30
Top Rezension
Pff pff Wow
Als der Duft Ores das erste Mal meine Synapsen erreichte, schmissen sich umgehend die Rotoren meines Sprachzentrums an und kommunizierten ein einfaches, aber klares "Wow" an meinen Mund. Pff pff Wow. Der Sound von Ore?
Ich bin noch nicht lange Teil dieser Community. Viele hochgelobte Düfte haben mich kaltgelassen, waren sicher hochwertig und besonders, schafften es aber nicht zur rechten Gehirnhälfte. Und dann gibt es da die Ausnahmen, die mit sofortiger Wirkung den Alltag lahmlegen und sich deutlich an die linke Gehirnhälfte richten mit den Worten: "Du hast jetzt mal Pause." Warum diese Düfte diese Wirkung haben, lässt sich häufig auch nach längerem Nachdenken nicht rekonstruieren. Das macht wahrscheinlich den Reiz aus.
Ore startet mit dunklem, unheimlich sattem Kakao-Puder. Das weht quasi durch die Nasen-Flügel gefühlt durch den ganzen Körper und verteilt die Kalorien in den Poren. Vielleicht liegt es daran, dass ich meine Ernährung letztes Jahr umgestellt habe. Vielleicht ist es post-traumatischer Heißhunger. Mich fasziniert das ungemein. Bei Ore klebe ich am Handgelenk als sei er Heißkleber, der meine Haut da erreicht. Der Kakao ist trocken, weniger bitter als echter 100%iger Kakao, aber in der Süße weitaus dezenter als man es von üblichen Gourmands kennt. Die Kakao-Note zieht sich im weiteren Verlauf etwas zurück, dominiert aber weiterhin. Umschmeichelt wird das Ganze von einer Spirituose, etwas leicht Malzigem und dunklem Holz. Bei dem verwendeten Holz muss ich spontan an eine alte Kolonialvilla denken, die ich vergangenes Jahr auf Mauritius besucht habe. Gar nicht unbedingt antiquiert, sondern herrschaftlich und edel. Der Verlauf lässt Ore sanfter werden, ohne ihm jedoch die Sattheit, das Dunkle, das Selbstbewusstsein zu nehmen.
Die Haltbarkeit ist für ein Extrait wenig überraschend sehr gut. Die Sillage kann ich nicht beurteilen, da ich bis heute nicht verstanden habe, wie man das selbst genau misst. Interessiert mich gerade auch nicht, weil mich der Duft von Ore fesselt und auf eine nicht ganz greifbare Weise ankommen lässt. Kann sein, dass der Duft gerade durch die Fenster fließt und irgendwo Diabetes auslöst. Muss mir gerade mal egal sein.
Ich wüsste gar nicht, ob ich Ore als (Halb-)Gourmand bezeichnen würde. Schubladen interessieren ihn wahrscheinlich gar nicht. Ore ist nicht essbar (es sei denn, man ist Kannibale) und wie gesagt nur dezent süß. Thematisch passt der Duft schon eher zum Herbst oder zum Winter. Das würde ich aber nicht so eng sehen. Heute war ein sonniger, warmer Tag. Die letzten Atemzüge dieses Frühlingstages strömen gerade durch die Fenster, vermischen sich mit entspannten Soul-Beats und verstehen sich super mit Ore. Den ich mir gut als Abendduft zum Ausgehen vorstellen kann, jedoch auch bei entspannten Abenden mit sich allein oder zu zweit sehe.
Für mich sticht er heraus aus der Masse, die es ja durchaus auch in der Nische gibt. Er ist völlig unprätentiös und gleichzeitig präsent und stark. Ore muss niemanden etwas beweisen. Und gerade dadurch macht er Eindruck. Wäre Ore ein Tier, wäre er ein Braunbär. Oder wie man in einer Werbeagentur sagen würde: Ein Mocca-Bär.
Das Bild des Braunbäres kam mir irgendwie in den Sinn. Wahrscheinlich ist es das Starke und Natürliche von Ore, dass das Bild schuf. Wer weiß.
