Nun muss ich zu diesem wunderbaren Duft, der viele, viele Jahre mein absoluter Favorit war, man kann auch von Liebe zu diesem Duft sprechen, mein Statement abgeben.
Mein Mann und ich hatten einen Shopping-Samstag fast absolviert und machten in der Parfümerie unseres Vertrauens auf ein Glas Sekt ein Abschluss-Päuschen, auch um neue Düfte zu schnuppern. Ich griff nach einem Flakon, den ich zuvor noch nie gesehen hatte, es war der einzige Flakon, den ich an diesem Tag in die Hand nahm, außer der Entdeckung meines Mannes – Grey Flannel, das zu meiner großen Verwunderung heute doch allzu gerne als Altherrenduft deklassiert wird. So wie First, ich glaubte nicht recht zu lesen, als „durchschnittlich und billig“ eingestuft wurde. Solche Verirrungen schreibe ich einmal dem jugendlichen Alter der Verfasser zu…… Beide Düfte haben die Jahrzehnte überlebt, sind immer noch am Markt vertreten und auch gefragt. Mein Mann, der über einen hervorragenden Geschmack verfügte, stieg jedenfalls ohne zu zögern von Aramis auf Grey Flanell um und es gab nie mehr einen Duft, den er öfter als zwei- bis dreimal getragen hätte.
Zurück zu FIRST! Zugegeben, Eau de Soir ist inzwischen mein Parfum erster Wahl, doch ohne ein Flasche First blieb ich dennoch nie. Bis zu dem Tag, als ich mir ein neues Fläschchen kaufen wollte und mir selbiges in der Parfümerie vor Entsetzen fast aus der Hand fiel. Ganz offensichtlich ein Reformulierungsopfer. Seither bin ich auf der Suche nach dem Original, was sich als äußerst schwierig gestaltet.
FIRST kam, sah und siegte. Ich war begeistert und fühlte mich mit diesem, nach meinem Duftempfinden überaus edlen, subtilen und auch unterschwellig sehr erotischen Duft sogleich eins. Die leichte, frisch-fruchtige Kopfnote geht langsam, nahezu übergangslos über in ein Herz von unaufdringlicher, dicht verwebter Blumigkeit, die von Hyazinthe und Ylang sehr dezent dominiert wird, um nach einer Weile auf dem unnachahmlich gekonnt komponierten Bett aus Vetiver, Sandelholz und weichem Moschus eine sehr sensible Symbiose einzugehen. Eichenmoos sorgt dafür, dass sich keine klebrige Süße durch Tonka und Vanille einstellen kann. Ich habe in diesem Duft niemals Honignoten wahrgenommen, was bei mir, je nach Konzentration, das absolute Aus für jeden Duft einläutet.
Ja so war das mit meiner Liebe zu FIRST, die niemals ganz endete.
Sollte jemand einen älteren Flakon dieses edlen Nektars unbeachtet und ungeliebt in einem Eckchen stehen haben, bitte ich um Nachricht; sofern es sich um den Originalduft, der noch nicht kastriert wurde, handelt. (Die reformulierte Variante wird einem übrigens inzwischen für ein paar Euros in der Bucht nachgeworfen, ein Trauerspiel!)
Das Entsetzen kann ich gut verstehen. Heute habe ich die reformulierte Fassung in einer Parfumerie vor Ort getestet, weil meine Mutter diesen Duft in den 80er Jahren sehr mochte. Was für ein Abstieg - er hat nichts mit dem alten Duft gemein.
Gern gelesen. Es ist so ärgerlich, mit diesen Reformulierungen. Fast jeder Duftklassiker ist davon betroffen. Meist verliert der Orignalduft durch die Modernisierung an Charakter u. Klasse. Wie schade. Ich liebe GEM von Van Cleef. Toller Duft.