillie Langtry, die man nach ihrem erfolgreichen Entrée in Londons tonangebende Salons ob ihrer Herkunft 'Jersey Lillie' nannte.
Fazit: die olfaktorische Umarmung von Frankreich und England. Und sehr schön.
2 Antworten
Blauemaus vor 9 Jahren
An mir hat er sich ebenfalls süsslich mit einer unangenehmen Gewürznote entwickelt. Irgendwie komme ich mit den SL nur sehr selten klar.
Jumi vor 9 Jahren
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Ich mag diesen neuen Begriff und die "olfaktorische Umarmung" selbst :) Ein schöner Kommi! Und der Duft - für mich einer der schönsten aus dem Hause Lutens.