Ich denke ernsthaft darüber nach, mir einen Flakon zuzulegen. Ich muss jedoch dazu sagen, dass ich noch keinen anderen Slumberhouse gerochen habe und noch auf weitere Duftproben der Marke warte. Bis ich diese begutachtet habe, werde ich wahrscheinlich machen wie die letzten Abende. Zur Vielzahl der angesammelten Proben gehen, wie selbstverständlich zum Ore greifen und mich gut fühlen.
Ein "Wow" kommt immer dann, wenn andere Worte fehlen. So ist es bei mir und Ore. Falls das so bleibt, könnte das was Längeres mit uns werden. Schlussendlich zählt nicht der Sound vom Duft selbst, sondern vom Widerhall aus der rechten Gehirnhälfte. Klingt komisch und ist komisch. Und das ist gut so.
____
Nachtrag 13.04.2018
Es ist passiert: Ich habe einen Flakon bestellt. Ore wird nicht müde, mich zu begeistern. Bei jedem Schnuppern feier ich erneut ab. Was will man mehr?
____
Ein Nachtrag ist nicht genug:
Die individuelle Duftwahrnehmung bei Ore hängt mit Sicherheit auch mit der Art des Zerstäubers und der aufgesprühten Duftkonzentration zusammen. Die oben genannten Eindrücke beziehen sich auf einen 2ml-Minizerstäuber. Dieser gibt natürlich weniger vom Stoff frei als der Original-Flakon. Wenn dem Finger am Abzug die Sanftheit fehlt, kann die Geschichte schon mal deutlich bitterer und finsterer ausfallen als oben beschrieben. Das war mir aufgefallen, als ich den Flakon feierlich eingeweiht hatte und die erste Ladung auf meine Haut knallte.
Ich bin noch nicht lange Teil dieser Community. Viele hochgelobte Düfte haben mich kaltgelassen, waren sicher hochwertig und besonders, schafften es aber nicht zur rechten Gehirnhälfte. Und dann gibt es da die Ausnahmen, die mit sofortiger Wirkung den Alltag lahmlegen und sich deutlich an die linke Gehirnhälfte richten mit den Worten: "Du hast jetzt mal Pause." Warum diese Düfte diese Wirkung haben, lässt sich häufig auch nach längerem Nachdenken nicht rekonstruieren. Das macht wahrscheinlich den Reiz aus.
Ore startet mit dunklem, unheimlich sattem Kakao-Puder. Das weht quasi durch die Nasen-Flügel gefühlt durch den ganzen Körper und verteilt die Kalorien in den Poren. Vielleicht liegt es daran, dass ich meine Ernährung letztes Jahr umgestellt habe. Vielleicht ist es post-traumatischer Heißhunger. Mich fasziniert das ungemein. Bei Ore klebe ich am Handgelenk als sei er Heißkleber, der meine Haut da erreicht. Der Kakao ist trocken, weniger bitter als echter 100%iger Kakao, aber in der Süße weitaus dezenter als man es von üblichen Gourmands kennt. Die Kakao-Note zieht sich im weiteren Verlauf etwas zurück, dominiert aber weiterhin. Umschmeichelt wird das Ganze von einer Spirituose, etwas leicht Malzigem und dunklem Holz. Bei dem verwendeten Holz muss ich spontan an eine alte Kolonialvilla denken, die ich vergangenes Jahr auf Mauritius besucht habe. Gar nicht unbedingt antiquiert, sondern herrschaftlich und edel. Der Verlauf lässt Ore sanfter werden, ohne ihm jedoch die Sattheit, das Dunkle, das Selbstbewusstsein zu nehmen.
Die Haltbarkeit ist für ein Extrait wenig überraschend sehr gut. Die Sillage kann ich nicht beurteilen, da ich bis heute nicht verstanden habe, wie man das selbst genau misst. Interessiert mich gerade auch nicht, weil mich der Duft von Ore fesselt und auf eine nicht ganz greifbare Weise ankommen lässt. Kann sein, dass der Duft gerade durch die Fenster fließt und irgendwo Diabetes auslöst. Muss mir gerade mal egal sein.
