Login

Konto erstellen Passwort vergessen?
Serenissima
17.01.2022 - 18:53 Uhr
21
Top Rezension
8Duft 8Haltbarkeit 8Sillage 8Flakon

kräftig, eigensinnig und stolz

Nachdem mir gleich zwei Herrendüfte der Serie „Casamorati“ von Xerjoff unter das Näschen gerieten, ergibt sich nun doch die Gelegenheit einer Gegenüberstellung, soweit das überhaupt möglich ist:
Düfte zu vergleichen kommt mir vor, als würde ich dies mit Äpfeln und Birnen tun.
Aber einen Versuch ist es wert.

Dort, wo „Mefisto“ elegant und stilvoll und angenehm leise ist, kommt „Fiero“ kräftig und würzig daher; Rücksichtnahme ist nicht sein hervorragendes Attribut, obwohl er niemanden belästigt.
„Hier bin ich und Ihr dürft Euch freuen, dass ich da bin!“ könnte die Einstellung dieser intensiven Duftpersönlichkeit sein.

Schon das erste Auftreten ist üppig und kräftig: reife, aromatische Zitrusfrüchte erobern ihren Weg und scheinen sich zeitweise um den Platz in der ersten Reihe zu balgen.
Bergamotte und Zitrone werden begleitet von Blutorange, alles gekrönt durch Zitronengras: das bizzelt schon äußerst frisch in der Nase.
Nichts ist hier mit einem leisen Hauch von Entrée: „Fiero“ ist gekommen, um zu bleiben.
Und stürzt sich auch sogleich Hals über Kopf und voller Leidenschaft in die Kopfnote: vor Kraft und Würze strotzt diese.
Jedes widerstandfähige Küchenkraut muss daran glauben: Thymian und Estragon verbreiten kraftvolle Energie und werden nur etwas durch die leisere aromatische Minze gezähmt.
Neroliöl in seiner zarten balsamischen Art versucht ein wenig die Ecken und Kanten im Duftbild abzuschleifen; es gelingt: der würzige Kraftprotz wird etwas weicher und doch dominiert seine Stärke diesen Duft nach wie vor.
Stolz ist er und eigensinnig!
Daran ändert auch die gekonnte Mischung der wohlbekannten Basisnote nichts.
Sandelholz zeigt auch hier wie üblich seine Widerhaken, edel die maskuline Note dieser Duftkreation unterstreichend!
Patchouli und Vetiver bestätigen eher robuste Erdverbundenheit; eine nicht zu kleine Dosis geriebener Muskatnuss verstärkt diesen Eindruck noch.
„Fiero“ ist bodenständig und dabei doch äußerst raffiniert komponiert.
Und somit ein klassischer Herrenduft für ganz besondere Kenner!

Mir als kleiner blonder Frau ist er zu gewaltig; er drängt mich etwas in die Ecke: seinen Duft-Ellenbogen habe ich nichts entgegenzusetzen.
Vor dieser langanhaltenden kräftig duftenden Männlichkeit muss ich kapitulieren.
Obwohl „Fiero“ in seinem kräftigen naturverbundenen Outfit äußerst interessant daherkommt, ist dieser Kerl doch eine Nummer zu stark für mich.

Ich glaube, ich bin beim „Stadtfrack Mefisto“ mit seinem Esprit und dem charismatischen Auftreten sehr viel besser aufgehoben.
Diesen ausgreifenden weiten Schritten von „Fiero“ durch dessen Duftwelt kann ich nicht folgen; dazu sind wohl meine Beine zu kurz und ein Land Rover oder Jepp, der zu im passen würde, nicht das richtige Fahrzeug für mich.

Aber die Bekanntschaft mit diesem nicht uninteressanten Naturburschen hat mich gefreut.
Xerjoff gelingt es auch hier, eindrucksvoll auf den Spuren der Traditionsmarke Casamorati zu wandeln und so diese Düfte aus der Versenkung in die Gegenwart zu holen.
Ein wirklich großartiger Versuch; doch diesmal nichts für mich!
3 Antworten
GelisGelis vor 4 Jahren
1
Ich vermute sehr stark, dass Thymian und Estragon mir diesen Duft verleiden würden. Neugierde ist zwar trotzdem da, aber ein Blick auf meinen „ungetestet-Korb“ bestärkt mich darin, auf diese Dufterfahrung zumindest vorerst zu verzichten.
Wie immer gern, wenn auch spät, gelesen.
Can777Can777 vor 4 Jahren
1
Hier kann ich Dich sehr gut verstehen. Dieser Italiener ist wirklich etwas ungehobelt und raubeinig. Mir war er auch etwas zu vorlaut. Fein beschrieben..!
GoldGold vor 4 Jahren
1
So anschaulich beschrieben, ich kann ihn mir vorstellen. Danke.