Figue Érotique von Tom Ford

Figue Érotique 2025

loewenherz
15.12.2025 - 15:54 Uhr
37
Top Rezension
6Duft 7Haltbarkeit 7Sillage 7Flakon

'Die am meisten drüber reden, tun es am wenigsten.'

sagte man in meiner Jugend, und ich behaupte einfach mal, so ist das immer noch. Und (zu) viel drüber reden tut leider (immer noch oder schon wieder) Tom Ford, was ich aus mehreren Gründen betrüblich finde. Nach - im Englischen wie auch in dessen Übersetzung - sprachlich fragwürdig originellen Trouvaillen wie Lost Cherry, Rose Prick und Vanilla Sex hatte ich eigentlich gedacht, man wäre im Haus Ford mit schlüpfrigen Doppeldeutigkeiten nun endlich durch (zumal mit etwa Black Lacquer oder zuletzt Oud Voyager ja zeitgleich durchaus Annehmbares feilgeboten wurde). Falsch gedacht. Dass nun ausgerechnet der Akkord Feige, den ich persönlich grundsätzlich nicht ganz einfach finde, mit einem besonders beklagenswert plumpen Namen bedacht wurde, hilft zusätzlich nicht.

Ich suche und schätze bei Parfums neben dem Duft an sich auch stets das ihm zugrundeliegende Konzept - hoffentlich gibt es ein solches. Also nicht nur, wie er handwerklich gemacht ist, sondern auch, wie er akademisch gedacht und umgesetzt ist. Und 'Figue Érotique' hat die Reife und Hintergründigkeit einer Gruppe angetrunkener Teenager-Jungs, die gröhlend an einer halbierten Feige lecken. Und dann - muhaha! - den Finger reinstecken. Die Subtilität einer Fernfahrerzeitschrift aus den 90ern, deren Titel verrät: 'Geheime Sex-Tipps tabuloser Friseusen!'. Ein Duftkonzept, das eher an Bruno Banani denken lässt (sorry, Bruno - ich kenne keinen deiner Düfte, bestimmt sind die ganz toll!) als an einen, der neben wirklich sinnlichen Altvorderen wie Santal Blush oder Noir de Noir (be-)stehen kann.

Gemacht ist Tom Fords Feige ganz 'okay-ish' - wenn man denn süß und Frucht und Feige mag. Fast hatte ich gehofft, ihn mehr zu hassen, aber stattdessen habe ich den Duft an sich schon fast wieder vergessen. Das mag einerseits vielleicht an seinem en passant-Test an einem Flughafen liegen, zeigt andererseits aber doch auch, wie wenig er sich einprägt und macht mit mir. Aus der Idee 'erotische Feige' hätte man mutig etwas mit dem Zitat von Haut und Schweiß und körperlichen Säften bauen können - statt nur ein bisschen bitter und ein bisschen grün und dann lange sehr süß - wenn Muscovado-Zucker auch ein bisschen schicker klingt. Doch das wäre wohl zu viel Sex gewesen für den prüden Durchschnittsamerikaner, der Figue Érotique am besten ja noch vor Jahresende kaufen soll.

Fazit: weniger drüber reden, Tom. Mehr machen!
5 Antworten
TomFord12345TomFord12345 vor 14 Tagen
Wenn man einen Duft nur 1x flüchtig gerochen hat, sollte man sich keine Rezension anmaßen. Da könnt ihr gerne anderer Meinung sein.
GalbanumLeafGalbanumLeaf vor 17 Tagen
Mein Gott, obwohl ich diesen Duft noch nicht ausprobiert habe, ist das gut gesagt. Ich schätze, wie du deine Meinung formulierst und unterstützt. Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, deine Gedanken zu teilen.
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Medusa00Medusa00 vor 19 Tagen
Ich finde die meisten Düfte aus dem Haus sowieso überbewertet, sorry
MarieposaMarieposa vor 21 Tagen
Und wieder lässt du dir von Tom Ford ein kleines bisschen das Herz brechen ...
ElAttarineElAttarine vor 21 Tagen
1
"die Reife und Hintergründigkeit einer Gruppe angetrunkener Teenager-Jungs" - o weh...
Ich bleibe da bei Muglers Womanity.