Ich wüsste gar nicht, ob ich Ore als (Halb-)Gourmand bezeichnen würde. Schubladen interessieren ihn wahrscheinlich gar nicht. Ore ist nicht essbar (es sei denn, man ist Kannibale) und wie gesagt nur dezent süß. Thematisch passt der Duft schon eher zum Herbst oder zum Winter. Das würde ich aber nicht so eng sehen. Heute war ein sonniger, warmer Tag. Die letzten Atemzüge dieses Frühlingstages strömen gerade durch die Fenster, vermischen sich mit entspannten Soul-Beats und verstehen sich super mit Ore. Den ich mir gut als Abendduft zum Ausgehen vorstellen kann, jedoch auch bei entspannten Abenden mit sich allein oder zu zweit sehe.
Für mich sticht er heraus aus der Masse, die es ja durchaus auch in der Nische gibt. Er ist völlig unprätentiös und gleichzeitig präsent und stark. Ore muss niemanden etwas beweisen. Und gerade dadurch macht er Eindruck. Wäre Ore ein Tier, wäre er ein Braunbär. Oder wie man in einer Werbeagentur sagen würde: Ein Mocca-Bär.
Das Bild des Braunbäres kam mir irgendwie in den Sinn. Wahrscheinlich ist es das Starke und Natürliche von Ore, dass das Bild schuf. Wer weiß.
Ich denke ernsthaft darüber nach, mir einen Flakon zuzulegen. Ich muss jedoch dazu sagen, dass ich noch keinen anderen Slumberhouse gerochen habe und noch auf weitere Duftproben der Marke warte. Bis ich diese begutachtet habe, werde ich wahrscheinlich machen wie die letzten Abende. Zur Vielzahl der angesammelten Proben gehen, wie selbstverständlich zum Ore greifen und mich gut fühlen.
Ein "Wow" kommt immer dann, wenn andere Worte fehlen. So ist es bei mir und Ore. Falls das so bleibt, könnte das was Längeres mit uns werden. Schlussendlich zählt nicht der Sound vom Duft selbst, sondern vom Widerhall aus der rechten Gehirnhälfte. Klingt komisch und ist komisch. Und das ist gut so.
____
Nachtrag 13.04.2018
Es ist passiert: Ich habe einen Flakon bestellt. Ore wird nicht müde, mich zu begeistern. Bei jedem Schnuppern feier ich erneut ab. Was will man mehr?
____
Ein Nachtrag ist nicht genug:
Die individuelle Duftwahrnehmung bei Ore hängt mit Sicherheit auch mit der Art des Zerstäubers und der aufgesprühten Duftkonzentration zusammen. Die oben genannten Eindrücke beziehen sich auf einen 2ml-Minizerstäuber. Dieser gibt natürlich weniger vom Stoff frei als der Original-Flakon. Wenn dem Finger am Abzug die Sanftheit fehlt, kann die Geschichte schon mal deutlich bitterer und finsterer ausfallen als oben beschrieben. Das war mir aufgefallen, als ich den Flakon feierlich eingeweiht hatte und die erste Ladung auf meine Haut knallte.
3 Antworten
Igli vor 7 Jahren
1
Ich finde dich lustig! Den Duft muss ich testen!
FrauLohse vor 7 Jahren
Sehr schöner Kommentar, der übrigens genau meine Sillagewahrnehmung beschreibt. Kein Mensch kann das sagen, wenn er es nicht fremd gerochen hat. Aber manchmal muss es einem echt egal sein, wer gerade irgendwo Diabetes bekommt. Schönster Satz.
JoHannes vor 7 Jahren
Schöner Kommentar zu einem schönen Duft einer schönen Marke ... bin gespannt, wie die anderen bei dir ankommen (Jeke ist mein liebster).

